Montag 10. Oktober 2005, 22:02 Uhr
Rabat weist Vorwürfe von Hilfsorganisation zurück
Rabat (AP) Die marokkanische Regierung hat den Vorwurf zurückgewiesen, sie habe schwarzafrikanische Flüchtlinge ohne Wasser und Nahrung in der Wüste ausgesetzt. «Wir geben ihnen starke Unterstützung. Wir versorgen sie mit Nahrungsmitteln und Wasser», sagte der marokkanische Kommunikationsminister Nabil Benabdallah am Montagabend der Nachrichtenagentur AP. Allerdings kämen im Bemühen, nach Europa zu gelangen, so viele Flüchtlinge nach Marokko, dass man nicht sicher sagen könne, ob alle versorgt seien.
Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hatte Marokko vorgeworfen, nahe der spanischen Exklave Melilla mindestens 400 Flüchtlinge in der Wüste ausgesetzt und sie ihrem Schicksal überlassen zu haben. Zudem wurden marokkanische Sicherheitskräfte für den Tod mehrerer Einwanderer verantwortlich gemacht, die in den vergangenen Wochen beim Versuch, nach Melilla oder in die zweite spanische Exklave Ceuta vorzudringen, erschossen worden waren.
Benabdallah erklärte dazu, Marokko könne es den Europäern offenbar nicht recht machen. Bislang sei seine Regierung stets dafür kritisiert worden, dass sie nicht energisch genug gegen das Vordringen von Flüchtlingen an die spanischen Grenzanlagen vorgehe. Zugleich beschuldigte er das Nachbarland Algerien, über das viele Flüchtlinge aus Staaten südlich der Sahara nach Marokko einreisen, die gemeinsame Grenze praktisch nicht zu überwachen. «Ich glaube nicht, dass Algerien Verantwortung übernehmen will», sagte Benabdallah.
Die Beziehungen zwischen den beiden nordafrikanischen Staaten sind seit langem angespannt. Laut einem Bericht der spanischen Zeitung «El Pais» warten in einem Lager auf der algerischen Seite der Grenze etwa 3.000 Afrikaner auf einen geeigneten Zeitpunkt, um ihre Flucht nach Melilla in Angriff zu nehmen. Algerische Reporter und ein von AP telefonisch befragter Bewohner des Lagers gaben die Zahl der dort lebenden Flüchtlinge mit 1.500 bis 2.000 an.