Nochmal - zum letzen Mal - das Nähkästchen auf:
dreamfighter, glaub mir, es ist ein Unterschied, ob du verheiratet bist (oder in einer anderen Situation, die dem sehr nahe kommt, weil eben auch zwingend verbindend: die Sicherung des Aufenthaltes unter Zugrundelegung des Gefühls der moralischen Verpflichtung) oder "nur so" zusammenlebst.
Bei einer Ehe treffen sogar zwei "Zwangfaktoren" aufeinander, nämlich eben das Verheiratetsein UND die Aufenthaltssicherung.
Lebst du nur zusammen... gibt es schneller Situationen, wo du die viel zitierte Sau rauslässt (verbal), den Koffer vor die Tür stellst, mit Schlüsseln wirfst oder sie zurückverlangst. Du kannst ganz andere "Waffen" auffahren, Waffen, die du in einer Ehe oder (ich nenn das jetzt mal so) moralischen Pseudoehe nie zum Einsatz bringen wirst, weil du dir a) des Gebundenseins sehr bewusst bist und b) auch mit verletztenden "Stilmitteln" vorsichtiger umgehst, weil du ja genau weisst: So leicht führt kein Weg mehr aus der Situation raus - einfach gehen oder wegschicken ist nicht mehr, also Verletzungsrisiko möglichst niedrig halten (Was allerdings die "Gegenseite" nicht unbedingt genauso sieht, im schlimmsten Falle sogar daraus Profit zieht und eben genau diese kleinen Unfairheiten reichlich einfliessen lässt, um den Druck zu erhöhen). Dadurch steigt aber auch das eigene Frustpotenzial, denn vieles, was du sonst rauslassen würdest, gärt und schwärt in dir. Das geht eine Weile ganz gut, zumindest solange, wie die rosa "Oh-mein-Schatz-Hayati-Habibi-Liebling-ist-endlich-bei-mir"-Brille noch nicht so beschlagen ist, dass man sie endgültig absetzt. Die wahre Katastrophe tritt genau danach ein. Ohne eben jene sieht man nämlich plötzlich noch viel mehr Dinge, die einen tierisch nerven - aber immer noch drückt die Moral, der Frust wuchert fröhlich vor sich hin. Im besten Falle (also von den schlechten, ich sag ja kein Wort gegen die glücklichen AMIGA-Inhaberinnen, die bestimmt lebenslang auf Wolke 7 schweben werden, deren Himmel voller Geigen hängt - oder Tablas und Ouds - weil sie soooo anpassungsfähig sind, Gott bewahre) wird sich das in ein mehr oder minder "harmloses" Nebeneinanderleben mit fortschreitender Reduktion der Berührungs- und Konfliktpunkte entwickeln, nutzt keinem mehr, tut aber auch keinen wirklich weh, weil man sich eigentlich damit abgefunden hat aber aus Gründen der Fairness zumindest die Zeit bis zum eigenständigen Aufenthalt absitzt. Im schlimmsten Falle kann es ein Grabenkrieg werden, der sich Von und Zu schreibt. Und glaub mir, männliche Subtilität in Sachen Kriegführung ist von uns selten erreichbar.
Aber - ich will keine Unruhe säen. Vielleicht spiegelt das von mir Beschriebene ja nur meine (ok, nicht nur meine, ich habe ähnliche Entwicklungen bei mehreren Bi-Nationals live und 3D miterleben dürfen/müssen) wieder und hier sind alle davor gefeit. Aber... vielleicht haben einige auch nur (noch) nicht den Mut, sich selber einzugestehen, dass der Karren eigentlich schon verdammt tief im Dreck steckt und man den Gaul davor gnadenhalber doch lieber erschiessen sollte... Alles spekulativ, ich weiss, aber ich habe zu oft gesehen, wie sich die Realität verzweifelt und über Monate, gar Jahre zurecht gebogen und gelogen und schön geredet wird. Ich schlage vor - wir diskutieren das Alle zusammen mal in 5-10 Jahren....
Nähkästchenfürimmerversiegelnder Gruß
Susanne