...Was das Internet anbelangt scheint Tunesien eh noch in den Kinderschuhen zu stecken, oder? ...

So ist es in der Tat - zwar nicht in so kleinen Schuhen wie Mittelafrika, doch nicht entfernt mit deutschem Standard zu vergleichen. Die Internet-Cafes verfügen durchweg über schwache Anbindungen (256kbit - 512 kbit), und die mietbaren DSL-Leitungen (64/128/256/512/1024) sind nicht überall verfügbar (angeblich, weil die Telekom die Infrastruktur derzeit nicht schaffen kann), sehr teuer (die 1024er Leitung liegt bei ca. 90€/Monat, dieser Preis ist seit fast einem Jahr unverändert) und zudem nur in den Nachtstunden wirklich zu gebrauchen (Erhebliche Kapazitätsmängel in den Umsetzpunkten und beim Backbone-Provider in England tagsüber, da bricht der Datendurchsatz nicht selten auf bis zu 1/100 ein.).
Geschäftsleute und Privatleute klagen einhellig über die Durchsatzprobleme, die hauptsächlich tagsüber auftreten und die regelmäßige, geschäftliche Nutzung erschweren.

Ein weiteres Infrastrukturproblem liegt in der Netztopologie, es gibt hier z.B. keine Ringleitungen, sondern nur einen einzigen Nord-Süd Backbone, wenn da irgendwo ein Problem auftritt, steht quasi alles (ganz zu schweigen von der Außenanbindung, die, wie schon gesagt, über eine Direktleitung nach England mit beachtlichen Latenzzeiten realisiert wird).

Die Einwahl per Modem ist überall möglich, wo ein Festznetzanschluß zur Verfügung steht, doch auch hier gibt es gravierende Kapazitätsmängel - für ein Internet des Jahres 1997 würden die Leitungen ausreichen (hauptsächlich textbasierte Informationen, plainText-Emails), doch für den heutigen Stand des Internets sind sowohl die Modem- als auch die angebotenen DSL-Leitungen nicht ausreichend.

Hinzu kommt, daß weite Teile des Internets nicht erreicht werden können, da der gesamte Traffic durch eine Observation-Station in Tunis geschleust wird, der sogar Nameserveranfragen blockt. Z.B. die Google-Cache-Informationen sind komplett gesperrt, die Bild-Zeitung, das Stern-Magazin, und ebenso viele weitere Seiten mit offenbar mißliebigen Informationen (das Usenet ist allerdings überraschender- und unnverständlicherweise völlig offen...)

Marokko hingegen bietet sogar bis zu 4MBit-DSL-Leitungen an, die zudem nicht so stark reglementiert sind - und Italien, das ja nur einige Kilometer entfernt liegt, verfügt sogar über eine sehr gute Infrastruktur.

Aussagen der Provider zufolge sollen sich die Leitungsverhältnisse in Tunesien in den kommenden Jahren bessern, doch zumindest im Moment hat Tunesien in etwa den Stand von Deutschland in den Jahren 1997/98, wer den erlebt hat, weiß genau, wovon ich rede.

Preismäßig sind Internet-Leistungen völlig überteuert, vielfach sogar teurer als in Deutschland, was sich besonders dann zeigt, wenn man ein Verhältnis zum hiesigen Lohn-Niveau herstellt - doch selbst, wenn man dies unberücksichtigt läßt, stehen Preis und Leistung in einem kaum akzeptierbaren Verhältnis.

Als Fazit kann ich nur den ersten Satz wiederholen - Tunesien befndet sich nicht auf dem Stand eines Staates in Schwarzafrika, wo (noch) ein ganzes Land über eine einzige 64kBit-Leitung angebunden ist, doch ist auch noch sehr, sehr weit von europäischen Verhältnissen entfernt.