...Wenn man reif und bereit für die Familie ist, sucht man schon nettes Mädchen aus und alles weiteres wird von älteren der Familie geregelt. D.h. in der Regel Mutter geht zu anderen Familie sprechen, andere Familienmitglieder hören sich um, ob die andere Familie guten ruf hat usw...

Ja, so in etwa läuft es ab. Die Frau selbst (habe ich selbst erlebt) legt ein beachtliches Nicht-Interesse an der ganzen Sache an den Tag und läßt in der Tat die Familie verhandeln (sogar, ohne selbst dabeizusein) und richtet sich dann entsprechend nach deren Urteil und Vorschlägen. Von "Liebe", so wie wir es definieren würden, habe ich hier noch nicht viel gehört, die "Gutheit" und "Solvenz" des Mannes sind die ausschlaggebenden Faktoren, bei den Frauen die "hohe Moral" und "familiäre Qualitäten" (Haushalt, Kinder, etc.), oder allgemein die "gute Erziehung" (was wohl nur eine Umschreibung für die vorstehenden Qualitäten und Moral ist).

Naja, und dann, wenn also die objektiven Dinge stimmen, dann kann die Liebe und Zufriedenheit ja nur noch kommen, wenn man erst mal verheiratet ist, denn auch die Pflichten des Mannes und der Frau stehen ja eh' schon fest, so daß keine Hindernisse mehr im Wege liegen.

Auch das Eheleben spielt sich betont unaufgeregt ab, häufige Zärtlichkeiten stellen Ausnahmen dar, in der Öffentlichkeit sowieso schon gar nicht. Die Männer ziehen sich häufig ins Cafe zurück, die Frauen ins Hamam oder zu einem Besuch der Familie (bzw. Empfang von Besucherinnen). Kinder werden schon früh nach der Heirat erwartet (so etwa ab 4 Monaten wird gefragt, ob man schon schwanger ist bzw. warum noch nicht), so daß die Frau dann einige Zeit nach der Heirat zusätzlich auch mit der Aufzucht des Nachwuchses beschäftigt ist.

Die Ehe an sich ist eher bzw. in vielen Fällen eine Zweckgemeinschaft (wie es im Prinzip ja auch die Religion vorgibt, die bestimmte Erwartungen an die Ehe stellt).