...Und ich wage jetzt zu sagen, dass genau diese Einstellung, sich einzubilden ein Tunesier ticke genau gleich wie ein Europäer, zu den meisten misslungenen Beziehungen führt...
Meine Rede. Die Rollenbilder und -erwartungen in Tunesien sind aber noch von einem ganz anderen Kaliber, als die meisten von uns es erwarten und selbst dann, wenn man sich schachlich über die Unterschiede austauscht, ändert das kaum etwas, denn die Umwelt fährt fort, an beiden Partnern zu nagen und sie im Hinblick auf die Übereinstimmung damit zu beeinflussen, oder, mit anderen Worten, hat man den Partner überzeugt, ist damit noch lange nichts gewonnen, denn der wird sich weiterhin den Forderungen und Erwartungen seiner Umwelt ausgesetzt sehen. Ich denke mittlerweile, daß der Schlüssel zu einem Erfolg im Willen des Partners liegt, sich von der Umwelt nicht beeinflussen zu lassen, denn, mal ganz abgesehen von den Beziehungen, die von vornherein nicht langfristig angelegt waren ("Bezness"), scheitern die meisten Beziehungen daran, daß sich viele Partner im Laufe der Zeit "zurück"bewegen, hinein in die Erwartungen der Landsleute und/oder Traditionen.
Es ist aufschlußreich, sich mit den Rollenbildern und -erwartungen tiefergehend auseinanderzusetzen, denn dadurch wird eher klar, mit welchen potentiellen Problemen man (wenn nicht gleich, dann später) konfrontiert werden wird und mag eventuell in der Lage sein, Vorkehrungen zu treffen bzw. sich selbst auf immer wiederkehrende Differenzen, die meist von außen herangetragen werden, einzustellen.
Ich selbst wurde mit diesem Thema erst so richtig konfrontiert, da diverse (weibliche und männliche) Familienmitglieder dem "unwissenden" Europäer" die Regeln des Zusammenlebens mit einer tunesischen Frau nach der Ehe nahe bringen wollten, und ich habe genau das lernen sollen, was hier im Forum fast unisono beklagt wird, besonders bizarr ist es, wenn gemeinsame Gespräche stattfinden und mir bald die Kinnlade runterklappt, was der Dame als Verhaltensmaßregeln gesagt wird - und die dann noch, ohne zu zögern, zustimmt.
Die Religion fügt dem dann noch einen weiteren Schwierigkeitsgrad hinzu, denn auch die stellt noch weitere Bedingungen und gibt Regeln vor und selbst wer sich als "modern" oder "europäisch orientiert" bezeichnet, ist, zumindest anfangs und vermutlich noch für eine ganze Zeit danach latent bereit, in diese Regeln zurückzufallen, weil sie eine einfache und diskussionsresistente (weil ultimative) Orientierung anbieten.
Als Fazit kann man nur sagen, daß die Rollenbilder von unseren europäischen in erheblichem Maße abweichen und man allein mit "gesundem Menschenverstand" nicht weiterkommt - denn auch dieser "Menschenverstand" leitet sich ja wieder daraus ab, was wir gelernt und erlebt haben und basiert objektiv nicht auf universellen (sondern eben westlichen) Werten. Und selbst wenn wir es geschafft haben, den Partner aus einem Rollenbild zu lösen, so befindet sich der für die Umwelt noch immer darin und wird danach beurteilt, ist also widerum der ständigen Konfrontation mit Familie, Freunden und selbst Leuten von der Straße ausgesetzt - und nur dann, wenn sich der Partner auch davon emanzipieren kann, dürfte langfristig eine "ruhige" Beziehung möglich sein.
In disem Forum wurde schon einmal der Hinweis auf eine Studie zu tunesischen Männern gegeben, empfehlenswert ist es aber auch, ein kleine Studie desselben Autors zu arabischen Frauen zu lesen, die einige weitere, nachdenkenswerte, Hinweise gibt:
http://haffani.blogspot.com/2005/07/sexualite-feminine-et-donnees-socio.htmlZudem lege ich es jeder europäischen Frau dringend ans Herz, sich eingehend (wirklich eingehend) mit tunesischen Frauen aus dem Umkreis (damit ist nicht unbedingt die Familie gemeint, sondern der lokale und soziale Umkreis) des Zukünftigen zu unterhalten, um die Erwartungen und Bedingungen, die diese an eine Ehe stellen, kennenzulernen, denn diese Bedingungen und Erwartungen werden zu späteren Zeitpunkten immer wieder aufflackern und/oder als erstrebenswert (oder das Gegenteil) erlebt und demonstriert werden.