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http://www.swr.de/nachrichten/-/id=396/nid=396/did=691632/dcbhro/index.htmlFlugzeugunglück vor Sizilien
Sizilien: Falsche Tankuhr war Ursache für Absturz
Ein folgenschwerer Fehler der Techniker hat Anfang August zum Flugzeugunglück mit 16 Toten vor Sizilien geführt.
Nach Auswertung der Flugschreiber steht nun fest: Sie bauten eine falsche Tankuhr ein. Dies führte dazu, dass die Maschine zu wenig Kerosin tankte - und nach wenigen hundert Meilen wegen Benzinmangels abstürzte.
Von Jörg Seisselberg, ARD-Hörfunkstudio Rom
16 Menschen sind in der Unglücksmaschine ums Leben gekommen - offensichtlich, so die Nationale Agentur für Flugsicherheit in Rom, weil die Techniker der tunesischen Fluglinie Tuninter einen verhängnisvollen Fehler begangen haben. Am Tag vor dem Absturz sei in Tunis an der ATR-Propellermaschine ein defekter Tankanzeiger ausgewechselt worden. Und bei dieser Reparatur haben sich die Flugtechniker anscheinend vertan.
Die Instrumente zeigten einen vollen Tank an
Sie setzten, so die Ermittler in Italien, eine Tankuhr für eine ATR-42-Maschine ein. Bei dem Unglücksflugzeug handelte es sich aber um eine ATR-72. Diese mutmaßliche Verwechslung hatte für die Piloten und die Passagiere fatale Folgen. Beim Nachtanken in Bari, vor dem Rückflug nach Djerba, wurden nur circa 250 Kilo Kerosin eingefüllt. Die neuen, auf ein anderes Flugzeugmodell geeichten Instrumente, zeigten aber einen vollen Tank mit 3000 Kilo an.
Das wenige Flugbenzin reichte nur bis kurz vor Sizilien, dann fiel zunächst der linke Motor aus, kurze Zeit später auch der rechte. Der Pilot versuchte mit der abstürzenden Maschine verzweifelt eine Wassernotlandung. 16 Passagiere, die auf dem Weg in den Urlaub nach Tunesien waren, kamen ums Leben, 32 Menschen konnten gerettet werden.
Piloten suchten hektisch nach einer Erklärung
Die Aufzeichnungen der vergangene Woche gefundenen Flugschreiber und Stimmenrekorder zeigen, dass Pilot und Co-Pilot kurz vor der Notlandung hektisch nach den Ursachen für den Motorausfall suchten - und keine Erklärung fanden, weil die Tankuhr im Cockpit noch ausreichend Flugbenzin anzeigte.
Experten waren bereits nach den ersten Bildern von der Notlandung stutzig geworden. Denn die Aufnahmen zeigten, dass die Propellermaschine, bevor sie auseinanderbrach, eine Zeitlang auf dem Wasser schwamm. Dies, so Flugzeugkenner, sei unmöglich, wenn die Kerosintanks - wie von den Instrumenten angezeigt - wirklich voll gewesen wären.
Warnung an europäische Flugsicherheitsbehörde
Die ATR-72 ist eine Propellermaschine, die auf mittleren Strecken weltweit von 120 Fluggesellschaften eingesetzt wird. Die Maschine galt gerade wegen ihrer Propellermotoren als sehr robust und wenig störungsanfällig. Jetzt haben die italienischen Ermittler aufgrund ihrer Erkenntnisse eine Warnung an die europäische Flugsicherheitsbehörde herausgegeben. Sie soll alle Flugtechniker weltweit dringend ermahnen, beim Austausch von Tankanzeigern in ATR-72-Maschinen aufzupassen, dass es nicht zu Verwechslungen kommt. Gleichzeitig wird das italienisch-französische Gemeinschaftsunternehmen ATR aufgefordert, durch bauliche Änderungen sicherzustellen, dass lebensgefährliche Pannen bei Tankuhr-Reparaturen in Zukunft ausgeschlossen sind.