...wir haben es nicht geschafft, und das ist traurig...
Das kann ich sehr gut nachvollziehen und empfinde es auch selbst so, auch wenn es bei uns (meiner Freundin und mir) nur ein Jahr lang gehalten hatte. Traurig macht insbesondere, daß man bereits gemeinsam zahllose Probleme überwunden hatte und so viel Energie, Zeit und auch Geld in etwas gesteckt hat, das sich am Ende als vergeblich erwiesen hat.
...ich habe den unterschied zwischen uns s o unterschätzt...
Nun, das hatte ich gewiß nicht, doch es gibt so viele subtile Einflüsse, die in Tunesien von außen an eine Beziehung herangetragen werden, daß man sie zunächst kaum bemerkt, bis sie dann plötzlich einen gewaltigen Keil getrieben haben.
Für die Beziehung tun.Mann-eur.Frau ist wohl Deutschland/Europa das gefährlichere Pflaster, für die Kombination tun.Frau-eur. Mann dagegen ist die Gefahr, zu scheitern, in Tunesien wesentlich höher (in erster Linie, weil der Frau eine familieninterne Rolle zugewiesen ist, aus der sie sich selbst nach der Heirat, zumindest in Tunesien, kaum befreien kannn, so daß der Familieneinfluß immer erheblich bleibt).
Obwohl - die Unterschiede sind, das schrieb ich früher schon einmal, ganz massiv und werden wohl von den meisten unterschätzt. Noch gravierender allerdings sind die laufenden Mißverständnisse, die selbst dann entstehen, wenn man dieselbe Sprache spricht, denn das, was ein Deutscher sieht und das, was ein Tunesier sieht, ist bei der gleichen Sache unterschiedlich, weil die Erziehung, die Prägung durch die Umwelt, aber auch die gesellschaftlichen Verhältnisse und Erwartungen in vielen Dingen beinahe diametral entgegengesetzt sind.
...das so unterschiedliche mann-frau-bild...
Und besonders das. Ich kenne es natürlich eingehend nur aus der umgekehrten Sicht, und da in diesem Bild viele Vorteile für den Mann liegen, ist es sicherlich für mich auch einfacher, da mir eben kaum ein Anpassungszwang abverlangt wird (dafür aber viele Dinge, die für uns Deutsche einfach absurd klingen). Leider hat es bei mir einige Zeit gedauert, bis ich mich damit näher auskannte, und das hat bereits in der Anfangsphase der Beziehung viele Fehler/Mißverständnisse hervorgerufen, die nachträglich nicht mehr zu beheben oder gutzumachen waren (was eine ganz große Fußangel ist, die man zunächst gar nicht in seine Überlegungen einbezieht).
Ich hoffe, daß Dir die Erfahrungen, die Du gemacht hast, bei der nächsten Beziehung helfen werden - denn dann wäre vieles nicht ganz vergeblich gewesen, sondern stellte nur das "Lehrgeld" dar, das man für den späteren Erfolg zunächst zahlen mußte (und seien wir ehrlich, anders liefen auch damals unsere ersten Versuche mit den Partnern derselben Nationalität nicht ab).
Deshalb: Kopf hoch und nach vorne blicken - stolpern und fallen kann jeder einmal, unklug und gar falsch verhält sich nur der, der danach nicht wieder aufsteht. :-)