Es gibt da aber auch noch einen anderen Aspekt, den wir ja auch zuweilen in Deutschland sehen - nämlich die Einstellung, was es nützt, noch weitere Jahre zur Schule zu gehen, wenn man danach eh' keine Arbeit bekommt, da kann es schon schnell passieren, daß jemand lieber irgendwelche Handlangerjobs (oder Jobs im Tourismus, im Supermarkt), die ihm gerade angeboten werden, wahrnimmt. Zudem, auch die Begehrlichkeiten wachsen, und wer gerne das hätte, was die anderen auch haben, benötigt dazu jetzt Geld und denkt nicht daran, daß er später mal mehr haben könnte, wenn er jetzt verzichtet, zumal dies ja, wie oben gesagt, sowieso nicht sicher ist.

Ich weiß nicht, inwieweit in Tunesien für den späteren Bedarf ausgebildet wird - gibt es dort z.B. Berufs- oder Studienberatungen, wie wir sie von Deutschland her kennen, oder Symposien mit Arbeitgeberbeteiligung, oder ist es so, daß je nach Nachfrage z.B. Studienplätze oder Schulkapazitäten bereitgestellt werden?
Denn - irgendwie habe ich den Eindruck, daß Nachfrage und Bedarf nicht aufeinander abgestimmt sind, es gibt größere Zahlen von z.B. Lehrern, die keinen Lehr-Platz finden, und auf der anderen Seite Berufe, die Personenmangel haben. In einem relativ kleinen Land, so wie in Tunesien, sollte eine Feinabstimmung doch eigentlich gut möglich sein.

Als Problem sehe ich aber die Bevorzugung der eigenen Arbeitskräfte auf dem Arbeitsmarkt. Es ist zwar verständlich, daß man jedem eigenen Staatsbürger bevorzugt Arbeit verschaffen will, doch durch den weitgehenden Verzicht auf ausländisches Know-How, das sich auf viele Bereiche erstreckt (nicht nur das Fachwissen, sondern auch z.B. Organisation, Marketing, Serviceorientierung, etc.) begibt sich die Wirtschaft einer effektiveren und schnelleren Produktionssteigerung, die dann, nach einer Vorlaufzeit, eine ungleich höhere Anzahl von Leuten Brot und Arbeit bringen könnte.