...rein ökonomisch und kapitalistisch...

Jo, das sagen WIR, die wir genug zu essen haben und uns das Luxusgut "Genuß" leisten können, doch sowohl das eine, wie auch das andere, bedingt ökonomische Grundvoraussetzungen (und auch Läden, in denen der Besitzer mit den Kunden ausgiebig plauschen kann, anstatt sich in Zahlenkolonnen für die nächste Umsatzsteuervoranmeldung zu versenken), soziale Absicherung, finanzielle Böden. Für den wohlhabenden Kunden ist die persönliche Btreuung MIT Kompetenz genau das, was er haben will und wofür er gerne zahlt, doch schauen wir auf die Kostenseite, sieht es anders aus, denn bei einem Klientel, das auf den Pfennig schaut, kann ein Ladenbesitzer dies nicht leisten, es sei denn, er beutet sich selbst aus, mit den entsprechenden Folgen für seine Finanzen (und die seiner Familie) und seine Gesundheit - und ultimativ auch für seine Stamm-Kunden, wenn nämlich der Laden zumachen muß.

...Und die "kleine Einkaufskultur" ist doch wohl die Bessere...

Ja und nein - in der Theorie ja, weil sie z.B. Vielfalt und unterschiedliche Kompetenzausrichtung bedeuten könnte, doch in der Praxis nein, weil ebendies aus den oben aufegführten Grunden unrealistisch ist und allenfalls in Spezialbereichen möglich ist (Kunst, Handarbeit, Läden mit zahlungskräftiger Kundschaft bzw. Exklusivangebot).
Geld kann nur einmal ausgegeben werden und Zeit ist auch ein endliches Gut - wenn man sein Budget mit dem Einkauf von Lebensmitteln und dem mehrstündigen Herumlaufen um die benötigten Dinge auch zu bekommen aufgebraucht hat, hat man weder Zeit, noch Mittel, noch Lust, sich in die Einkaufs"kultur" zu begeben. Hat man dagegen viel Zeit und viel Geld, kann man es sich "leisten", tagelang von Laden zu Laden zu streifen, zu fachsimpeln, und sich bei Sphärenklängen und Wellnessbeleuchtung die Vorzüge des Fleisches von freilaufenden peruanischen Pfauen erklären zu lassen.
Einkaufs"kultur" in allen Ehren, doch eine Region, in der die meisten Menschen nicht begütert sind und über beliebig Zeit verfügen, muß zunächst, als Grundlage, eine schnelle, preisgünstige und effektive Ökonomie in Kraft setzen, aus der dann einmal die wünschenswerte Einkaufs"Kultur" entstehen kann - oder es bleibt ein Einkaufsparadies für Touristen und die 0.01% reichen Landsleute, die, natürlich, beide ein großes Interesse am Beibehalten des Status Quo haben. :-)