...wie von oben Entscheidungen getroffen werden, die Existenzen ruinieren können...
Ich glaube, das dies nicht den Kern des Problems angeht, es mag hier um Hygiene-Vorschriften gehen, doch auf mittlere Sicht dürften viele "Nebenerwerbsquellen" in Tunesien gänzlich wegfallen, wenn die Wirtschaft dynamisiert wird (und dazu gehört es z.B. auch, den Aufwand für Lebensmittelprüfungen zu zenralisieren und Zusatz-Aufwand für eventuelle Prüfung Kleinmengen zu eliminieren). Spätestens, wenn die ersten Supermärkte westlichen Zuschnitts (a la Aldi/Lidl), oder Baumärkte hier aufmachen, werden reihenweise Mini- und Midi-Existenzen vernichtet werden, doch die jetzige, ich sage das mal salopp, Bauchladen-Struktur ist nicht zukunftsweisend.
Carrefour, Promogro, Geant City oder Monoprix etc. sind ja strenggenommen nur eher putzige Versuche von Einkaufzentren und Supermärkten, Fuß zu fassen. Zusätzlich dürfte nach dem vollständigen Inkrafttreten des Abkommens zwischen der EU und Tunesien auch noch einiges zu erwarten sein, und die freie Konvertibiliät des Dinars könnte auch schon nächstes Jahr ins Haus stehen. Das alles wird wohl viele Verhältnisse hier verändern, sowohl für die Wirtschaft, als auch für die Leute.
Zur Zeit hält sich Europa mit Investitonen noch relativ bedeckt und läßt anderen arabischen Staaten den Vortritt (die aber kaum wirkliche Arbeitsplätze schaffen, da fast alle Innovationen und Produktionsmethoden nicht aus arabischen Ländern stammen). Immerhin sprießen die Call-Center schon wie Pilze aus dem Boden, das dürfte ein erstes Anzeichen sein.
Wie die Regierung es anstellt, die Leute darauf vorzubereiten, ist eine andere Sache - da sehe ich Defizite, ebenso wie z.B. in der Vorbereitung auf den baldigen Wegfall eines großen Teiles der Textilexporte (wegen des Inkraftretens des Textilienabkommens zwischen Europa und China), der hier überhaupt nicht thematisiert wird.