Soo... wie versprochen beginne ich jetzt nach und nach, die Ergebnisse meines Projekts einzustellen. Hab gerade einen Text zu Papas und Mamas fertiggestellt; meint Ihr, das kann man so "zusammenfassen"? das sind zumindest die häufigsten Fälle, die mir begegnet sind...
Ich wäre dankbar für Euer Feedback!
Liebe Grüße
Anissa
1. Vater A: lebt in Tunesien, hat im Ausland studiert / gearbeitet. Er respektiert die tunesischen Werte nicht und hat sich einen europäischen Lebensstil angewöhnt, der in Tunesien als sehr verwerflich gilt (Schweinefleisch, Alkohol...). Er kritisiert die tunesische Gesellschaft, bewertet die Mentalität als zu konservativ und grenzt sich mit seiner Familie ab, indem er fast ausschließlich mit ausländischen oder binationalen umgeht. Wenn es finanziell möglich ist, gehen seine Kinder auf eine ausländische Schule (v. a. amerikanisch – französisch; eine deutsche Schule gibt es nicht). Oft wünscht er, dass seine Kinder später in Europa leben.
2. Vater B: lebt in Tunesien, hat im Ausland studiert / gearbeitet und war zu dieser Zeit nicht besonders religiös. Seine Einstellung zur Religion hat er mit dem Alter und der Rückkehr nach Tunesien geändert, und er verlangt von seiner Ehefrau dass sie sich anpasst (kein Alkohol, kein Schweinefleisch, Respekt der Werte...). Die Kinder gehen auf eine staatliche tunesische Schule, da der Vater Wert auf Sprach- und Religionsunterricht legt. Er sieht seine Kinder vornehmlich als Tunesier und Muslime. Oft ist seine Beziehung zu den Kindern nicht gut, da diese gegen die strenge Erziehung rebellieren.
3. Vater C: lebt seit Langem in Europa (vornehmlich Deutschland) und hat sich eine europäische Lebensweise angewöhnt. Oft trinkt er Alkohol, Schweinefleisch hingegen wird nicht selten gemieden. Er sieht die tunesische Gesellschaft, wie sie zu Zeiten seiner Einwanderung nach Deutschland war; daran ändert auch die Satellitenschüssel, mit der er meist das staatliche tunesische Fernsehen empfängt, nichts. Er legt mehr oder weniger Wert darauf, dass seine Kinder sich als Tunesier fühlen; dass sie dem muslimischen Glauben angehören ist ihm jedoch sehr wichtig. Auch über die doppelte Staatsbürgerschaft der Kinder ist er stolz. Meist wünscht er sich, dass seine Kinder in Europa bleiben. Die religiöse Erziehung ist oft moderat; auch wenn er selbst Alkohol trinkt, erwartet er jedoch von seinen Kindern dass sie es nicht tun. Manchmal unterrichtet er sie selbst Koran oder schickt sie in eine Koranschule. Das Verhältnis seiner Kinder zu ihm ist je nachdem, wie viel „Zwang“ mit einspielt, gut oder schlecht. Wichtiger als die Vermittlung der Religion ist ihm oft die Vermittlung der tunesischen Werte, was nicht selten zu Konflikten bzgl. Kleidung o. ä. führt. Die Erwartungen an seine Ehefrau sind unterschiedlich; eine Konvertierung zum Islam verlangt er nicht, dagegen in ca. 50 % der Fälle dass sie seine Lebensweise annimmt (kein Schweinefleisch...). Er pflegt gerne Kontakte zu binationalen Familien. Falls er nicht besonders religiös ist, oder Probleme mit der Mentalität hat, meidet er Tunesier vollkommen. Oft wird er mit dem Alter religiöser, fängt an zu beten u. Ä.
Die deutschen Mütter sind meist nicht religiös; selbst wenn sie anfangs noch ihre Religion praktizieren, wird ihr Mann mit den Jahren weniger tolerant und schränkt dies ein (vielleicht weil er Angst hat, sie könne sein Kind vom muslimischen Glauben abbringen). In den meisten Fällen wird schon vor der Geburt der Kinder ausgemacht, dass sie Muslime werden. Wurde etwas anderes beschlossen, kommt es öfters vor dass diese mündliche Absprache vom Vater nach Jahren revidiert wird. Bei Kindern, die selbst ihre Religion auswählen sollten, kann es vorkommen dass der Vater plötzlich beschließt, dass sie Muslime sind und sie demnach erzieht. Dies führt oft zu Konflikten mit der Mutter, in einigen Fällen auch zur Scheidung.
Im Streit der Kinder mit den Vätern übernehmen die Mütter oft die Rolle des Schlichters. Je nach Thema (v. a. Kleidung und Ausgehen) verteidigen sie ihre Kinder und „kämpfen“ für mehr Freiheiten. Viele Mütter würden ihre Kinder gerne liberaler erziehen.
In der Regel legen die Mütter großen Wert auf die doppelte Staatsbürgerschaft, die ihr Kind mit ihrem Herkunftsland verbindet. Wichtig ist ihnen, zumindest wenn sie in Tunesien leben, ebenfalls der Austausch mit anderen Deutsch-tunesischen Familien.