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Auswertung... deutsch-tunesische Eltern #170634
27/02/2006 01:50
27/02/2006 01:50
Joined: Feb 2006
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anissa Offline OP
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anissa  Offline OP
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Joined: Feb 2006
Beiträge: 71
Deutschland
Soo... wie versprochen beginne ich jetzt nach und nach, die Ergebnisse meines Projekts einzustellen. Hab gerade einen Text zu Papas und Mamas fertiggestellt; meint Ihr, das kann man so "zusammenfassen"? das sind zumindest die häufigsten Fälle, die mir begegnet sind...
Ich wäre dankbar für Euer Feedback!

Liebe Grüße [winken2]

Anissa


1. Vater A: lebt in Tunesien, hat im Ausland studiert / gearbeitet. Er respektiert die tunesischen Werte nicht und hat sich einen europäischen Lebensstil angewöhnt, der in Tunesien als sehr verwerflich gilt (Schweinefleisch, Alkohol...). Er kritisiert die tunesische Gesellschaft, bewertet die Mentalität als zu konservativ und grenzt sich mit seiner Familie ab, indem er fast ausschließlich mit ausländischen oder binationalen umgeht. Wenn es finanziell möglich ist, gehen seine Kinder auf eine ausländische Schule (v. a. amerikanisch – französisch; eine deutsche Schule gibt es nicht). Oft wünscht er, dass seine Kinder später in Europa leben.

2. Vater B: lebt in Tunesien, hat im Ausland studiert / gearbeitet und war zu dieser Zeit nicht besonders religiös. Seine Einstellung zur Religion hat er mit dem Alter und der Rückkehr nach Tunesien geändert, und er verlangt von seiner Ehefrau dass sie sich anpasst (kein Alkohol, kein Schweinefleisch, Respekt der Werte...). Die Kinder gehen auf eine staatliche tunesische Schule, da der Vater Wert auf Sprach- und Religionsunterricht legt. Er sieht seine Kinder vornehmlich als Tunesier und Muslime. Oft ist seine Beziehung zu den Kindern nicht gut, da diese gegen die strenge Erziehung rebellieren.

3. Vater C: lebt seit Langem in Europa (vornehmlich Deutschland) und hat sich eine europäische Lebensweise angewöhnt. Oft trinkt er Alkohol, Schweinefleisch hingegen wird nicht selten gemieden. Er sieht die tunesische Gesellschaft, wie sie zu Zeiten seiner Einwanderung nach Deutschland war; daran ändert auch die Satellitenschüssel, mit der er meist das staatliche tunesische Fernsehen empfängt, nichts. Er legt mehr oder weniger Wert darauf, dass seine Kinder sich als Tunesier fühlen; dass sie dem muslimischen Glauben angehören ist ihm jedoch sehr wichtig. Auch über die doppelte Staatsbürgerschaft der Kinder ist er stolz. Meist wünscht er sich, dass seine Kinder in Europa bleiben. Die religiöse Erziehung ist oft moderat; auch wenn er selbst Alkohol trinkt, erwartet er jedoch von seinen Kindern dass sie es nicht tun. Manchmal unterrichtet er sie selbst Koran oder schickt sie in eine Koranschule. Das Verhältnis seiner Kinder zu ihm ist je nachdem, wie viel „Zwang“ mit einspielt, gut oder schlecht. Wichtiger als die Vermittlung der Religion ist ihm oft die Vermittlung der tunesischen Werte, was nicht selten zu Konflikten bzgl. Kleidung o. ä. führt. Die Erwartungen an seine Ehefrau sind unterschiedlich; eine Konvertierung zum Islam verlangt er nicht, dagegen in ca. 50 % der Fälle dass sie seine Lebensweise annimmt (kein Schweinefleisch...). Er pflegt gerne Kontakte zu binationalen Familien. Falls er nicht besonders religiös ist, oder Probleme mit der Mentalität hat, meidet er Tunesier vollkommen. Oft wird er mit dem Alter religiöser, fängt an zu beten u. Ä.


Die deutschen Mütter sind meist nicht religiös; selbst wenn sie anfangs noch ihre Religion praktizieren, wird ihr Mann mit den Jahren weniger tolerant und schränkt dies ein (vielleicht weil er Angst hat, sie könne sein Kind vom muslimischen Glauben abbringen). In den meisten Fällen wird schon vor der Geburt der Kinder ausgemacht, dass sie Muslime werden. Wurde etwas anderes beschlossen, kommt es öfters vor dass diese mündliche Absprache vom Vater nach Jahren revidiert wird. Bei Kindern, die selbst ihre Religion auswählen sollten, kann es vorkommen dass der Vater plötzlich beschließt, dass sie Muslime sind und sie demnach erzieht. Dies führt oft zu Konflikten mit der Mutter, in einigen Fällen auch zur Scheidung.
Im Streit der Kinder mit den Vätern übernehmen die Mütter oft die Rolle des Schlichters. Je nach Thema (v. a. Kleidung und Ausgehen) verteidigen sie ihre Kinder und „kämpfen“ für mehr Freiheiten. Viele Mütter würden ihre Kinder gerne liberaler erziehen.
In der Regel legen die Mütter großen Wert auf die doppelte Staatsbürgerschaft, die ihr Kind mit ihrem Herkunftsland verbindet. Wichtig ist ihnen, zumindest wenn sie in Tunesien leben, ebenfalls der Austausch mit anderen Deutsch-tunesischen Familien.

Re: Auswertung... deutsch-tunesische Eltern #170635
27/02/2006 17:15
27/02/2006 17:15
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Djerba
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sandfloh Offline
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sandfloh  Offline
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Djerba
Hallo Anissa,

es gibt auch noch die Väter, die in Tunesien leben, der Religion folgen und trotzdem modern un d europäisch eingestellt sind. Auch wenn sie nicht im Ausland gelebt oder studiert haben. Oft reicht einfach nur der berufliche Kontakt wo viele Dinge übernommen werden. Schließlich sind Tunesier sehr kontaktfreudig und neugierig.
Zumindest ist es meinem Mann so ergangen und er lebt bis heute so und das nicht schlecht.

Sonnige Grüße Sandfloh

Re: Auswertung... deutsch-tunesische Eltern #170636
27/02/2006 17:42
27/02/2006 17:42
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anissa Offline OP
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anissa  Offline OP
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oh je ohje, Du hast Recht! Wie konnte ich die nur vergessen... *Kopfschüttel* Wird gleich korrigiert! [Smile]

Danke Sandfloh!

Re: Auswertung... deutsch-tunesische Eltern #170637
27/02/2006 17:42
27/02/2006 17:42
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Beiträge: 657
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LOE150328 Offline
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LOE150328  Offline
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Joined: Nov 2005
Beiträge: 657
Es gibt sicher keine Familie auf welche z.b. Punkt 2 exact zutrifft, dass sind ja grobe Thesen, welche aus Erfahrunsberichten aufbaut wurden. Anissa hat halt versucht ein paar der häufigsten Lienen zu beschreiben. Aber es ist natürlich schön, dass es bei dir Sandfloh auch wieder eine möglich andere Linie gibt. Ich persönlich glaube aber, dass sich fast jeder Vater früher oder später mehr oder weniger in einer der 3 Richtungen bewegt. (bin übrigens beeindruckt von eurem Leben in Tunesien, es scheint ja ganz gut zu laufen [Smile] ).
Übrigens deckt sich Anissas letzter Abschnitt sehr mit meiner Geschichte, nicht alles,- aber es ist schon erstaunlich wie oft es diese Situationen anscheinend gibt.
Ich finde Anissas Arbeit ist echt eine Bereicherung für den Forum. In meinem Namen: Danke
p.s.: fünfte Zeile -umgeht- lieber mit -verkehrt- ersätzen.

Re: Auswertung... deutsch-tunesische Eltern #170638
27/02/2006 18:10
27/02/2006 18:10
Joined: Feb 2006
Beiträge: 71
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anissa Offline OP
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anissa  Offline OP
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Joined: Feb 2006
Beiträge: 71
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Vater D: lebt in Tunesien und hat nie längere Zeit im Ausland verbracht. Er ist oft (oder war) im Tourismus oder in der Nähe eines Badeorts tätig. Häufig hat er seine Frau kennengelernt, als diese in Tunesien Urlaub machte. Er ist religiös, isst kein Schweinefleisch, trinkt jedoch häufig Alkohol. Er macht Ramadan, manchmal betet er auch. Dass seine Kinder muslimisch erzogen werden ist für ihn selbstverständlich; in der Regel muss auch seine Frau die tunesische Lebensweise respektieren (kein Schweinefleisch u. Ä.). Er ist jedoch häufig aufgeschlossen, und es werden sowohl muslimische als auch christliche Feste gefeiert. Die Kinder, welche fast immer auf eine tunesische Schule gehen, haben eine gute Beziehung zu ihm (oft leben diese Familien auch in einem kleineren Ort, wo es keine ausländischen Schulen gibt). Eine religiöse Erziehung findet zu Hause nicht statt.

Passt's? [Big Grin] Ich gebe zu, solche Familien kenne ich nur wenige. Bin für Eure Kommentare dankbar! [winken3]

Re: Auswertung... deutsch-tunesische Eltern #170639
07/06/2006 12:58
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Aslema Anissa
Also ich bin auch mit einem Tunesier verheiratet. Kennengelernt haben wir uns vor ungefähr 4 Jahren und das auf nicht muslimischer Art. Als wir dann aber zusammen Wohnen wollten, haben wir vorher bei seinen Eltern und einen Imam das eheversprechen gegeben. Und erst vor zwei Jahren richtig geheiratet. Und jetzt haben wir auch einen Sohn von 15 Monaten.Ich habe den muslimschen Glauben angenommen und seid mein sohn auf der Welt ist trage ich auch ein Kopftuch. Mein Mann ist allerdings nicht sehr (gläubig) also beten tut er nur am Freitag in der Moschee, er achtet darauf das wir nicht rauchen, kein alkohol trinken ,fasten,kein schweinefleisch, richtige Kleidung aber er lässt mir noch spielraum, und wir achten sehr darauf das unser sohn nur mit rechts ist und auch immer die hände gewaschen werden. Aber ich finde Mein Mann hat schon vieles von unus auch angenommen manche feste und so sachen halt im alltag.
Aber ich muß auch noch viel lernen im Islam. aber unsere Kinder werden muslimisch erzogen da ich vorher eh keinen glauben hatte.
Unsere Ehe ist toll, besser hätte ich es mir nicht wünschen können.
Besslema [winken3]