diesen Absatz hier finde ich besonders bemerkenswert:

Deutschland trägt Mitverantwortung

Auch langfristig wird die Bundesrepublik Zielland für Flüchtlinge bleiben - gehört doch Deutschland zu den reichsten und auch zu den liberalsten Ländern der Erde. Dem dürfen wir uns nicht verschließen, zumal Deutschland mit dazu beiträgt, dass Menschen überhaupt fliehen müssen. Daraus müssen wir endlich Konsequenzen ziehen.
Zu den Hauptursachen von Flucht gehören Kriege und Bürgerkriege. Die Grausamkeit moderner Kriege und die Tatsache, dass zunehmend Zivilisten zu Kriegsopfern werden, sind vielfach das Ergebnis hochentwickelter Kriegstechnik. Deutsche Firmen gehören zu den Hauptlieferanten von Waffen und von Know-how für Waffensysteme, die in alle Welt exportiert werden - auch in Krisengebiete.

Eine weitere wichtige Ursache für Flucht in aller Welt ist wirtschaftliche Not. Auch daran ist Deutschland nicht unbeteiligt. Die Bundesrepublik ist mit verantwortlich dafür, dass Rohstoffe schonungslos abgebaut werden und ganze Völker verelenden, weil auch für deutsche Firmen der Regenwald abgeholzt wird. Somit sind wir Mitverursacher der Armut. Hunderttausende sind vor allem in Afrika gezwungen, in benachbarte, meist ebenso arme Regionen abzuwandern.

Die Entwicklungshilfe, die Deutschland an Dritte-Welt-Staaten zahlt, ist mit nur 0,26 % unseres Bruttonationalprodukts lächerlich gering (Stand: Ende 1999, aktuellste Angabe des BMZ) und liegt damit weit unterhalb der UNO-Empfehlung von 0,7 %. Die Zinsen, die Dritt-Welt-Länder jährlich an uns zurückzuzahlen haben, übersteigen inzwischen die Summe, die diese Länder von uns erhalten.

Deutschland kann wesentlich dazu beitragen, dass Fluchtursachen beseitigt werden:
durch einen konsequenten Abbau der Waffenexporte
durch eine radikale Erhöhung des Entwicklungshilfebudgets
durch großzügigere wirtschaftliche Hilfe an die osteuropäischen Länder
durch eine Bindung der Struktur- und Entwicklungshilfe an die Einhaltung der Menschenrechte
durch die Unterstützung umwelterhaltender Programme in aller Welt.
Wenn Sie Fragen haben oder Kommentare abgeben möchten, schreiben Sie an Annelore Hermes, Flüchtlingsreferentin der Gesellschaft für bedrohte Völker: E-Mail: fluechtlinge@gfbv.de