Habe dazu eine gute Seite gefunden:
http://www.zwangsheirat.de/Zwangsheirat in Zahlen
In einer Untersuchung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Sommer 2004 ergab, dass Viertel der Befragten den Partner vor der Heirat nicht kannte, 17 Prozent der Frauen gaben an, die Ehe als erzwungen empfunden zu haben.
Es ist sehr schwierig, die Anzahl der Zwangsverheiratungen zu erfassen. Aus einer Umfrage in Berlin und Stuttgart in mehr als 50 Einrichtungen im Jugendhilfe- und Migrationsbereich ging folgendes hervor: Im Jahr 2002 wurden in Berlin 230 und in Stuttgart 120 Fälle von Zwangsheirat eindeutig dokumentiert. Die Betroffenen suchen jedoch aus den unterschiedlichsten Gründen selten Hilfe auf, so dass die Dunkelziffer sehr hoch ist. Die Betroffenen sind oftmals Suizid gefährdet, da sie ihre Situation als ausweglos erleben. Viele gegen ihren Willen verheiratete Mädchen und junge Frauen suchen Schutz in Kriseneinrichtungen und Frauenwohnungen. In der Kriseneinrichtung PAPAYA sind ein Viertel der aufgenommenen Mädchen betroffen. Aus Untersuchungen und Interviews lässt sich nach Aussage des Türkischen Bundes in Berlin-Brandenburg e.V. (TBB) schließen, dass ca. die Hälfte der in Deutschland geschlossenen Migrantenehen als Zwangsehen einzuschätzen sind.
Im Jahr 2001 hat UNICEF dazu aufgerufen, Mädchen besser vor Zwangsheiraten zu schützen, da aus einer Studie hervorging, dass jährlich weltweit Millionen Mädchen bereits kurz vor oder nach der Pubertät verheiratet werden. Als eine Folge solch früher Heiraten müssen die betroffenen Mädchen oft die Schule verlassen und geraten dadurch in einen kaum zu durchbrechenden Kreislauf von Armut und Abhängigkeit. Die meist fehlende ***uelle Aufklärung und der fehlende Zugang zu Verhütungsmitteln, führt zu komplizierten Schwangerschaften Minderjähriger. Da nach der Hochzeit erwartet wird, dass die Mädchen dem Ehepartner ***uell zur Verfügung stehen, ist das Risiko hoch, von dem aufgezwungenen Ehemann vergewaltigt und ***uell missbraucht zu werden.
In welchen Ländern, Kulturen oder Religionen kommen Zwangsehen vor?
In der öffentlichen Diskussion gibt es Tendenzen, Zwangsverheiratung bestimmten Kulturkreisen, Ländern oder Religionsgemeinschaften zuzuordnen. Es ist ausgesprochen wichtig, immer wieder darauf hinzuweisen, dass Zwangsverheiratung in allen Ländern und Kulturen dieser Erde vorkommt. Die kulturelle Tradition spielt zwar ein ausschlaggebende Rolle, ist jedoch niemals der alleinige Beweggrund.
Zwangsheirat oder arangierte Ehe?
Es wird immer wieder diskutiert, dass zwischen Zwangsverheiratung und arrangierten Ehen zu unterscheiden sei. Es ist jedoch nicht möglich, dies endgültig abzugrenzen. Es gibt Mädchen, die akzeptieren, dass die Eltern ihnen mögliche Ehepartner aussuchen, sie aber das letzte Wort bei der Entscheidung haben. In vielen Fällen wird jedoch starker Druck ausgeübt, so dass eine Verweigerung für die Mädchen schwerwiegende Folgen hat. Sie müssen befürchten, ihre Familie zu verlieren. Die Mütter und Schwestern sehen meist hilflos zu, sind selbst in dieses Schicksal verstrickt. Oft wird die Zustimmung durch die Väter und männlichen Verwandten mittels Drohungen, physischer und ***ueller Gewalt, Einsperren sowie psychischem und sozialem Druck erzwungen. Nach geschlossener Ehe wird der Druck in vielen Fällen aufrechterhalten, die Frauen müssen in der Ehe gegen ihren Willen ausharren.
Sind auch Jungen/junge Männer von Zwangsheirat betroffen?
Auch Jungen und junge Männer sind von Zwangsverheiratung betroffen. Für sie sind die Folgen jedoch weitaus weniger dramatisch. Ihnen werden mehr Freiheiten zugestanden, die Ausbildung kann beendet werden, die Bewegungsspielräume sind wesentlich weiter. Unter ihren Folgen der erzwungenen Heirat müssen eher die ungeliebten Ehefrauen leiden, das Risiko, misshandelt und missbraucht zu werden, ist sehr hoch.
Warum werden Mädchen/Jungen zwangsverheiratet?
Die Beweggründe der Eltern im Fall einer Zwangsverheiratung sind vielschichtig. Ein möglicher Grund ist es, die Kinder „gut versorgt“ zu sehen. Es ist jedoch nicht selten, dass die Eltern das Gefühl haben, den Einfluss über ihre Kinder zu verlieren und sie durch eine schnelle und ausgewählte Heirat wieder auf den „richtigen Weg“ bringen möchten. Sie fürchten den Verlust ihres Gesichts in der Community, wenn die Tochter ein Freundschaft mit einem Jungen eingeht und ihre Jungfräulichkeit verliert. Durch eine schnelle Heirat werden sie einerseits aus der Verantwortung entlassen und verfestigen andererseits die traditionellen Machtverhältnisse.
Neben den Betroffenen, die in Deutschland leben und von den Eltern hier aus den genannten Gründen zu einer Heirat gezwungen werden, sind drei weitere Formen der erzwungenen Heiraten zu beobachten:
Mädchen und junge Frauen werden aus den Herkunftsländern nach Deutschland geholt und verheiratet. In letzter Zeit als „Importbräute“ bezeichneten Mädchen werden oft aus ländlichen Gegenden mit dem Versprechen einer sorgenfreien Zukunft nach Deutschland geholt. Hier finden sie sich dann in einer Schwiegerfamilie, die sie als „billige“ Arbeitskraft benutzt in einem Land, dessen Kultur sie nicht kennen und dessen Sprache sie nicht beherrschen. Ihre eigene Familie ist weit weg, sie sind in einer besonders schwachen Position, aus der sie kaum ausbrechen können.
Als „Urlaubsehen“ werden Heiraten bezeichnet, die auf familiären Druck im Herkunftsland geschlossen werden. Hier handelt es sich oft um Mädchen, die in Deutschland aufgewachsen sind und dort oft auch Partner haben, die jedoch von den Eltern abgelehnt werden.
„Aufenthaltsehen“ werden mit dem Ziel geschlossen, dem Ehepartner einen Aufenthaltsstatus zu sichern.
Es ist zu beobachten, dass nicht nur religiöse Motive den Anlass zu Zwangsverheiratungen geben. Bestimmte Ehrbegriffe, die sich auf verschiedensten Länder- und Familientraditionen gründen, spielen eine wichtige Rolle, da Zwangsverheiratungen überwiegend im familiären Umfeld (d.h. Heirat von Cousine und Cousin, Nichte und Onkel...) stattfinden.
Die beschriebenen Gründe sind nur eine vereinfachte Umschreibung der möglichen Hintergründe für eine erzwungene Heirat. Die Lebenssituationen der Betroffenen sind meist vielschichtiger und kompliziert. In den Familien ist oft eine Vielzahl weiterer Probleme zu bewältigen.
Was getan werden kann!
Um Zwangsheirat in Zukunft entgegenwirken zu können, ist es einerseits wichtig, den Betroffenen Schutz und Beratung in Kriseneinrichtungen und Frauenhäusern zu gewähren. Andererseits muss ein Bewusstsein für dieses Thema in den einzelnen Communities geweckt werden, es muss thematisiert und explizit verurteilt werden. Nur so kann dauerhaft bewirkt werden, dass nicht weiterhin viele junge Menschen das Recht auf ein freies und selbstbestimmtes Leben verwehrt wird.
Was gibt es für Neuigkeiten
Auszüge aus der BIG-Infomail
http://www.big-interventionszentrale.de/newsletterNeue Weisung des Berliner Senators für Inneres zur Anwendung
der §§ 31 und 37 Aufenthaltsgesetz
Anwendung des Aufenthaltsgesetzes, hier: §§ 31, 37 AufenthG
Das Abgeordnetenhaus von Berlin hat im März 2005 einen
umfangreichen
Beschluss zur Bekämpfung von Zwangsverheiratung gefasst.
Es hat auch Anregungen gegeben, wie bestimmte ausländerrechtliche
Vorschriften im Zusammenhang mit der Zwangsverheiratung
anzuwenden sind und den Senat gebeten, auf Bundesebene hinsichtlich möglicher
Gesetzesänderungen initiativ zu werden.
Im Vorgriff darauf gebe ich folgende ergänzende Anwendungshinweise:
mehr unter:
http://www.big-interventionszentrale.de/mitteilungen/0512_weisung-seninn.htmGrüne Bundestagsfraktion hat einen Antrag
"Zwangsverheiratung bekämpfen - Opfer schützen"
in den Bundestag eingebracht. Unterstützung
außerhalb des Parlaments wird sehr begrüßt.
Den Wortlaut finden Sie hier als PDF-Datei:
http://www.big-interventionszentrale.de/mitteilungen/pdfs/0512_antrag-gruene.pdf Männer-Initiative gegen Zwangsehen gegründet
Türkischer Bund sucht Freiwillige zur Mitarbeit.
In Berlin haben jetzt Männer eine Initiative gegen Zwangsheirat gegründet.
Zu den Unterstützern gehören Mohammed Herzog, Imam der deutschsprachigen
Muslime Berlins, sowie Hakan Tas vom Berliner Integrationsbeirat.
"Unser Vorbild ist eine Gruppe aus Schweden, die diverse Aktionen
gemacht hat", sagte Tas auf einer Tagung der Friedrich-Ebert-Stiftung.
Mehr als 60 Frauen und Männer aus verschiedenen Institutionen beschäftigten
sich mit der Frage, was getan werden muss, um Zwangsehen zu vermeiden.
mehr unter:
http://www.big-interventionszentrale.de/mitteilungen/0512_zwangsehen.htm