Hallo Djerbayasmina,

ich kann den Aussagen von Tornado nur zustimmen. Es gibt wirklich ein Nord-Südgefälle. In Tunis und in den nördlichen Touristenregionen sieht man sehr oft, dass vor allem junge Frauen miteinander die Strasse entlang spazieren gehen, im Café oder einem Restaurant sitzen und auch viel "freizügiger" europäischer angezogen sind. Im Süden sieht man dies kaum. Da herrschen noch die Traditionen vor. Mein Mann kommt aus dem Nordwesten (Le Kef), da ist es teilweise noch so, dass Cousin und Cousine heiraten, damit der Besitz in der Familie bleibt. Genauso wie Tornado es beschrieben hat, besucht die Familie des jungen Mannes die Familie der evtl. zukünftigen Braut und es wird erst sich einmal gegenseitig abgetastet. Wenn beide Familien einverstanden sind, dann wird der Termin für die Verlobung festgesetzt und danach die Hochzeit. Die Braut muss als Jungfrau in die Ehe gehen, deshalb erfolgen alle Treffen der jungen Leute nur unter Aufsicht der Familie. Ich habe mit Frauen aus dem Heimatdorf meines Mannes gesprochen, da waren einige dabei, die eine Zweckehe eingegangen sind, da es die Eltern so wollten. Wie gesagt in Tunis und den touristischen Gebieten da sieht alles schon viel moderner aus und ich habe auch schon Frauen kennengelernt, welche sehr emanzipiert sind. Dies waren jedoch fast alles Frauen mit Universitätsabschluss.

Mein Mann ist ebenfalls ein "schlechter" nichtpraktizierender Moslem. Er betet nicht, trinkt gern mal ein Glas Wein oder ein Bier und hat auch schon Schweinefleisch (Wurst) [Boah!] gegessen. Seine Meinung ist, dass man einfach in seinem Herzen sauber bleiben muss und sich jeden Tag im Spiegel offen ins eigene Gesicht schauen kann. Wir kennen einige Tunesier, welche ganz plötzlich, seit sie in Europa leben, religiös geworden sind. Mein Mann begründet das damit, dass vielen Tunesiern die Familie fehlt und das wöchentliche Treffen in der Moschee sowie das Beten zu Allah ein Familienersatz sind.

LG Zasou