In Tunesien entsteht ein neues Industrie- und Logistikzentrum
Ausschreibungen für den Tiefseehafen Enfidha im Herbst erwartet
Tunis (bfai) - Der Bau eines Großflughafens, eines Tiefseehafens und einer modernen Industriezone in Enfidha wird ein neues Zentrum für die tunesische Industrie schaffen. Es könnte sich daraus aber auch ein Logistikzentrum für die Region des zentralen südlichen Mittelmeers entwickeln. Umgesetzt werden die drei Projekte von privaten Betreibern. Für den Flughafen soll Mitte 2006 der Zuschlag erteilt, für den Hafen eine internationale Ausschreibung im 3. Quartal 2006 veröffentlicht werden. (Kontaktadressen)
In Zentraltunesien entsteht in den nächsten Jahren ein neues Logistikzentrum. Zwei Großvorhaben bilden die Basis für diese Entwicklung - ein neuer Tiefseehafen und ein neuer Internationaler Flughafen werden in Enfidha, ca. 100 km südlich von Tunis, gebaut. Ferner ist eine neue Industriezone mit direktem Anschluss an Hafen und Flughafen geplant, diese dürfte sich zu einem attraktiven Industriezentrum entwickeln. Enfidha liegt zwischen den beiden wichtigsten tunesischen Touristikzonen Hammamet/Nabeul und Sousse/Monastir, Eisenbahn und Autobahn führen direkt vorbei.
Der geplante Großflughafen soll in mehreren Stufen auf einem Gelände von 5.700 ha entstehen und im Endstadium (ca. 2020) Abfertigungskapazitäten für 30 Mio. Passagiere pro Jahr haben. Der Flughafen wird als BOT-Projekt mit privater Finanzierung und einer Betreiberkonzession über 40 Jahre gebaut. Die Kosten für die erste Stufe (Kapazität für 5 Mio. Passagiere) liegen nach den offiziellen Schätzungen bei 384 Mio. Euro.
Bereits 2004 war die Präqualifikation für die erste Baustufe ausgeschrieben worden und Ende 2004 wurden sieben Unternehmensgruppen, darunter eine aus Deutschland (Hochtief Airport), als Kandidaten für die Endauswahl benannt. Entgegen der Erwartungen ist bisher aber keine Entscheidung über die Auftragsvergabe getroffen worden. Anfang 2006 verlautete aus Regierungskreisen, dass nunmehr Ende 2006 mit dem Bau begonnen werden soll und die Inbetriebnahme für 2010 vorgesehen ist. Wenn dieser Zeitplan eingehalten werden soll, muss bis Mitte 2006 der Zuschlag erteilt werden.
Gegenwärtig existieren in Tunesien sieben internationale Flughäfen mit einer Kapazität von insgesamt ca. 10 Mio. Passagieren. Bei einem tatsächlichen Passagieraufkommen von 9,6 Mio. Gästen im Jahr 2005 sind die Kapazitäten mehr als ausgelastet. Die wichtigsten Flughäfen, Tunis-Cartage, Monastir, Sfax-Thyna und Djerba-Zarzis, können während der Sommermonate die wachsenden Touristenzahlen nur noch unter großen Schwierigkeiten bewältigen. Sie werden deshalb unabhängig von den Plänen für den neuen Großflughafen 2006 weiter ausgebaut. Die Regierung will den Flughafen Tunis-Cartage und später auch den Flughafen Enfidha zu einem Drehkreuz für den Verkehr zwischen Europa, den USA und dem arabischen Raum ausbauen. Der Flughafen Tunis-Cartage soll um ein Transitterminal erweitert werden. Eine Politik des "open sky", die eine weitere Liberalisierung nach EU-Muster vorsieht, muss allerdings erst noch die Voraussetzungen für den Transitverkehr schaffen.
Für den geplanten Tiefseehafen in Enfidha laufen Anfang 2006 die Vorbereitungen für die Ausschreibung von voraussichtlich mehreren Konzessionen. Auch dieses Projekt soll nach dem BOT-Schema von Privatunternehmen finanziert, gebaut und betrieben werden. Das US-Unternehmen, International Development Consultants, erstellt in Zusammenarbeit mit der niederländischen Royal Haskoning eine Feasibility-Studie, deren Vorlage für März 2006 angekündigt wurde. Im 3. Quartal 2006 können die Ausschreibungen erwartet werden, die Bauarbeiten sollen Anfang 2007 beginnen und die Inbetriebnahme der ersten Ausbaustufe ist für Ende 2008 geplant.
Diese erste Stufe umfasst u.a. den Bau von 800m Kaianlagen, die in einer zweiten Stufe auf eine Länge von 1,5 km erweitert werden können. Parallel wird eine Logistikzone eingerichtet, die eine Fläche von 3.000 ha umfasst. Das Hafenbecken soll eine Tiefe von 17m haben, um Schiffe bis zu einer Größe von 28.000 t aufnehmen zu können. Ein Containerterminal mit einer Kapazität von zunächst 1,2 Mio. Einheiten (20-Fuß-Container-Equivalent) ist geplant. Dieses kann bis 2020 auf 3,9 Mio. Einheiten ausgebaut werden. Die Kosten für das Projekt werden auf insgesamt ca. 1,2 Mrd. Euro geschätzt, die erste Ausbaustufe wird ca. 650 Mio. Euro an Investitionen erfordern. Der Hafen von Enfidha liegt strategisch günstig im zentralen Mittelmeer und hat Anschluss das tunesische Autobahn- und Eisenbahnnetz.
In Tunesien wurde 2005 nach Angaben des Generaldirektors der Handelsmarine ein Seefrachtaufkommen von ca. 30 Mio. t abgefertigt, davon ca. 6 Mio. t in Containern. Bis 2020 soll das Aufkommen auf insgesamt 51 Mio. t wachsen, in Containern werden davon dann 9 Mio. t. transportiert. Ca. 60% der Fracht fällt 2005 im Verkehr mit Europa an, 2020 wird dieser Anteil sich voraussichtlich auf 70% erhöhen.
Mit der Entwicklung einer Industriezone in Enfidha ist unter italienischer Beteiligung bereits begonnen worden. In einer ersten Bauphase wird die Infrastruktur für ca. 150 Betriebe geschaffen. Die Industriezone hat ein Fläche von ca. 200 ha, die auf das Doppelte erweitert werden kann. Die technischen Einrichtungen, Kommunikation, Wasserversorgung, Stromversorgung, Abwasserentsorgung, sollen höchsten technischen Ansprüchen genügen. Sie werden ergänzt durch Bürokapazitäten und ein umfassendes Dienstleistungsangebot, das Bank, Post, Transport, Zoll, Restaurant beinhaltet.
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Aéroport International de Tunis-Carthage BP 137
1080 Tunis Cedex
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Rue 8006, 1002 Montplaisir
Tel.: 00216/71 28 57 06, Fax: -71 28 74 14
Développement Industriel Enfidha Tunisie D.I.E.T. S.A
Rue El Fell 12, 4030 Enfidha Gouvernorat de Sousse
Tel.: 00216/73 38 10 23, Fax: -73 38 10 22
E-Mail:
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http://www.enfidha.net(S.B.)
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