Hallo Karim,
auch in Deutschland gibt es Menschen, die mit der amerikanischen Politik nicht einverstanden sind. Menschen, die sich über die amerikanische Arroganz und die permanente Einmischung, sei es nun aus wirtschaftlichen oder sonstigen Interessen, aufregen. Über den Anschlag, sprich die vielen Opfer und Toten, haben diese Menschen sich natürlich nicht "gefreut", aber über die Tatsache, daß Amerika nun auch einmal getroffen wurde, darüber haben sich natürlich eine ganze Menge "gefreut". Ich denke da vor allem an viele Mitglieder der linken Szene etc. Jubelnd auf der Straße standen sie nicht. Das ist auch nicht die deutsche Art. Doch in den vielen Gesprächen, die ich in den letzten Tagen geführt habe, habe ich mitbekommen, daß viele Menschen in Deutschland sehr wohl nach dem "Warum" für diesen Anschlag fragen und die Erklärung in der bisherigen Amerikapolitik finden. Eine Bemerkung, die mich sehr beeindruckte, war: "Solange Amerika ungerecht gegenüber anderen Ländern ist, solange wird man auch mit derartigen Terroranschlägen rechnen müssen!" Ich möchte betonen, daß ich prinzipiell gegen Gewalt bin und dieser Anschlag das Furchtbarste ist, das ich bisher erlebt habe. Daß Menschen andere Menschen ermorden, weil sie in einer so ausweglosen Situation sind, daß sie keinen anderen Ausweg mehr sehen, als diesen, finde ich schrecklich. Doch ist das Ganze eine Schraube ohne Ende und man muß, um jubelnde Menschen etwas verstehen zu können, auch ihre Situation mitberücksichtigen.
Ich hoffe, daß dies jetzt nicht zu Mißverständnissen führt. Ein persönliches Gespräch wäre sicher jetzt sehr hilfreich. Noch einmal ganz klar: ich verabscheue Gewalt in jeder Form und die Ereignisse vom 11.9. ganz besonders.
Anna