Guten Morgen Doris,

klar gibt es unter den älteren Tunesiern viele Analphabeten. Diese können aber, wenn sie wollen, in spezielle Kurse gehen und dort schreiben und lesen lernen. Das Problem dürfte eher da liegen, daß sie es nicht mehr wollen. Doch die jüngeren können alle lesen und schreiben. Den meisten Eltern ist die Bildung ihrer Kinder sehr wichtig, da sie ja am eigenen Leibe erfahren haben, wie wichtig es gewesen wäre, wenn sie lesen gelernt hätten.
Bei Notfällen, wie z.B. Arbeitslosigkeit, hält die Familie in Tunesien ganz anders zusammen, wie hier in Deutschland. Ist einer arbeitslos, erhält er Unterstützung von der ganzen Familie. Diese Erfahrung war für mich am Anfang meiner Ehe auch sehr schwierig nachzuvollziehen, da ich es ja absolut nicht gewohnt war, meiner Familie Geld zu geben (eher umgekehrt...). Wenn einer in der Familie Geld hat, so gibt er es den anderen, wenn sie es brauchen. Mein Mann z.B. würde für seine Brüder und seine Schwester sein letztes Hemd geben. Das ist normal und für mich mittlerweile auch zu akzeptieren. Es ist seine Familie, die für uns genau das Gleiche machen würde (hoffe ich doch :confused . Es gibt aber zusätzlich zu dieser "Familienversorgung" auch noch Sozialhilfe, mit der man bestimmt nicht reich werden kann, doch verhungern muß man gewiß auch nicht. Arbeitslosigkeit ist in Tunesien, wie in vielen Ländern der Welt ein großes Problem und Tunesien ist im Afrikavergleich wohl das Land mit den meisten Intiativen und Programmen gegen dieses Problem. Ein Vergleich Deutschland-Tunesien ist wenig sinnvoll, da die Voraussetzungen einfach ganz andere sind.
Das "Café-Sitzen" ist meiner Meinung nach so, wie steif es beschrieben hat. Viele Leute gehen auch einfach nur ins Café, um dort ihren Frühstückskaffee zu trinken und dann danach zur Arbeit zu gehen. Es sitzen auch viele alte Männer, die nicht mehr arbeiten in den Café's. Die Café's sind eben die "Kommunikationszentralen" der Männer. Das Leben und der Lebensrythmus ist in Tunesien halt völlig anders als bei uns.
LG Anna