aus Financial times Deutschland:
Die 90er Jahre boten vielen Staaten der Welt die einmalige Gelegenheit, auf den Zug des Wohlstands aufzuspringen - und die meisten Staaten waren fest entschlossen, diesen Sprung zu machen. Eine Region blieb jedoch von dieser positiven Entwicklung weitestgehend unberührt.

Den arabischen und islamischen Staaten des Nahen Ostens ist es - mit Ausnahme der Türkei - bisher nicht gelungen, sich aus der Abhängigkeit vom Ölgeschäft zu befreien. Schlimmer noch: Trotz der Milliarden von Petrodollar, die aus aller Welt Jahr für Jahr in die Region fließen, lässt sich kaum ein nachhaltiger wirtschaftlicher Fortschritt erkennen.


Ein Hauptgrund für die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der islamischen Staaten von Marokko bis Iran ist ihr Mangel an berufstätigen Frauen. Der extremste Fall ist zweifellos Afghanistan, wo hoch qualifizierte Frauen - sofern sie nicht bereits vor dem Gewaltregime der Taliban geflohen sind - bis vor kurzem untätig zu Hause sitzen mussten.


Weibliche Ärzte durften keine kranken Patienten behandeln. Weibliche Ingenieure durften nicht die notwendigen Reparaturen an Gebäuden und Brücken planen. Weibliche Manager konnten das Land nicht aus dem Chaos retten, allein auf Grund ihres Geschlechts. Und das, obwohl die zerstörte Nation auf ihre Fähigkeiten angewiesen gewesen wäre.

Geringste Frauenerwerbsquote


Selbst in den gemäßigteren Ländern der Region werden Frauen nicht dazu ermutigt, wirtschaftlich produktiv zu sein. Unter den 15 Staaten der Welt mit der geringsten Frauenerwerbsquote finden sich 13 arabische beziehungsweise islamische Staaten. Während Frauen weltweit rund 40 Prozent der Erwerbstätigen stellen, beträgt ihr Anteil im Nahen Osten und in Nordafrika gerade mal 27,3 Prozent.


Die zum Teil stark variierenden Quoten in den einzelnen islamischen Staaten erweisen sich dabei als überraschend verlässliche Indikatoren für die Öffnung der jeweiligen Regime gegenüber der nicht-islamischen Welt. So gelten beispielsweise Ägypten (mit einer Frauenerwerbsquote von 30,1 Prozent), Tunesien (31,4 Prozent) und Marokko (34,7 Prozent) noch am ehesten als offen und westlich orientiert.


Im Gegensatz dazu weisen die Golfstaaten die weltweit geringsten Frauenerwerbsquoten auf. In den Vereinigten Arabischen Emiraten (14,5 Prozent), Saudi-Arabien (15,5 Prozent) und Oman (16,1 Prozent) kommt auf sechs bis sieben männliche Erwerbstätige nur eine einzige Frau.


Diese Länder versuchen zwar, sich mit milliardenschweren Programmen aus der wirtschaftlichen Abhängigkeit vom Öl zu befreien. Doch ihre Planer scheinen nicht zu begreifen, dass das wichtigste Kapital jeder Volkswirtschaft das Volk selbst ist.