Wirtschaft Tunesien
Der ausländische Patient geht nach Tunesien
Nach einem Bericht von Jeune Afrique gibt es immer mehr britische Staatsbürger, die sich zur medizinischen Behandlung in private tunesische Kliniken begeben. Durch die Engpässe im englischen Gesundheits- und Operationswesen gibt es oft monatelange Wartezeiten für Operationen; Wartezeiten, die es in tunesischen Privatkliniken nicht gibt. Daher schlossen einige britische Organisationen inzwischen Probeverträge mit tunesischen Kliniken ab, um ihre Patienten dort, nur zwei Flugstunden von London entfernt, in Zukunft möglicherweise in größerer Zahl medizinisch versorgen zu lassen. Eine schon seit langem etablierte Klientel sind Patienten aus den Nachbarländern Algerien und Libyen. Sie tragen zu einem Großteil dazu bei, dass die privaten tunesischen Kliniken fast 40% ihres Umsatzes mit Kunden aus dem Ausland erzielen. Im Polyklinikbereich hat der Anteil der privaten Häuser inzwischen 20% erreicht, mit 2.500 Arbeitskräften und einem jährlichen Umsatz von Euro 150 Mio. Insgesamt beschäftigt der private Gesundheitssektor in Tunesien bereits 14.000 Menschen. Zur Zeit interessieren sich auch erste ausländische Gesellschaften für den Aufbau sog. Offshore-Kliniken in Tunesien, ermöglicht durch ein neues Gesetz vom 7. August 2001, erlaubt ab einer Beteiligung von mindestens 67% Auslandskapital. Außer dem Operationsgeschäft ist auch der Bereich Kuren und Nachbehandlung im Wachstum begriffen, neben englischen Patienten nutzen auch zunehmend deutsche, österreichische und skandinavische Rehabilitierungsbedürftige das tunesische Angebot, besonders die Thalassotherapie. In diesem Bereich ist das Land nach Frankreich inzwischen weltweit der zweitgrößte Anbieter.
Finanzwesen: Bankenprivatisierung
Der tunesische Staat wird nach der Teilprivatisierung der Union Internationale des Banques (UIB) im Jahr 2003 auch noch seine Anteile an der Banque du Sud verkaufen. Die drei großen tunesischen Geschäfts und Handelsbanken, die Société Tunisienne de Banque, die Banque Nationale Agricole und die Banque de l’Habitat, werden jedoch vorerst nicht privatisiert. Es wird jedoch eine Übernahme von Anteilen an diesen Gesellschaften auch durch ausländische Partner möglich sein. Auch die Banque Tunisienne de Solidarité, über die die Finanzierung des Fonds National de Solidarité bzw. dessen Projekte laufen, wird nicht aus dem Schoss des Staates entlassen. Die noch in staatlichen Händen verbliebenen drei Entwicklungsbanken (Banque Tuniso-Koweitienne de Développement; Société Tuniso-Saoudienne de Développement; Banque Tuniso-Qatarie de Développement) werden ab dem laufenden Jahr zunächst einmal in Universalbanken umgewandelt. Die tunesische Regierung fördert das Ansinnen ausländischer Banken, in Tunesien zu investieren bzw. sich am Kapital der tunesischen Banken zu beteiligen.
Olivenölproduktion ging zurück
In der Saison 2002 wurden nur 70.000 Tonnen Olivenöl produziert, gegenüber noch fast 150.000 Tonnen im Vorjahr. Die schwachen Niederschläge in der Wachstumsperiode waren der Hauptgrund für dieses schlechte Ergebnis. Eine Konsequenz davon ist der Rückgang der Exporte, statt 95.000 Tonnen, wie in der Periode 2000/01, wurden nur noch 21.000 Tonnen ausgeführt. Der Rest ging in die Versorgung des nationalen Marktes. Damit konnte das kürzlich aufgestockte Exportkontingent in die Europäische Union bei weitem nicht bedient werden, was einen herben Rückschlag für die tunesischen Bemühungen darstellt, auf diesem wichtigen Markt an Boden zu gewinnen.
Zweite Internationale Keramikmesse in Nabeul vom 23.-29. Mai 2003
In Nabeul wird vom 23.- 29. Mai 2003 die zweite Internationale Keramikmesse stattfinden. Die Veranstaltung wird künstlerische, kulturelle und industrielle Aspekte aufnehmen und als Schwerpunktthema dieses Jahr „Geschichte, Gegenwart und Perspektiven der traditionellen und künstlerischen Keramikherstellung” haben. Außerdem stellt die Messe ein Forum zur fachbezogenen Diskussion und zum Erfahrungsaustausch zwischen Keramikkünstlern, Gewerbe-, Geschäfts- und Industrieleuten sowie Fachwissenschaftlern dar. Neben einem Kunstwettbewerb wird es eine Fachausstellung über alte und moderne Keramik sowie eine internationale Ausstellung über Keramikprodukte und deren Herstellungsverfahren und -techniken geben. Darüber hinaus soll während der Messe ein internationaler Verband der Keramikproduzierenden Städte und Regionen gegründet werden. Das Messeorganisationskomitee kann interessierte Unternehmen für die Teilnahme unterstützen.
Werbebranche im Aufschwung
Die noch junge tunesische Werbebranche entwickelt sich schnell. In den letzten Jahren sind eine Vielzahl neuer Agenturen aus dem Boden geschossen und haben sich mit neuen innovativen Produkten schnell am Markt etabliert. Noch sind die jährlichen Ausgaben der tunesischen Unternehmen für die Werbung mit geschätzten TD 62,5 Mio. im Jahr 2001 noch nicht so bedeutend, doch wächst die Branche, einhergehend mit der Liberalisierung und der Zunahme der Konkurrenz, schneller als der Rest der Wirtschaft. Der Löwenanteil fließt in die Fernsehsparte (TD 23 Mio.), gefolgt von der schreibenden Presse (TD 20 Mio.), der Außenwerbung (TD 6,5 Mio.) und dem Radio (TD 0,5 Mio.). Die Branche beschäftigt heute schon ungefähr 3.000 Menschen, vor allem junge tunesische im In- und Ausland Diplomierte. Bemerkenswert ist, dass dabei die junge Generation in vielen Fällen schon die höchsten Führungspositionen besetzt, und nicht selten stehen Frauen an der Spitze.
EU-Hochschulprogramm TEMPUS startet
Das Programm der Hochschulzusammenarbeit zwischen der Europäischen Union und den südlichen Mittelmeeranrainerländern wird auch bald in Tunesien starten. Die Anwendungsmodalitäten, die Funktionsweise sowie die Auswahlkriterien für Projekte und die Definition der Prioritäten für Tunesien wurden inzwischen festgelegt. Das Programm TEMPUS, in welchem es vordringlich um gemeinsame Forschungsprojekte und den universitären Austausch geht, wurde zunächst für die Zusammenarbeit mit den Ländern Osteuropas geschaffen und im Rahmen der Neuen Europäischen Mittelmeerpolitik auf die Mittelmeerländer übertragen. Es ist Bestandteil des Programms „Dialog zwischen den Kulturen und Zivilisationen” und für alle 12 betroffenen Länder, von Syrien bis Marokko, mit Euro 43 Mio. für die Jahre 2002-2006 ausgestattet.
http://www.deutsch-tunesische-gesellschaft.de/home.htmMehr Infos unter:
http://europa.eu.int/comm/education/tempus/home.htmlClaudia