SPIEGEL ONLINE - 20. Oktober 2003, 15:31
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Italien

Flüchtlingsdrama vor Lampedusa - 80 Tote befürchtet

Es sollte der Weg in die Freiheit sein - es wurde der Weg in den Tod: Die italienische Polizei befürchtet, dass bis zu 80 Afrikaner auf einem Flüchtlingsschiff starben, das vor der Insel Lampedusa gefunden wurde.
Immer wieder müssen in Seenot geratene afrikanische Flüchtlinge vor Lampedusa gerettet werden.
Rom - Überlebende hätten gesagt, dass ursprünglich etwa 100 Menschen an Bord gewesen seien, teilte die Küstenwache mit, lediglich 15 ausgemergelte und völlig erschöpfte Frauen und Männer konnten gerettet werden. Sie stammen offenbar aus Somalia. Innenminister Giuseppe Pisanu sprach von einer "schrecklichen Tragödie, die auf dem Gewissen Europas lastet".
Fischer hatten das etwa zwölf Meter lange Boot südöstlich von Lampedusa entdeckt und später an Land geschleppt. Ob die Opferzahl wirklich so hoch ist, steht noch nicht endgültig fest: Viele der Geretteten sind offenbar im Erschöpfungsdelirium. Eine Überlebende sagte aber aus, man habe die an Hunger, Kälte oder Erschöpfung Gestorbenen über Bord geworfen: "Wir konnten nichts anderes tun", so die Frau.
Erst vor zwei Tagen hatte die Küstenwache 25 Flüchtlinge vor der Küste von Lampedusa gerettet und sieben Leichen geborgen. Ihr Boot kenterte am Freitag nahe der Insel. Unter den Todesopfern waren auch zwei Kinder.
Lampedusa - südlich von Sizilien gelegenen - ist oft die erste Station bei der illegalen Auswanderung von Afrikanern nach Italien. Die Insel liegt näher an Tunesien als am italienischen Festland. Nach Angaben des Bürgermeisters von Lampedusa, Bruno Siragusa, werden auf der Insel mit 5.000 Einwohnern die Särge knapp.