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Mittwoch 25. Juni 2003, 21:07 Uhr
Italienischer Innenminister verteidigt Einwanderer

Rom (AP) Der italienische Innenminister Giuseppe Pisanu hat am Mittwoch vor dem Parlament die Einwanderungspolitik der Regierung gegen Kritik auch aus Reihen der Regierungskoalition verteidigt. Italien habe wesentlich weniger Einwanderer als andere europäische Länder, erklärte Pisanu. Und Italien brauche die Einwanderer auch, denn sie übernähmen Arbeiten, die kein Italiener wolle. Er verwies auf Schätzungen der Industrie, wonach kommendes Jahr 200.000 Einwanderer gebraucht würden, um freie Stellen zu besetzen.

Das Problem der illegalen Einwanderung dominiert seit Wochen die Zeitungen in Italien. Fast täglich stranden Menschen an den italienischen Küsten, viele bezahlten die Flucht über das Mittelmeer auch mit dem Leben. Die illegale Einwanderung hat in der Regierungskoalition von Ministerpräsident Silvio Berlusconi zu Spannungen mit der einwandererfeindlichen Lega Nord unter Umberto Bossi geführt, der deutliche härtere Maßnahmen gegen die Flüchtlinge forderte. Einmal forderte er, die Küstenwacht solle auf Flüchtlingsboote schießen. Bossi drohte auch mit dem Ausstieg aus der Regierung. Er begann eine stärkere Kampagne gegen die illegalen Einwanderer, nachdem seine Partei bei den jüngsten Wahlen deutlich an Stimmen eingebüßt hatte.

Der Lega Nord-Abgeordnete Alessandro Ce warf Pisanu vor, falsche Zahlen zu verwenden. Die tatsächliche Zahl illegaler Einwanderer liege viel höher, als von der Regierung angegeben. Sie seien verantwortlich für eine wachsende Zahl von Verbrechen und für Prostitution. Jeden Tag sähen die Italiener im Fernsehen ein Land, dass seine Grenzen nicht verteidigen könne, geschweige denn seine Gesetze.

Pisanu räumte ein, dass es noch viel zu tun gebe. Er bemühe sich um Abkommen mit Tunesien und Libyen, damit diese mehr gegen die Flüchtlinge unternähmen. Die meisten der Flüchtlinge in jüngster Zeit strandeten auf der Insel Lampedusa, die näher an Tunesien als am italienischen Festland liegt. In diesem Jahr sind den Angaben zufolge bislang 6.000 illegale Flüchtlinge in Italien angekommen, weit weniger als im vergangenen Jahr zur selben Zeit.