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Montag 23. Juni 2003, 11:52 Uhr
Italiens Außenminister regt Flüchtlings-"Bonus" an

Syrakus/Rom (AFP)

Angesichts fast täglich anlandender Boote mit illegalen Flüchtlingen an den Küsten des Landes hat der italienische Außenminister Franco Frattini einen ungewöhnlichen Deal vorgeschlagen: Der Politiker regte eine "Belohnung" für all jene Herkunftsländer an, die potenzielle Flüchtlinge auf eigenem Territorium von der Überfahrt nach Italien abhalten. Für solche Länder könnten etwa die regulären Einwandererquoten erhöht werden, sagte Frattini in einem Interview mit dem "Corriere della Sera".

Der Minister lobte die Anstrengungen Ägyptens, Flüchtlingsschiffe bereits bei der Fahrt durch den Suez-Kanal zu identifizieren. Von Tunesien und Libyen forderte Frattini verstärkte Anstrengungen.

Unterdessen landete an der süditalienischen Küste abermals ein Boot mit Flüchtlingen aus Afrika an. Die Küstenwache habe das mit etwa 150 Menschen besetzte Boot vor der sizilianischen Küste abgefangen und in den Hafen von Porto Palo geleitet, teilten die Behörden mit. Zwei mutmaßliche Schlepper seien festgenommen worden. Ersten Erkenntnissen zufolge stammen die Flüchtlinge vom Horn von Afrika. Sie seien in ein Auffanglager gebracht worden, wo sie ärztlich versorgt würden.

Der Umgang mit Flüchtlingen ist in der Regierungskoalition strittig. Vor allem die rechtsgerichtete Lega Nord fordert eine drastische Verschärfung der Einwanderungsrichtlinien. Nach dem Kentern eines Flüchtlingsbootes im Mittelmeer vor der tunesischen Küste wurden am Sonntag noch 160 Menschen vermisst. Knapp 50 Opfer wurden tot geborgen.