Hallo,
danke für Eure zahlreichen Beiträge.
Ich hatte versucht, das zu formulieren, was ich in Tunesien vorgefunden habe. Vielleicht noch einmal konkreter:
Ein Freund von mir ist Animateur, wie so viele junge Leute in dem Land, die mit abgebrochenem Studium nicht untergekommen sind. Seit ein paar Jahren "tanzt er sich kaputt", ist jetzt völlig ausgelaugt und depressiv geworden. Mit Ende 20 wird er langsam ausmustert, durch strahlendere, motiviertere junge Tunesier ersetzt.Der Job ansich, der fast die einzige Einnahmequelle seiner 9-köpfigen Großfamilie ist, trägt zur Versorgung seiner alten Eltern bei. Wenn er aufhört zu arbeiten, wird er nur einen schlechter bezahlten Job im Büro finden.Er ist in einem Bergdorf streng muslimisch groß geworden. Seine Entscheidung in den Tourismus zu gehen bedeutete gleichzeitig, dass er seinen religiösen Werten, seiner Familie, den Rücken kehrte. Einerseits verdient er recht gut und bringt das Geld nach Hause, andererseits schämte er sich immer für seine Lebensweise. Das gilt eben auch für den Umgang mit Alkohol, freizügigen Frauen usw. Sein Wunsch ist es jetzt, wo er auch physisch und psychisch am Ende ist, an das alte Leben wieder anzuknüpfen, hat aber Ängste, dass es nicht mehr gelingen wird. Er hat sich durch sein Leben der letzten Jahre so verändert, dass er "zwischen den Welten" ist. Eine Alternative, nach Frankreich zu gehen und zu heiraten, lehnt er ab, da er so viele Kumpel hat, die dadurch völlig den Halt verloren haben, Drogen konsumieren, und/ oder voll Heimweh wieder nach Tunesien gekommen sind.
Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht ?

Noch eins: ich denke, die Politik Ben Alis bedeutet einerseits großen wirtschaftlichen Aufschwung für Tunesien, andererseits wird die zunehmende Verwestlichung den Glauben zurückdrängen. "Muslimisches Land" ist nur noch ein Aushängeschild. Gerade das macht die Fundamentalisten stark dagegen angehen zu müssen.

Was meint Ihr ? [winken3] Claudi.