Aus den aktuellen Nachrichten der Tagesschau:
Niederländer trauern um Filmemacher van Gogh
Mehrere tausend Menschen haben im Zentrum von Amsterdam den ermordeten Film-Regisseur und Publizisten Theo van Gogh geehrt. Pfeifend, klatschend, trommelnd und mit Töpfen und Pfannen schlagend zogen sie durch die Straßen. Die Demonstranten folgten einer Aufforderung des Amsterdamer Bürgermeisters Job Cohen. Stilles Gedenken, wie es sonst in den Niederlanden nach erschütternden Ereignissen üblich ist, sei in diesem Fall nicht angebracht, hatte Cohen als Reaktion auf das Attentat gesagt. "Wie Theo haben auch wir eine Meinung und das zeigen wir", lautete das von ihm vorgegebene Motto des Treffens.
Mann marokkanischer Herkunft verhaftet
Der Filmregisseur van Gogh war am Morgen mitten in Amsterdam niedergestochen und anschließend mit sechs bis sieben Schüssen getötet worden. Als mutmaßlicher Täter wurde ein 26 Jahre alter Amsterdamer mit niederländischer und marokkanischer Staatsbürgerschaft festgenommen.
Der für seine oft kontroversen Ansichten bekannte van Gogh hat gerade den Film "0605" über den Rechtspopulisten Pim Fortuyn fertig gestellt, aber noch nicht in die Kinos gebracht. Der Politiker war am 6. Mai 2002 in Hilversum erschossen worden. Der politische Mord hatte seinerzeit die Niederlande heftig erschüttert.
Kritische Filme über islamistischen Fundamentalismus
Van Gogh ist in den Niederlanden auch als Kritiker des islamistischen Fundamentalismus bekannt geworden. Sein Film über die Unterdrückungen von Frauen im Namen des Koran wurde in den Niederlanden kontrovers diskutiert. Das Drehbuch für "Submission" schrieb die aus Somalia stammende niederländische Abgeordnete Ayaan Hirsi Ali. Sie hat wegen islamkritischer Äußerungen besondere Aufmerksamkeit erlangt. Nach der Ausstrahlung des Kurzfilms im niederländischen Fernsehen hatte van Gogh wiederholt Mordrohungen erhalten und war gegen seinen Willen unter Polizeischutz gestellt worden.
Bestürzung bei Beatrix und Balkenende
Die niederländische Königin Beatrix und führende Politiker des Landes reagierten mit Bestürzung auf die Bluttat. Ministerpräsident Jan Peter Balkenende würdigte Van Gogh als Vorkämpfer des freien Wortes. Sollte sich zeigen, dass er wegen seiner Ansichten umgebracht wurde, wäre dies eine äußerst Besorgnis erregende Entwicklung. «Unsere Demokratie würde an der Wurzel angegriffen, wenn man seine Meinung nicht mehr äußern könnte», sagte der Regierungschef.
Van Gogh hat seit Anfang der achtziger Jahre mehr als zwei Dutzend so genannte Low-budget-Filme gemacht. Er bezeichnete sich selbst als entfernter Verwandter des 1890 gestorbenen niederländischen Malers Vincent van Gogh