http://de.news.yahoo.com/020416/3/2q8s0.html Dienstag 16. April, 15:14 Uhr
El Kaida im Rampenlicht
Berlin (dpa) - Und wieder führt die Spur nach Deutschland. Und erneut rückt die Terrororganisation El Kaida ins Rampenlicht. Der verheerenden Explosion auf der tunesischen Insel Djerba fielen 15 Menschen zum Opfer, zehn davon waren deutsche Urlauber. Nachdem es seit Tagen von Seiten der Bundesregierung hinhaltend hieß, es gebe Hinweise, aber noch keine Beweise für einen Anschlag, nahm das Bundeskriminalant (BKA) jetzt einen mutmaßlichen Verantwortlichen fest. Mehr wurde nicht gesagt. Auch am Dienstag hielt sich das Ministerium mit Auskünften zurück.
Angeblich soll es ein Bekennerschreiben der Terrororganisation El Kaida von Osama bin Laden geben. Bin Ladens Spur hat sich seit dem Feldzug der Amerikaner gegen sein Netzwerk in Afghanistan verloren. «Diese Operation ist eine Antwort auf die israelischen Verbrechen gegen die Söhne des palästinensischen Volkes im Westjordanland und im Gazastreifen», zitierte die arabische Zeitung «Al-Quds Al-Arabi» aus dem Schreiben. Bin Laden hatte seine Terroranschläge auch mit der Los der Palästinenser gerechtfertigt.
Es ist zwar nur ein zufälliges zeitliches Zusammentreffen, dass am Dienstag vor dem Frankfurter Oberlandesgericht Frankfurt am Main der El-Kaida-Prozess begann. Aber dies zeigt, dass islamistische Terroristen von Deutschland aus ihre Verbrechen planten.
Nach den Anschlägen vom 11. September auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington stellte sich rasch heraus, dass die Todespiloten Mohammed Atta, Marwan Alshehhi und Siad Jarrah lange Zeit unauffällig und unbehelligt im Hamburger Stadtteil Harburg gelebt hatten. Auch mehrere Helfer der Selbstmordattentäter hielten sich in Deutschland auf. Vor dem Oberlandesgericht müssen sich fünf mutmaßliche, algerische Terroristen verantworten. Vier von ihnen wird vorgeworfen, zur Jahreswende 2000/2001 einen Bombenanschlag in Straßburg geplant zu haben.
Der jetzt in Deutschland festgesetzte Kontaktmann soll mit dem Mann telefoniert haben, der für die Explosion vor der Synagoge auf Djerba verantwortlich sein soll. Das Hamburger Magazin «Stern» berichtete, die Kontaktperson werde El Kaida zugerechnet.
Angeblich hat die «Islamische Armee zur Befreiung der heiligen Stätten» den Anschlag verübt, bei dem erneut Deutsche zu den Opfern zählten. Zehn deutsche Touristen kamen auf Djerba ums Leben. Am 11. September starben 14 Deutsche, als die beiden Türme des World Trade Centers von zwei Flugzeugen gerammt wurden und zusammenstürzten.
Die Auswirkungen der Katastrophe auf der beliebten nordafrikanischen Ferieninsel sind noch nicht abzusehen. Die tunesischen Behörden versuchten, eine mögliche Bedrohung herunterzuspielen, und beeilten sich, die Spuren der Explosion - im wahrsten Sinne des Wortes - zu übertünchen. Dahinter steht die Sorge, dass mit dem Torismus eine der wichtigsten Einnahmenquellen des Landes versiegen könnte. Mit gut einer Million Besuchern liegen die Deutschen dabei an der Spitze.