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Was ich kennengelernt habe ist Freundschaft, Hilfsbereitschaft und vieles mehr, was man hier in Europa schon längst nicht mehr kennt.
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Ich habe in Deutschland sowohl in der Großstadt, als auch auf dem Lande gelebt und kann dies so nicht bestätigen - auf dem Lande erfährt man oft die gleiche Hilfsbereitschaft wie in Tunesien auch (und womöglich effektiver, weil HilfsBEREITSCHAFT ja nicht identisch mit HILFE ist). Und ich kenne dies auch aus anderen europäischen Ländern, und aus den USA.
Ich denke eher, daß man in ein fremdes Land vieles hineinromantisiert und deshalb positive Seiten intensiver wahrnimmt.
Ich persönlich kann nur sagen, daß ich in Tunesien einen ebensogroßen Prozentsatz an Pappnasen kennengelernt habe, wie in anderen Ländern auch, und daß der Anteil der negativen Erfahrungen den der positiven deutlich übersteigt. Interessanterweise findet man die meisten "guten" Menschen unter den gläubigen Moslems (die gar nicht einmal die Gesellschaft von Europäern suchen, doch von denen viele gegenüber Europäern eine erstaunlich hohe Toleranz und Akzeptanz beweisen - zumindest gegenüber einem Mann) und denjenigen, die sehr lange mit Europäern verheiratet sind oder bereits selbst in Europa gelebt haben. Dies betrifft allerdings meist Menschen über 25-30. :-)
Was man jedoch auch spürt, zumindest wenn man einige Zeit hier kontaktfreudig lebt, ist, daß viele Freundlichkeit eher in Höflichkeit begründet ist und der Gewißheit, daß negatives Verhalten gegenüber einem "Touristen" der Gemeinschaft schadet bzw. negativ sanktioniert wird. Ich bin überzeugt, daß trotz des allgegenwärtigen Lächelns diverse Fäuste in der Tasche geballt sind und erlebe es nicht selten, daß, wenn der Tourist nicht mehr in Hörweite ist, durchaus auch Worte fallen, die garnicht mehr so freundlich oder achtenswert klingen. Besonders in der Tourismusindustrie wird ein Tourist als Geldschein auf Beinen angesehen, der hofiert werden muß - doch man denke nicht, daß dies in europäischen Tourismusgebieten wesentlich anders wäre, nur vielleicht mit einer weniger freundlichen, und daher womöglich ehrlicheren, Maske <g>.