Tja, was hatte ich erwartet, als ich allen erzählt habe, dass ich mich im Urlaub verliebt habe? Eigentlich nichts. Ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass es als Tatsache zur Kenntnis genommen wird - so wie meine früheren Freunde auch.

Die Reaktionen waren dann ganz unterschiedlich. Meine beste Freundin z.B.: Sie hat in einem Gespräch, gleich nachdem ich ihr erzählt hatte, dass es mir ernst ist (sie war im Urlaub dabei und kannte ihn) versucht mir die rosarote Brille abzunehmen, hat mich auf Probleme hingewiesen, zu bedenken gegeben, ob es ihm wohl so ernst ist, wie mir. Ich habe unsere Beziehung verteidigt - und sie hat nie wieder ein Wort über ihre Bedenken verloren, sondern mich in Allem unterstützt. Erst viel später, als wir längst glücklich verheiratet waren und Kinder hatten, hat sie mir gestanden, dass sie meine Entscheidung für absolut verrückt gehalten hat.

Mein restlicher Freundeskreis hat sich mir gegenüber nicht anders verhalten, als hätte ich erzählt, dass ich jemanden aus unserem Dorf heiraten will. Was sie alle gedacht haben, kann ich mir denken, aber die Zeit hat sie eines besseren belehrt.

Meine Familie - davor hatte ich ein bißchen Angst. Ich hatte mir gewünscht, dass meine Entscheidung mitgetragen wird. Hier schlug mir der stärkste Widerstand entgegen - meist rational, manchmal aber auch sehr emotional. Wir haben viel diskutiert, Möglichkeiten abgewägt. Um ihn kennenzulernen haben meine Eltern ihn dann (ich war noch Studentin und konnte keine Einladung machen) über Weihnachten zu uns eingeladen. Die Lösung, die meine Eltern dann für das Hochzeits-Problem angeboten haben war, ihn erstmal als Aupair zu sich einzuladen. So wollten sie uns ein Jahr "Probezeit" verschaffen. Hat aber leider nicht so funktioniert, da er ja als Aupair keine Arbeit suchen konnte und ihm deshalb die Decke auf den Kopf gefallen ist. Nach drei Monaten haben wir meinen Eltern dann erklärt, dass wir doch heiraten wollen. Nachdem das nunmal meine Entscheidung war, wurde diese von meinen Eltern respektiert und mitgetragen, auch wenn weiterhin Bedenken bestanden. - Die haben sich nach über neun Jahren Ehe und drei Kindern inzwischen übrigens zerstreut. Meine Eltern schätzen meinen Mann mittlerweile sehr.

Die meiste Angst hatte ich vor dem Gespräch mit meiner Oma, bei der ich groß geworden bin und die sehr katholisch ist. Doch sie hat am besten von allen reagiert. Sie hat geweint - ihre Worte haben mir aber Mut gemacht: "Wenn Du mit ihm glücklich wirst, dann ist es gut für Dich und für mich."