eine frau, so zwischen ende 30 und mitte 40.... früh – viel zu früh, wie sie heute meint – hat sie damals geheiratet. hat ein, zwei kinder bekommen und groß gezogen. hat den haushalt gemanagt, vielleicht dem gatten den weg in den erfolg bereitet, vielleicht selber, als die kinder in der schule waren, wieder gearbeitet, weil das geld sonst so knapp war. ein haus hat man vielleicht auch noch gebaut. viel verzichtet auf jeden fall, auf eigene „entfaltung“ vielleicht, weil eigentlich nie zeit dafür war mit dem haushalt und den kindern und dem (vielleicht) haus... vielleicht auch die jahrelange doppelbelastung durch job und family-management....
egal, nun sind die kinder aus dem gröbsten raus, der gemahl beruflich etabliert – und das haus ist leerer und ruhiger geworden. zeit zum nachdenken fällt an. bilanz wird gezogen. eine, die nicht besonders gut auffällt. ja, man hat materielle sicherheit. aber emotional? was ist da noch? sex ist – so er noch existiert – zur gewohnheit geworden, liebesbeweise beschränken sich nur allzu oft auf einen flüchtigen kuss beim kommen und gehen und einen vermeintlich liebevoll-anerkennenden klaps auf den leider auch nicht kleiner gewordenen popo.
der spiegel zeigt erste falten, die konfektionsgröße fängt nicht mehr mit 3 an und überhaupt – frau fühlt sich ein bisschen leer und ausgebrannt, stellt fest, was sie doch – vermeintlich oder wahr sei dahingestellt – im leben so alles verpasst hat.
hunger fühlt sie, nach der leichtigkeit der 20er, die sie für familie und kinder so früh aufgegeben hat. urlaub, ja, das wärs, mal 2-3 wochen sich verwöhnen lassen, keine wäsche, keine mahlzeiten vorbereiten, die dann doch nicht gemeinsam eingenommen werden, weil alle – außer ihr – irgendwie ständig unterwegs sind.
männe – merkt nix, seine welt ist in ordnung, solange alles so ist, wie er es die letzten 15-20 jahre gewohnt war. die falten – entweder merkt er sie nicht oder sie stören ihn nicht, das breiter gewordene hinterteil ist ihm auch egal, hauptsache, alles läuft in geregelten bahnen...

die freundin, die sich genauso fühlt und etwas „mutiger“ ist, schlägt den urlaub vor. man könnte doch fliegen, irgendwo hin, wo sonne scheint und süßes nichtstun lockt, dem alltag für einen moment entfliehen.

sie fliegen. und dann – schlägt der blitz ein. da steht er, der märchenprinz, jung, knackig, zärtlich, erotisch mit einem nicht enden wollenden repertoire an komplimenten. kein alltagskleinkram, keine verpflichtungen, keine schmutzige wäsche. sonne, erotik, liebe pur. kein wecker, keine verschmähten mahlzeiten, keine sportschau....

und plötzlich sind die falten verschwunden, die sorgen verschwunden, der alltag verschwunden. nur noch die unerträgliche leichtigkeit des seins existiert und 20 jahre fallen ab von ihr. verliebt und glücklich wie damals ist sie, wieder 20 oder 25 jahre alt....

wer denkt da noch an den alltag.....

vor allem: wer würde daran denken, dass im wohnzimmer in wanne-eickel der alltag wiederkehren würde und man nur zu bald sagen müsste: same shit – different asshole? sie nicht. noch nicht. von den zusätzlichen problemen ganz zu schweigen.
aber..... das wird sie vielleicht selber herausfinden. die frage ist nur, wann und um welchen preis....