gabi kommt müde nach hause. 8 stunden büro und zwei stunden fahrt - so ein tag ist lang. und nun würde sie noch einkaufen gehen müssen, weil nizar das aufgrund seiner schlechten deutschkenntnisse nicht alleine erledigen konnte. sie klingelt, aber niemand öffnet. etwas missmutig kramt sie den schlüssel aus ihrer tasche und schließt auf. sie überlegt gerade, ob er wohl - wie sie ihn morgens gebeten hatte, staub gesaugt und den abwasch vorm vortag erledigt hat. die tür klemmt. der staubsauger steht halb davor, benutzt hat ihn allerdings scheinbar keiner. ein blick in die küche sagte ihr, dass auch der abwasch unangetastet in der spüle steht. aus dem wohnzimmer hört sie den fernseher dudeln. da liegt er ja, ihr orientalischer märchenprinz - fest schlafend auf dem sofa. auch die zeitung, die sie ihm auf den tisch gelegt hat, damit er wenigstens mal nach einem hilfsjob suchen soll, wirkt unberührt. sie seufzt, nicht sicher, ober sie wütend oder verzweifelt sein soll. seit 8 monaten ist er nun hier, ein jahr sind sie verheiratet - aber von dem strahlenden jungen mann mit den funkelnden augen ist nicht mehr viel zu spüren. das halbe jahr deutsch-intensivkurs, für den sie sich das geld vom munde abgespart hat, war nicht sehr erfolgreich und auch in dem preiswerteren vhs-kurs, den er nun abends besucht, tut er sich nicht gerade durch fleiss hervor. überhaupt - lebhaft wird er eigentlich nur, wenn es darum geht, auszugehen und geld auszugeben. geld, dass sowieso ständig knapp ist. so knapp, dass sie sich manchmal fragt, wo es bleibt. würde sie nizar fragen, wüsste sie es. er nimmt keine großen beträge... aber er findet immer wege, es nach tunesien zu seiner familie zu schicken; das netzwerk funktioniert prima. ärgerlich stößt sie ihn an, er blinzelt, räkelt sich. du hast heute wieder nichts getan, mault sie ihn müde und enttäuscht an. sie würde am liebsten ins bett gehen, aber sie muss noch einkaufen und etwas essen. er zuckt die schultern, ihm ginge es nicht so gut heute, aber morgen, nchallah... sie geht in die küche, will geld zum einkaufen aus der schublade nehmen. schon wieder so wenig, war es nicht mehr gestern? nizar ist ihr gefolgt. er riecht nach bier. warst du wieder in der kneipe mit deinen kumpels fragt sie immer ärgerlicher. er zuckt wieder mit den schultern, was soll er denn sonst machen den ganzen tag, so ohne familie und freunde und arbeit. sie schnaubt nur, er hätte genug zu tun gehabt. er kann jetzt wenigstens saugen, bis sie vom einkaufen kommt. missmutig schlurft er zum staubsauger. könnte sie arabisch, würde sie verstehen, dass er sagt, das sei weiberarbeit. auf dem küchentisch liegt die post. na wenigstens die hat er hochgeholt. da ist ja auch die telefonrechnung. oh nein, schon wieder über 180 euro. wütend fuchtelt sie ihm damit vor der nase rum, wie oft hat sie ihm gesagt, er soll nicht so lange nach hause telefonieren! sie schnappt die einkaufstasche und verschwindet türenknallend, eine sekunde länger bleiben und sie dreht ihm den hals um. er schiebt 3 minuten gelangweilt den staubsauger herum - und schaltet ihn aus, als er sicher ist, dass sie nicht mehr im hausflur ist und sowieso nicht hört, ob er saugt oder nicht. er lässt sogar noch wasser auf das geschirr laufen, aber dann ist er seiner meinung nach hilfreich genug gewesen und lässt sich lieber wieder auf das sofa vorm fernseher plumpsen. ya allah, hat sie heute wieder eine laune. da wird er wohl zu trick 17 greifen müssen, sonst gibts richtig ärger - und das kann er sich frühestens in 2,5 jahren erlauben.
als sie eine halbe stunde später noch erschöpfter heimkommt, macht er ihr die tür auf und hat sein strandlächeln von damals rausgekramt. er nimmt ihr die taschen ab, drückt sie auf einen küchenstuhl und beginnt zärtlich, ihr den nacken zu massieren. sie kriegt immer mehr falten am hals... nun gut, sie ist 43, was erwartet man da. naima ist erst 21, vier jahre jünger als er, auch in 3 jahren wird sie noch jung sein.... er kann warten.
sie entspannt sich unter der liebevollen berührung, ihre stimmung glättet sich, im gegensatz zu den sorgenfalten auf der stirn. er kniet sich vor sie, nimmt ihre hände und strahlt sie an. habibti, lass uns ein bisschen spazieren gehen und ein eis essen, du musst dich ausruhen. da ist er, dieser blick, dem sie nie wiederstehen kann. ihr ärger verraucht, sie lächelt zurück. eigentlich ist sie müde. eigentlich müsste der abwasch gemacht werden. aber sie willigt ein. wieder mal.
sie wird noch 2,5 jahre einwilligen. dann wird sie 46 sein....