Saläm shukran und allen anderen auch,
es war mein erster Urlaub in Tunesien. Das ist richtig und war ein unvorbereiteter Last Minute Schnellschuß. Eigentlich nicht so meine Art, aber da es mit meinem ursprünglich geplanten Ziel (Karibik - Las Terrenas) nicht geklappt hat und der Urlaub nun mal da war und das Wetter in Deutschland Super Mies gewesen ist, habe ich mir über das Internet ein Reiseziel nach momentaner Temperatur von mind. 30°C raussuchen lassen.
Und bin eben so nach Tunesien gekommen.
Ich habe auch kein reiches Land oder Luxus erwartet. Brauche ich nicht. Bin so ja auch nicht aufgewachsen. Das ich keinen tropischen Regenwald vorfinde, war mir auch klar. Das vorgefundene entsprach durchaus meinen Vorstellungen, auch Architektur (Sidi Bousaid ausgenommen), bissel baufällige Häuser, streunende Hunde usw. Kenne ich alles und nehme gewiß keinen Anstoß daran. Ich fühle mich im Gegenteil in einfachen Verhältnissen sehr wohl.
Irreal und unwirklich wirkte Hammamet-Yasmin auf mich. Wie eine Filmkulisse.
Ich habe auch nichts gegen Bettler....fragen erlaubt und ich bin sicher nicht geizig, wenn ich es für angebracht halte.
Was lernt ein normaler Touri für Leute kennen.
Die erste Woche bei mir eben nur die Verkäufer mit ihren Maschen. Verlogen, schleimig, respektlos, penetrant, aggressiv und wenn man dann zum zehnten freundlich abgelehnt hat, läuft man Gefahr, beleidigt und beschimpft zu werden. Habe das auch am Strand Frauen gegenüber erlebt.
Das sind nun mal die ersten Leute, mit denen ein normaler Touri in Berührung kommt.
Kann man mich denn nicht einfach ganz normal behandeln, mit mir umgehen?
Ok, ich habe auch Ausnahmen kennengelernt.
Mit Hotel- , Pool-, und Strandurlaub kann ich persönlich nicht so doll viel anfangen. Ich lerne ganz gern Einheimische kennen um sie und ihr Leben usw. kennenzulernen. Finde ich viel interessanter. Habe auch durch Zufall? zwei nette? Tunesier am Strand kennengelernt, habe zusammengesessen, gequatscht, was getrunken und habe sie abends zum essen eingeladen.
Naja, das Ende vom Lied war, gib mir 20 Dinar für meine Mama, gib mir 40 Dinar für mich, gib mir 60 Dinar für die Prostituierte (welche wohl in diesem Lokal verfügbar waren) weil er das denn gerade ganz dringend braucht.
Na danke. Mit betteln haben diese Forderungen dann ja auch nichts mehr zu tun.
Gibt es einige solcher unschönen Erlebnisse, und gehört, wie ich später auch kennenlernen durfte, nicht unbedingt zur Mentalität der Tunesier.
Nur das einem eben genau dieser Schlag Tunesier ständig und recht massiv über den Weg läuft.
Ich habe dann in der zweiten Woche einen Österreicher kennengelernt, eigentlich gebürtiger Tunesier, durch den ich dann doch noch ein wenig positives erleben konnte. Ich möchte auch gar nicht so genau wissen, was er der gewissen Sorte Tunesier so alles auf arabisch an den Kopf geworfen hat....aber es hat ungemein geholfen ;o)
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Der Ruf zum Gebet von den Minaretten der Moscheen? Hast du nicht von der tunesischen Kochkunst gezehrt oder einen typischen Pfefferminztee gekostet?
----------------schnapp-----------------------
Nein, ersteren habe ich nicht gehört...oder überhört. Aber ich muß auch Sonntagmorgen nicht unbedingt das Kirchengebimmel haben.
Ja, die tunesische Küche habe ich kennengelernt und ist wie vieles Geschmacksache. Manches lecker anderes nicht. Auf Pfefferminztee steh ich denn nicht so, aber der Türkische Mocca war leckerer als in der Türkei. Auch Geschmackssache.
Interessant war auch das Verhalten der Bedienung im Hotel, wenn am Wochenende Einheimische da waren. Konnte man dann ewig auf seine Bestellung warten. Eine Erfahrung, die nicht nur ich gemacht habe und daher durchaus objektiv ist.
@ Claudia
Mit Hotel habe ich nicht viel zu tun, ist aber eben erstmal erste Anlaufstelle.
Mich würde dein Bericht mal interessieren, wenn du ganz allein im Land unterwegs bist, ohne das Wissen und die Erfahrung und dem Tunesier. Ob der dann auch so positiv ausfällt?
Ach so, ich möchte hier natürlich niemanden zu nahe treten oder ähnliches. Ich war und bin einfach nur irritiert von den "Liebesbekundungen". Aber scheint ja nicht nur mir so zu gehen.
Ich bin nach den zwei Wochen noch einmal für 5 Tage runtergeflogen (also Montag her und Mittwoch zurück), weil ich am letzten abend ein Mädchen kennen- und mittlerweile lieben gelernt habe. Also ganz einfach, ich habe mich verliebt!
Aber wenn ich auch diese Zeit mit ihr unterwegs war, ihre nette und liebe Familie kennenlernen durfte und auch sonst Einblick in das "normale Leben" erhielt, in das Land konnte und habe ich mich nicht verliebt.
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Karmoussa meint:
Für mich ist es wohl das "boukra", diese "unerträgliche Leichtigkeit des Seins", dieses Dinge liegen lassen, ignorieren können. Die Wärme, die Freundlichkeit.
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Für "unerträglich" würde ich "beneidenswert" setzen. Habe ich aber auch irgendwie nicht erlebt in Tunesien. In der DomRep ja. Eigentlich schon fast unverantwortlich. Diese Menschen sind wirklich sehr arm und fragen dich auch mal nach Peso. Aber nur einmal. Wenn ja, dann ja, wenn nicht auch ok. Und sind immer noch freundlich.
Ich habe mit diesen Menschen gesessen, getrunken, erzählt (kann kaum Spanisch), gegessen (möchte nicht so genau wissen, in welchem halbstehendem Fluß das gewaschen wurde),
gefeiert, in Bretterbuden geschlafen, wo hier niemand auch nur sein Gartengerät unterstellen würde und konnte gar nicht so viele Pannen haben, wie man mir helfen wollte.
Dieses Land...also die Menschen...haben mich tief beeindruckt. Da könnte ich von liebe sprechen. Für mich machen die Menschen ein Land aus, nicht das Drumherum.
Deshalb dachte ich bei diesen ganzen Schwärmereien für Tunesien, das bei meinem Urlaub und auch sonst einfach nur etwas schief gelaufen ist, ich mich einfach zu blöd angestellt, zu wenig informiert habe.
Darum meine Frage hier. Aber ich stehe da mit meinen Empfindungen wohl doch nicht so allein?!
Ich danke Euch auf jedem Fall, das ihr versucht habt, meine Frage zu beantworten, und hoffe, das sich niemand beleidigt fühlt.
Liebe Grüße
Matthias