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Joined: Sep 2003
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Deutschland
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Zitat: Wie stellen sich die Frauen das Leben hier vor mit ihrem tunesischen Ehemann? Auch nicht Betroffene Frauen könnten ja mal ihre Vorstellung davon schreiben. Jetzt mal von Sprüchen wie "hauptsache man liebt sich" abgesehen. Es gibt auch noch ein reales Leben in dem man Miete Zahlen muss, Kinder ernähren auf Deutsch: Arbeit haben muss!
Ich habe meinen Ex vor gut zwei Jahren in Sousse kennengelernt; auch bei mir war nach dem zweiten Besuch sofort die Rede von Heirat. Meine Telefonrechnung stieg in astronomische Hoehen, weil er arbeitslos war und nur gelegentlich anrufen konnte - er hat aber jeden Dinar zum Telefonieren genutzt, das musste man ihm schon lassen. Auch, wenn ich in Sousse war, hat er mich nie irgendwas bezahlen lassen.
Als es dann mit den Heiratsplaenen ernster wurde, habe ich ihn nach seinen Vorstellungen von Deutschland gefragt. Obwohl er bereits als Kind einige Jahre in Frankreich gelebt hatte, einwandfreies Englisch und ein wunderbar akzentfreies Franzoesisch sprach, musste ich mich ueber sein Bild von Europa=Schlaraffenland schon sehr wundern. Er meinte, dass ihm - obwohl er keine abgeschlossene Ausbildung hat - die Jobs hinterhergeschmissen werden und er gleich zu Anfang mindestens soviel verdient wie ich, wenn nicht sogar mehr (und ich verdiene eigentlich recht gut). Ich sollte dann zuhause bleiben, Kinder in die Welt setzen und nicht mehr arbeiten. Selbstverstaendlich haetten wir dann auch ein schoenes Haus und ein entsprechendes Auto. Aeeeeh - hallo?!
Sehr gestoert hat mich dann die Tatsache, dass er den ganzen Tag nichts zu tun hatte, aber nicht mal ansatzweise begonnen hatte, die Sprache des Landes zu lernen, in dem er bald leben wollte - und er hat einen guten Freund, der 10 Jahre in Deutschland gelebt hat, perfekt Deutsch spricht und ihm gratis Unterricht gegeben haette. Endgueltig stutzig machte mich dann seine Frage, ob es in der Naehe meiner Wohnung ein kleines Cafe oder aehnliches gaebe. Als ich meinte, es gaebe eines, sagte er begeistert: "Oh, phantastisch, dann werde ich den ganzen Tag dort sitzen!".
Seine Vorstellungen davon, wie unser Leben in Deutschland sein wuerde, machten mir ehrlich gesagt eine Riesenangst. Nach und nach wurden meine Gefuehle fuer ihn auch davon verdraengt, dass ich mir dieses Leben fuer mich selbst nicht wuenschte und nicht vorstellen konnte. Auch dass er nicht den geringsten Ehrgeiz besass, Deutsch zu lernen oder sich irgendwie auf seine Zukunft vorzubereiten, fand ich ziemlich traurig.
Eines Tages stritten wir uns am Telefon, weil er von mir einen minutioesen Bericht meines Tagesablaufs verlangte - wann ich wie wo und mit wem zusammen war, was ich den ganzen Tag mache (bin viel auf Dienstreisen, daher staendig unterwegs), wieso ich nicht mehr zu Hause waere etc. Daraufhin sagte ich ihm, dass es mir manchmal wirklich auf die Nerven ginge, dass er mich staendig kontrollieren wolle. Stille. Dann sagte er: "Ich rufe Dich an, wenn ich wieder Geld habe." Daraufhin hoerte ich drei Wochen lang nichts, und als er nach besagten drei Wochen wieder anrief, bin ich nicht mehr ans Telefon gegangen. Er rief wochenlang an, aber ich habe nie wieder mit ihm gesprochen. Darauf bin ich weiss Gott nicht stolz, aber ich konnte diese ganzen Diskussionen einfach nicht mehr ertragen...
Mittlerweile bin ich seit einiger Zeit mit meinem neuen Freund zusammen (kein Tunesier) und habe gemerkt, dass es damals wirklich nur ein etwas intensiverer Urlaubsflirt gewesen ist, aber keine wahre Liebe, sonst haette ich nicht bei dem ersten groesseren Problem schon die Flucht ergriffen.
Ich glaube, dass es viel Geduld und Verstaendnis braucht, um die verschiedenen Vorstellungen von Ehe und Traditionen unter einen Hut zu bringen - und selbigen Hut ab vor denen, die es geschafft haben!!!
LG Bille
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