@Viginia, und alle, die zu Erkundung der sonderbar schwermütigen Seele des arabischen, männlichen Wesens etwas beisteuern möchten:

Also "Der T", den ich so im Laufe der Jahre kennen gelernt habe ist in der Regel sehr klug, er hat eine geradezu philosophische Betrachtungsweise an das Leben. Er kennt so viele kluge Sprüche und Parabeln zu allen Lebenssituationen; er ist kaum 30 , aber ich lese ihm seine Weisheiten von den Lippen ab. Er weiß auch, dass man alles im Leben erreicht, wenn man nur will. Und zitiert mir Sprüche, die sich allesamt sehr überzeugend anhören, (solange man sie nicht auf ihre Relativität prüft) die er von seinen Großeltern, und anderen weisen, bärtigen Männern kennt, oder aus dem Koran, oder, wenn ihm nichts mehr einfällt, dann beruft er sich auf den Allwissenden, auf Allah. Denn er ist ein Mann, und er ist stark und Probleme mache nur ich und sehe nicht, dass diese mit Gottes Hilfe überwindbar sind.

Dies alles wird dann instrumentalisiert, wenn ich für mein Handeln Grenzen setze und ihm diese auch erkläre. All diese Weisheiten setzt er ein, wenn ich -wie ich meine - meinen gesunden , erfahrenen Menschenverstand argumentativ ( und natürlich für ihn äußerst lästig und nicht nachvollziehbar) einsetze.

Dann gibt es noch die 2 Variante: die des Pessimisten. Diese Variante offenbart er dann, wenn er selbst zum Subjekt meiner kritisch-konstruktiven Betrachtung wird, wenn ich sein Verhalten , Lebens- und Berufpläne unter die Lupe nehme. Dann beruft er sich auf all die gleichen Wissensquellen, die ich schon oben erwähnt habe, nur ….. alles ist duster, schwarz, chancen- und hoffnungslos. Denn er ist ein Pechvogel, und - was auch sonst - Allah hat es so bestimmt.

Oft ist er völlig energielos; wozu auch, er hat sowieso nie Glück. Zum Beispiel seine Freude über meinen Besuch ist in der Regel nur kurz, denn schon in der 2. Woche leidet er , dass ich in 10 Tagen weg fahre. Arbeiten kann er auch nie so richtig, denn entweder kann er das vor lauter Glück oder vor lauter Unglück (wegen der Trennung) nicht. Und wenn sein Kopf und Herz voll meiner sind, kann er sich ja auf gar nichts mehr konzentrieren.
Wie auch immer, diese Eigenschaften sind echt (ich meine, er glaubt daran, was er sagt); ich glaube, die werden gelebt, übertragen, abgeguckt, vielleicht sind sie sogar ansteckend wie Grippe (aber nur nationalspezifisch), wie auch immer. Ich weis auch inzwischen, die sind authentisch, verinnerlicht von vielen, so als ´Tunesischer Lebensstil'. Dabei habe ich oft das Gefühl, dass die positiven Energien, die Lebensfreude ebenso stark ist; nur , würde er sich jedoch darauf einlassen, diese konsequent zu leben, dann läuft er die Gefahr, für sich Verantwortung tragen zu müssen. Und dann wird es schwierig, denn in der Regel sind alle Anderen verantwortlich, und wenn keiner mehr da ist, dem man die Verantwortung in die Schuhe schiebt, ist es halt Gottes Willen.

Meine Haltung dazu? Es amüsiert mich nur noch. Und keine noch so große Liebe würde mich dazu bringen, sich auf das Abenteuer Zusammenleben mit jemanden einzulassen, der unter einem so unglücklichen "Stern" geboren ist, auch wenn meine Entscheidung mir selbst richtig weh tut. Denn die Botschaft höre ich wohl, aber mir fehlt der Glaube.
VG Cosima