Ich kann dem, was Thomas sagt, auch nur zustimmen. Dies ist aber kein typisch arabisches Problem. Das gleiche spielt sich in vielen Ländern der Dritten Welt ab. Ich habe in meinen jungen Jahren mal als Entwicklungshelferin in Haiti gearbeitet und auch dort versuchte jede einheimische Frau sich einen Ausländer zu "angeln" oder wenigstens ein Kind von ihm zu bekommen. Das Kind hatte dann nämlich eine "café au lait-Hautfarbe" und war so auf dem sozialen Treppchen für spätere Heiratszwecke ein paar Stufen höher! Denn Mulatten gelten als reich. Was sich in den Hotels in der Dominikanischen Republik abspielt, kommt dem was sich in Tunesien abspielt gleich... Nur die DomRep ist zu teuer um ständig hinzufliegen.
Wir übertragen leider immer unsere Wertvorstellungen auf andere Kulturen, andere Männer in diesem Fall. Wir (die meisten jedenfalls) heiraten aus Liebe und gehen davon aus, dass der Partner dies auch tut.
Dass viele Tunesier oder Marrokaner NIE zugeben würden, dass sie unbedingt nach Europa möchten, ist menschlich und somit auch verständlich. Wer gibt schon so was zu?? Und das wollen wir ja auch nicht hören, sondern wir möchten hören, dass wir einzigartig sind, noch supertoll mit unseren 35 Jahren aussehen, etc.. und diese Komplimente kommen dann auch auf eine ganz besondere Art und Weise, so wie wir sie gerne hören. Keine plumpe Anmache, sondern ganz raffiniert.
Dass die Familie mitspielt, ist in unseren Augen auch schrecklich und unvorstellbar, dem ist aber auch oft so, denn sie erhoffen sich alle ein Stück vom großen Kuchen. Derjenige der die soziale Leiter hochklettert, sollte oder muß halt alle anderen mitziehen.
Und wenn der verheiratete Tunesier dann auf Heimreise kommt, möchte er natürlich zeigen, dass er es in Europa geschafft hat und das tut er dann auch mit allen Mitteln die ihm zur Verfügung stehen. Er nimmt für diese Zwecke oft sogar einen Kredit auf! Zuzugeben, dass er es nicht geschafft hat, wäre purer Gesichtsverlust. Und somit gibt er wiederum vielen anderen den Anreiz es auch zu probieren und diese denken dann : "So schwer kann das doch alles nicht sein".
Dass viele der hier in D verheirateten Tunesier am Anfang extrem leiden (Sprachschwierigkeiten, arbeitslos, Frau geht arbeiten, kein soziales Umfeld mehr, keine Anerkennung, usw.), das werden sie in Tunesien verschweigen... Man(n) will ja schließlich nicht als "looser" dastehen!
Dass doch leider oft ausschließlich wirtschaftliche Gründe dahinter stecken, ist in unseren Augen halt unvorstellbar und somit auch schwer zu akzeptieren. Doch oft macht eben der Anreiz unserer Konsumwelt vor diesem tiefen Gefühl wie Liebe keinen Halt.

Betty