Gonorrhoe, Tripper
Zusammenfassung - Definition/Allgemeines - Ursachen - Inkubationszeit - Häufigkeit - Beschwerden - Diagnose - Therapie - Komplikationen - Sterblichkeit - Vorbeugende Maßnahmen - Prognose - Rechtliches
Zusammenfassung
Die Gonorrhoe ist die weltweit häufigste Geschlechtskrankheit, also eine sexuell übertragbare Erkrankung, im englischen "sexually transmitted disease" (STD). Sie wird durch Bakterien hervorgerufen. Eine wirksame Vorbeugung der Erkrankung besteht in der Verwendung von Kondomen.
Infizierte Mütter können die Erkrankung während der Geburt auf ihre Kinder übertragen, die dann an der Gonoblennorrhoe, einer eitrigen Bindehautentzündung, erkranken. Zur Vorbeugung erhalten Neugeborene heute die Crédesche Prophylaxe. Beim Erwachsenen verursacht die Gonorrhoe hauptsächlich Beschwerden an den Geschlechtsorganen. Aber durch die geänderten Sexualpraktiken treten zunehmend auch Infektionen im Analbereich und im Mund-Rachenbereich auf. Die Diagnose wird durch den Nachweis des Erregers gestellt. Die Therapie besteht in der Gabe von Antibiotika. Im Gegensatz zu einigen anderen Infektionskrankheiten, die eine lebenslange Immunität hinterlassen, kann man mehrmals an einer Gonorrhoe erkranken.
Definition/Allgemeines
Die Gonorrhoe ist eine durch Bakterien hervorgerufene Geschlechtskrankheit. Neben der Bezeichnung Gonorrhoe, die aus dem Griechischen stammt und "Samenfluss" bedeutet, ist die Bezeichnung Tripper gebräuchlich, die von dem niederdeutschen drippen = tropfen abgeleitet ist. Beide Bezeichnungen deuten auf charakteristische Symptome hin.
Die Gonorrhoe ist bereits seit Jahrhunderten, wenn nicht sogar seit Jahrtausenden, bekannt. Vor der Entwicklung der Antibiotika, also vor 1929, stellte sie ein sehr ernst zu nehmendes gesundheitliches Risiko dar, und zwar besonders für Frauen. Viele Männer infizierten sich bei Prostituierten mit der Gonorrhoe und gaben die Infektion, oft genug unbemerkt, an ihre Ehefrauen weiter. Dies geschah besonders oft in den Flitterwochen, woher auch die Bezeichnung der Honey-Moon-Disease stammt. Für die Frauen bedeutete dies ein doppeltes Risiko. Zum einen bestand die Gefahr einer dauerhaften Unfruchtbarkeit, zum anderen die Gefahr, die Infektion bei der Geburt auf das Kind zu übertragen, was dann zum Krankheitsbild der Gonoblennorrhoe, einer eitrigen Bindehautentzündung des Neugeborenen führt.
Diese Problematik hat sich in Ländern mit einer mangelhaften medizinischen Versorgung auch heute noch nicht wesentlich gewandelt. Die Gonorrhoe gewinnt aber auch in den Industrienationen wieder an Bedeutung, da zunehmend Resistenzen der Erreger gegen bestimmte Antibiotika auftreten.
Ursachen
Der Erreger der Gonorrhoe ist Neisseria gonorrhoeae. Die Bezeichnung geht auf den deutschen Dermatologen Albert Neisser (1855-1916) zurück, welcher das Bakterium 1879 entdeckt hatte. Man spricht jedoch auch häufig kurz von Gonokokken. Es handelt sich um gramnegative Bakterien, die bevorzugt paarweise nebeneinander liegen. Man bezeichnet sie dann als Diplokokken. Unter dem Mikroskop bieten sie ein kaffeebohnen- bzw. semmelförmiges Bild. Die Erreger besiedeln Schleimhäute, bevorzugt des Uro-Genital-Traktes sowie bei Neugeborenen von infizierten Müttern die Bindehaut des Auges. Außerhalb des menschlichen Körpers sind die Erreger nicht überlebensfähig, da sie insbesondere gegenüber Kälte und Sauerstoff empfindlich sind. Deswegen ist eine Ansteckung z.B. auf öffentlichen Toiletten sehr unwahrscheinlich.
Die Übertragung erfolgt durch ungeschützten Geschlechtsverkehr und andere Sexualpraktiken, wie Anal-oder Mundverkehr sowie während der Geburt eines Kindes einer infizierten Mutter.
Inkubationszeit
Die Inkubationszeit beträgt zwischen 2 und 5 Tagen.
Häufigkeit
Die Gonorrhoe ist weltweit verbreitet und die häufigste Geschlechtskrankheit überhaupt. Man geht von bis zu 25 Millionen Neuerkrankungen pro Jahr aus. Beide Geschlechter erkranken in gleicher Häufigkeit und zwar bevorzugt im jüngeren Erwachsenenalter. Personen mit häufig wechselnden Geschlechtspartnern haben ein erhöhtes Erkrankungsrisiko.
Beschwerden
Hinsichtlich der Symptome muss zwischen den beiden Geschlechtern unterschieden werden. Eine Unterteilung in akute sowie chronische Infektionen ist ebenfalls möglich, chronische Infektionen treten jedoch bevorzugt bei Frauen auf. Die Gonoblennorrhoe, also die Bindehautentzündung des Neugeborenen stellt ein eigenes Krankheitsbild dar und wird ebenfalls kurz erläutert. Beiden Geschlechtern gleich sind jedoch Infektionen im Mund-Rachenbereich, sowie, wenn auch häufiger bei Männern, im Analbereich. Derartige Infektionsorte sind auf Grund von geänderten Sexualpraktiken zunehmend häufiger betroffen. Die Symptome an diesen Infektionsorten sind oft sehr unspezifisch und wenig auffallend, meist besteht nur eine leichte Entzündung und Rötung, so dass sie oft erst sehr spät diagnostiziert werden. Daher ist die Gefahr der Weiterverbreitung hier relativ hoch.
Gonorrhoe des Mannes
Bereits 1 bis 3 Tage nach der Ansteckung kommt es zu einer Rötung und Schwellung der Harnröhrenmündung mit Brennen beim Wasserlassen sowie einem anfangs wässrigen, später schleimig-eitrigen Ausfluss. Unbehandelt kann sich die Infektion weiter ausbreiten. Nach 2 - 3 Wochen bemerkt der Patient dann dumpfe Schmerzen am Damm sowie in der Blasengegend als Zeichen einer Beteiligung der Prostata. Greift die Entzündung auf den Nebenhoden über, kommt es zu einer Rötung, Schwellung sowie Druckschmerzhaftigkeit des Nebenhodens bzw. Hodens bei allgemeinen Krankheitsgefühl sowie Fieber. Es besteht die Gefahr einer späteren Unfruchtbarkeit.
Gonorrhoe der Frau
Bei der Frau verläuft die Gonorrhoe häufig wesentlich milder als beim Mann und wird daher oft gar nicht bemerkt und dementsprechend auch nicht behandelt. Die Folge davon ist dann eine chronische Gonorrhoe. Wenn Beschwerden auftreten sind dies meist Schmerzen beim Wasserlassen und ein häufiger Harndrang als Zeichen einer Entzündung von Harnröhre und -blase sowie ein wässriger Ausfluss infolge einer Entzündung des Gebärmutterhalses. Während der Menstruation besteht die Gefahr eines Übergriffes der Infektion auf die Gebärmutter, die Eileiter sowie die Eierstöcke, was zu einer bleibenden Sterilität führen kann.
Die Infektion kann auch auf die Schleimhaut des Rektum, also des Enddarmes, sowie auf die Bartholinischen Drüsen mit der Gefahr einer Abszessbildung übergreifen.
Bei beiden Geschlechtern besteht die Möglichkeit der Ausbreitung der Erreger mit dem Blut, die allerdings sehr selten ist. Die Folge davon können sein:
Gelenkentzündung mit Befall der Sehnenscheiden
Entzündung von Bindehaut und Regenbogenhaut des Auges
Entzündungen von Herzinnenhaut und Herzbeutel
Entzündung der Haut mit Bildung von schmerzhaften Pusteln.
Gonoblennorrhoe
Unter der Gonoblennorrhoe versteht man eine eitrige Bindehautentzündung bei Neugeborenen infolge einer Infektion des Kindes bei seiner erkrankten Mutter während der Geburt. Die Inkubationszeit beträgt 2 - 4 Tage. Infolge der Bindehautentzündung kann es zur Bildung von Geschwüren und deren Übergriff auf die Hornhaut mit der Gefahr der Erblindung kommen. Vor Einführung der Crédeschen Prophylaxe war die Gonoblennorrhoe die häufigste Ursache einer Erblindung im Kindesalter. Die Crédeschen Prophylaxe geht auf den deutschen Gynäkologen K. Créde (1819-1892) zurück und ist heute gesetzlich vorgeschrieben. Sie besteht im Einträufeln von 1%iger Silbernitratlösung in jedes Auge. Eine Abwandlung der Methode besteht in der Verwendung öliger Penicillin-Lösungen. Bei Elternuneinverständnis und Vorliegen eines negativen Vaginalabstriches der Mutter kann auf die Prophylaxe verzichtet werden.
Diagnose
Die Diagnose wird durch den Nachweis der Erreger gestellt. Dazu können Abstriche der betroffenen Regionen, z.B. der Harnröhre oder des Gebärmutterhalses, nach einer Gramfärbung sofort unter dem Mikroskop betrachtet werden. Die Treffsicherheit dieser Abstriche liegt allerdings leider nur bei ca. 50%. Außerdem gibt es Pseudogonokokken, das sind bestimmte Myxobakterien, die unter dem Mikroskop nicht von Gonokokken zu unterscheiden sind. Das sicherste Nachweisverfahren ist die Anzucht der Erreger mit speziellen Transport- und Selektivmedien mit dem Nachweis spezifischer bakterieller Enzyme.
Für eine wirksame Therapie sollte wegen der zunehmenden Resistenzen der Erreger gegen verschiedene Antibiotika immer auch Sensibilitätstests durchgeführt werden.
Therapie
Die Behandlung der Gonorrhoe erfolgt mit Antibiotika. Früher war Penicillin das Mittel der Wahl. Heute existieren, insbesondere in Afrika und Asien, gegenüber Penicillin resistente Gonokokken. Ein Mittel der Wahl ist die einmalige Gabe einer Tablette von 500 mg des Wirkstoffs Ciprofloxacin, das von der Fa. Bayer unter dem Handelsnahmen Ciprobay® vertrieben wird. Ansonsten ist eine einmalige Injektion der Cephalosporine, wie z.B. Ceftriaxon oder Cefotaxim möglich. Als weiteres Mittel kann das Spectinomycin als ebenfalls einmalige Gabe verwendet werden. Da eine Gonorrhoe häufig mit einer Chlamydieninfektion verbunden ist, wird häufig ohne weitere Abklärung Doxycyclin verabreicht. Bei einer komplizierten Gonorrhoe, mit einer Beteiligung innerer Geschlechtsorgane, werden die oben genannten Cephalosporine, bei einer täglichen Gabe, insgesamt über einen Zeitraum von ca. 10 Tagen verabreicht. Ein Sensibilitätstest der Erreger gegenüber Antibiotika sollte in jedem Fall durchgeführt werden. In der Regel sind die Erreger bereits nach der einmaligen Gabe von Antibiotika abgestorben und nicht mehr nachweisbar. Aber dennoch muss darauf geachtet werden, einen möglicherweise zu frühen Abbruch der Therapie, nicht zuletzt wegen der Gefahr derEntstehung von Resistenzen, zu vermeiden.
Komplikationen
Die schwerwiegendste Komplikation, eine dauerhafte Sterilität, also Unfruchtbarkeit, entsteht bei der chronischen Gonorrhoe und zwar bei beiden Geschlechtern.
Bei Neugeborenen kann es ohne die Credésche Prophylaxe zur Erblindung des Kindes kommen.
Sterblichkeit
Die Gonorrhoe verläuft im allgemeinen nicht tödlich.
Vorbeugende Maßnahmen
Vorbeugende Maßnahmen bestehen in einer Vermeidung der Infektion. Da es sich um eine sexuell übertragbare Erkrankung, im englischen "sexually transmitted disease" (STD), handelt, besteht eine wirksame Vorbeugung in der Verwendung von Kondomen. Im Gegensatz zu einigen anderen Infektionskrankheiten, die eine lebenslange Immunität hinterlassen, kann man trotz einmal durchgemachter Gonorrhoe immer wieder an einer Gonorrhoe erkranken.
Auf die Vorbeugung einer Gonoblennorrhoe des Neugeborenen, die Crédesche Prophylaxe, wurde bereits hingewiesen.
Prognose
Bei frühzeitiger Diagnose und wirksamer Therapie ist die Prognose bei dieser Erkrankung sehr gut.
Rechtliches
Nach dem neuen Infektionsschutzgesetz vom 1.Januar 2001 ist diese Erkrankung sowie der Nachweis des Erregers nicht mehr meldepflichtig.