Das meine Aussage nicht so falsch war zeigt dieses hier:
"... Es gab aber viele Menschen, die Schwiergkeiten mit dem System hatten. In der
DDR hatten die Leute nicht viel Geld. ... Auslandreisen waren fast unmöglich. ... "
http://www.sky.mi.it/ittpasoliniweb/Stage_5Dt/Geschichte2.htm oder:
von SVEN FELIX KELLERHOFF
Die Ferne lockt - die Deutschen strömen
Der rasante Weg von der Reisewelle zum Reiseweltrekord / Ein Rückblick auf fünfzig Jahre Tourismus
Unbestritten sind die Deutschen Reiseweltmeister. Kein Volk der Erde gibt pro Kopf mehr für Urlaub im Ausland aus, insgesamt über 50 Milliarden Mark im letzten Jahr. Und kein Land ist bei seinen Einwohnern als Ferienziel unbeliebter als Deutschland: Laut Statistik erholen sich zwei Drittel aller Deutschen pro Jahr mindestens einmal jenseits der Bundesrepublik. Nicht einmal die Rezession der letzten Jahre hat diese Reiselust gebremst: Allsommerlich vermelden Touristikunternehmen und Reisebüros neue Umsatzrekorde. Die Ferne lockt, und vor allem Deutsche strömen. Urlaub im Ausland ist kein Privileg. Im Gegenteil: ein Massenphänomen. Und das schon seit einem halben Jahrhundert.
Im Anfang war die Reisewelle. Kaum erwachte Ende der vierziger Jahre das zerbombte, besetzte und sehr bald geteilte Land wieder zum Leben, gingen viele Deutsche bereits auf große Fahrt. Der Zweite Weltkrieg lag gerade fünf Jahre zurück, in Westdeutschlands Innenstädten ragten noch allerorten die Ruinen empor ö da rollten schon Reisezüge gen Süden. Ihr Ziel: die heile Welt in den bayerischen Alpen, besonders das Bergdorf Ruhpolding. Ein findiger Reisekaufmann namens Carl Degener hatte schon zwanzig Jahre zuvor Pauschalreisen in den Ort angeboten, doch erst im beginnenden Wirtschaftswunder setzte sich seine Idee durch. In nur sechs Jahren verfünffachte sich die Zahl der Touristen in Ruhpolding; 1955 waren es über 34 000 Gäste, die auf dem Bahnsteig des Kurorts von der einheimischen Blaskapelle stets freundlich begrüßt wurden, wie Ferienbilder zeigen. Bequem war die Reise damals allerdings kaum: Manchmal brauchte der Zug von Hamburg in die Alpen sechsundzwanzig Stunden ö da halfen auch die Hängematten wenig, die 1953 testweise in den Waggons der Bundesbahn aufgehängt wurden.
Von Reisen ins Ausland träumten die meisten Deutschen in den ersten Jahren der Bundesrepublik nur. Denn noch waren sie in vielen Nachbarstaaten unerwünscht; dort wirkten die Schrecken der überstandenen Okkupation durch Hitlers Wehrmacht nach. Wer die Grenzen in Europa passsieren wollte, brauchte nicht nur Transit- und Einreisevisum, sondern mußte sogar alle Devisen einzeln im Paß eintragen lasssen. Tief saß eben das Mißtrauen gegenüber den Verlierern des Kriegs, die sich so rasch erholten. Als erstes Land erleichterte Italien das Reisen für Bundesbürger ö nämlich zu Pilgerfahrten in den Vatikan. Doch schon bald folgten Urlauber den frommen Gästen; immerhin war zu dieser Zeit ³wildes Campen" an Landstraßen noch erlaubt. Und deshalb ergoß sich sommers eine Welle von VW-Käfern und Goggomobilen, Zündapps und Motorrollern über die Alpen in die Länder rund ums Mittelmeer. Besonders die Adriastrände zogen die Besucher aus dem Norden an ö bald machte der Spott vom ³Teutonengrill" um Rimini die Runde.
Mallorca stand Mitte der 50er Jahre noch selten auf dem Wunschzettel deutscher Urlauber. Denn komfortabel ist die Insel nur per Flugzeug zu erreichen. 1956 flog erstmals eine Linienmaschine von Frankfurt nach Palma ö mit gerade 30 Gästen an Bord. Sechs Jahre später landeten die ersten Charter-Flüge auf Mallorca; der Massenansturm auf die Insel begann. Kein Zufall, daß der erste reguläre Flug eines deutschen Jumbo-Jets 1971 ebenfalls auf die Sonneninsel führte. Und der Run hält an: In den letzten zwanzig Jahren hat sich die Zahl der deutschen Mallorca-Urlauber verdoppelt, längst nennt man die Insel sarkastisch das ³südlichste Bundesland".Doch inzwischen schweifen Deutsche weiter als ins westliche Mittelmeer ö und das, natürlich, in Massen. In den siebziger Jahren etablierte sich die Safari-Tour durch Afrika ö inzwischen auch als ³grüne Version", dem Zeitgeist folgend. Und selbst der ³sanfte Tourismus", eine Idee der achtziger Jahre, wird heute von Reiseveranstaltern pauschal angeboten.
Seit 1990 ist auch der deutsche Tourismus vereinigt. Und die neuen Bundesbürger holten erst einmal das nach, was ihnen Mauer und Kalter Krieg vierzig Jahre lang verwehrt hatten ö die zweite Reisewelle brach los. Dabei waren die Ostdeutschen schon zu DDR-Zeiten kaum weniger reisefreudig. Nur reglementierte der Arbeiter- und Bauernstaat die Ferienplätze eben und gewährte Urlaub im sozialistischen Ausland entsprechend dem ³gesellschaftlichen Engagement" für Staat und Partei. Vor hundert Jahren notierte Theodor Fontane: ³Viele Menschen betrachten elf Monate des Jahres nur als Vorbereitung auf den zwölften, nur als Leiter, die auf die Höhe des Daseins führt." Damals fuhr jeder vierzehnte Deutsche in Urlaub. Heute sind es neun von zehn.
http://www.berliner-journalisten-schule.de/depesche1997/reisew.htm