Hallo Chiara,

auch ich bin mit einem Tunesier verheiratet. Wir haben uns vor 3 Jahren hier in -D- kennengelernt und leben auch hier. Geheiratet haben wir vor 1 1/2 Jahren. Bis jetzt habe ich nur positive Erfahrungen gemacht und diesen Schritt nie bereut. Die Anfangszeit war sehr anstrengend, weil mein Mann ein halbes Jahr nach dem wir uns kennengelernt haben, nach Tunesien zurück mußte (er hatte ein Weiterbildungs-Stipendium für 1 Jahr und wollte danach wieder in seinem Beruf arbeiten). Da es für mich klar war (kaum französisch, kein Wort Arabisch, hier guter Job, dort keine berufliche Perspektive) nicht nach Tunesien zu gehen, kam er nach 3 Monaten nach Deutschland. Das schlimmste für mich waren die Behörden. Da der Beruf meines Mannes hier in -D- Land sehr gefragt ist, hatte er auch recht schnell beruflich Fuß gefaßt. Das hätte aber nicht funktioniert, wenn wir nicht geheiratet hätten. D.h. ohne Ehe 0,0 Chance eine Arbeitsgenehmigung zu bekommen. Selbst wenn die Firma die Behörden auf Knien anfleht und nachweist, daß sich kein Deutscher bzw. EU-Ausländer für die Stelle findet gibt es keine Arbeitgenehmigung. Jedenfalls haben wir die Erfahrung gemacht. Dadurch, daß er hier sehr schnell seinen Platz und Anerkennung gefunden hat, lief es recht unproblematisch. Wir hatten allerdings letzten Herbst ein Erlebnis, wonach mein Mann am liebsten sofort seine Koffer gepackt hätte und zurück nach Tunesien gegangen wäre: Samstag Abend klingelt es und zwei Polizisten stehen vor der Tür. Ich hatte sofort die Panik, daß jemand aus meiner Familie etwas zugestoßen ist und bin vor Schreck fast umgekippt. Nach dem die beiden dann im Wohnzimmer standen und die Papiere meines Mannes sehen wollten, meinten sie peinlich berührt, ihre Aufgabe sei es zu prüfen ob wir auch "wirklich eine Ehe führen", sprich ob sich da nicht eine Nordafrikaner das deutsche Aufenthaltsrecht per Trauschein erkauft hat. Sie haben sich dann dafür entschuldigt, aber daß sei nun mal ihre Anweisung gewesen, wünschten einen schönen Abend und sind wieder abgezogen. Worauf mein Mann getobt hat (ich habe ihn davor und auch danach immer als sanften und sehr geduldigen Menschen kennengelernt). Hintergrund: Am örtlichen Einwohnermeldeamt hatte man uns geraten schon nach einem Jahr die unbeschränkte Aufenthaltsgenehmigung zu beantragen, da doch alles erfüllt sei. Das haben dann die Kollegen von der Ausländerbehörde in den falschen Hals gekriegt und gemeint sich wichtig machen zu müssen.

Ich wünsche keinem ähnliche Schwierigkeiten. Aber man muß sich im klaren sein, daß, neben den von Haus aus kulturellen Unterschieden, genügend Zündstoff da ist, der eine Beziehung ganz schön belasten kann.

Regine
(bitte nicht verwechseln mit der anderen Regine, die hier schon für Zündstoff gesorgt hat