Hallo zusammen

Meinen Mann habe ich vor 4,5 Jahren in der Schweiz kennengelernt, als er bei seinem Cousin im Urlaub war. Erst war es für mich einfach ne nette Bekanntschaft, doch als er zurück nach Tunesien musste, vermisste ich ihn dann arg. Zwei Monate später flog ich dann das Erstemal nach Tunesien, um seine Familie, sein Land und alles was so dazu gehört, kennen zu lernen. Ich verbrachte zwei wundervolle Wochen dort und als ich wieder in der Schweiz zurück war, kam die grosse Sehnsucht um so stärker. Es folgten tägliche Telefonate, (ja Gabi, ich kann Dir sehr gut nachfühlen, darf nicht sagen was mich das an Geld gekostet hat), dann flog ich zwei Monate später nochmals nach Tunesien, und schon bald stand fest, dass wir heiraten würden. Klar überlegte ich auch lange hin und her, ich hatte viele Bedenken, ob es auch gut gehen wird oder nicht. Doch seien wir mal ehrlich, die wenigsten können sich während den paar Wochen im Urlaub wirklich kennenlernen, um dann entscheiden zu können, heiraten wir oder nicht. Ich für mich ganz persönlich entschied: Augen zu und durch. Entweder es geht gut oder es geht schlecht. Eine Garantie hat man eh niemals im Leben. Wir heirateten im September 97 in Zürich. Lange diskutierten wir darüber, ob wir in der Schweiz oder in Tunesien leben sollten. Mein Mann hätte eigentlich eine gute "Absicherung" in Tunesien gehabt, da er als ältester Sohn vorgesehen war, das Baugeschäft seines Vaters zu übernehmen. Doch auch mir erging es so, wie vielen, ich konnte mir ein definitives Leben in Tunesien nicht vorstellen. Zuviele "negative" Dinge waren da, die ich nicht eingehen wollte. Z.b. ist die finanzielle Absicherung sehr sehr wage. Es gibt keine Arbeitslosengelder, keine Kindergelder, die Versicherungen sind ein Thema für sich etc. Somit kam mein Mann zu mir in die Schweiz und begann hier auf der "untersten Schublade" zu arbeiten. Trotz seines Studiums hatte er keine Chancen einen guten Job zu erhalten. Er arbeitet sich jedoch "hoch", beklagte sich nicht ein einzigesmal über die miesen Arbeiten, die er anfänglich ausführen musste, und war stets darum bemüht, vorwärts zu kommen. Heute hat er einen guten Job, macht nebenbei ein Informatikstudium (da er auch mittlerweilen die deutsche Sprache spricht) und ist zufrieden. Das erste Jahr war hart, er musste sich erst hier angewöhnen, hatte keine Familie, keine Freunde, fühlte sich nutzlos und von mir abhängig. Doch gemeinsam haben wir stets dafür gesorgt, dass wir es auf einen zukünftig guten Weg schaffen. Wir sind wirklich sehr glücklich und froh darüber, dass wir nie aufgegeben haben, weiter zu kämpfen. Einfach ist es gewiss nicht, für beide nicht. Oftmals waren Verzweiflung, Ärger, Angst und Tränen unsere Begleiter. Doch dies alles gehört nun der "Vergangenheit" an. Es hat sich gelohnt.
Ich wünsche allen von Herzen, dass auch sie den richtigen Weg für beide finden mögen.
Liebe Grüsse
Kira