Hallo,
bevor das Thema zerlabert wird, möchte ich doch noch einige Anmerkungen machen.
Binationale Ehe haben die höchste Scheidungsrate in Deutschland und das hat diverse Gründe. Einige davon sind: man heiratet eigentlich viel zu früh, oft ohne den Partner richtig zu kennen, weil unsere deutschen Gesetze uns gar keine andere Wahl lassen; die jeweilige Entwicklung ist von den verschiedenen Kulturen geprägt und das klafft in vielen Fällen weit auseinander - man merkt oft erst mit der Konfrontation mit der anderen Kultur, wie sehr man doch im Wertesystem der eigenen Kultur festhängt; unterschiedliches Rollenverständnis, bedingt durch die verschiedene Erziehung; sprachliche Mißverständnisse usw. Nach der ersten Verliebtheit verflüchtigt sich der Reiz des Fremden im Alltag und Dinge, die man am Anfang als Reiz, weil fremd und neu, gesehen hat, gehen einem ziemlich schnell auf die Nerven.
Albert Memmi hat einmal in einem Interview mit Regina Keil gesagt, daß er "binationalen Ehen nur dann eine Chance gibt, wenn die Partner hohe Bildung und Toleranz mitbringen. Es genügt nicht, wenn sie auf der rationalen Ebene vorhanden ist, sie muss sich bis in die tiefsten Herzensregionen ausbreiten." In dem gleichen Interview nahm er auch zu dem Mann/Frau-Problem Stellung: "der Mann als Mann und die Frau als Frau sind einander relativ fremd...Sie sind sich fremd durch ihren Körperbau - das kann man wohl behaupten, ohne sexistisch zu sein. Sie unterscheiden sich also vom Körperbau, und auch psychisch sind sie relativ verschieden, die Frauen z.B. zum Beispiel sind viel gefühlvoller, der Bezug zum Kind ist ein anderer, und wenn es nur deshalb wäre, weil das Kind nun einmal aus dem Bauch der Frau und nicht aus dem des Mannes herauskommt. Kommen wir jetzt auf unsere Frage zurück, und es wird sich zeigen, daß der historische Ansatz durchaus haltbar ist: Wenn nämlich die soziale und die historische Distanz diesen beiden Fremden, die von Natur aus schon Fremde sind, allzu groß wird, na, dann ist es doch ganz klar, daß die Fremdheit noch größer werden wird. Wenn eine Katholikin aus dem Norden, mit blauen Augen wie im Roman, einen Katholiken aus Südfrankreich heiratet, dann hat sie schon ein Problem, wenn sie aber nun einen Araber und einen Juden, also einen jüdischen Araber beziehungsweise einen arabischen Juden heiratet, dann hat sie damit ungleich mehr Probleme, zumal wenn sie noch an ihrer Religion festhält....." (Läßt sich meiner Meinung nach ohne Weiteres auf islamische Araber übertragen).
Anna