@steif, du klingst ziemlich traurig und verbittert heute.
Vieles in deinem Beitrag kommt mir sehr bekannt vor. Dieser Respekt vor den Eltern ist etwas was hier in D oft fehlt. Ich habe das in TN gelernt wie wichtig das ist und ich bin übrigens sehr froh dass ich von den Eltern voll und ganz akzeptiert werde und als weitere Tochter aufgenommen wurde.
Als ich das mit dem Ehering vor die Füße werfen gelesen habe musste ich schmunzeln. Das ist etwas das mich oft stört. Diese Wegwerfmentalität. Ist ein Gegenstand kaputt dann kauf ich eben einen neuen und macht mein Mann nicht das was ich erwarte dann such ich mir eben einen neuen. Kann ich nicht nachvollziehen. Ich habe bisher in meinem Leben alles schwer erarbeiten müssen und ich habe auch um meine Ehe lange gekämpft. Leider ist es aber wirklich so, dass das zu leichtfertig gehandhabt wird. Ich glaube da sind unsere Medien nicht ganz unschuldig dran.
Das mit dem genetisch bedingt war übrigens ich. Ich kann dir auch erklären wie ich darauf komme. Meine Kinder legen teilweise eher arabische Eigenarten an den Tag als ihr Vater oder ihr Großvater. Sonst haben sie aber mit niemandem Kontakt. Ich könnte auch gar kein genaues Beispiel nennen, sie sind einfach manchmal ziemlich undeutsch.
Zwei Kulturen so zu vereinen dass sie sich ergänzen ist schwierig, denn oft widersprechen sie sich ja in vielen Dingen. Ich denke man sollte versuchen einen Kompromiss zu finden der keine der beiden Kulturen unterdrückt, selbst das ist schon schwer genug.
Natürlich gibt es für das Gelingen einer Bi-Ehe kein Patentrezept. Das wäre viel zu einfach und wie ich finde auch langweilig. Falls beide Partner bereit sind auf den anderen einzugehen und sich gehen zu lassen damit die andere Kultur ihn vielleicht auffangen kann, dann ist das doch schon ein Anfang.
Ich kann für mich sagen, ich habe mittlerweile viel von der tunesischen Kultur gelernt und komme bisher damit in D ganz gut klar. Ich sehe aber auch die Probleme die mein Freund hier haben wird. Wie du schon geschrieben hast, ist es doch dort sehr wichtig mit Freunden im Café zu sitzen und Neuigkeiten auszutauschen oder der Rückhalt der Familie, womit ich nicht nur Eltern und Geschwister meine. Ich weiß dass ihm das alles sehr fehlen wird und bin mir eigentlich sicher, dass ihn das Heimweh schnell überfällt. Trotzdem bin ich der Ansicht wenn er es wirklich ausprobieren möchte hier zu leben dann soll er es tun. Er muß es selber erleben. Wer weiß vielleicht täusche ich mich ja auch und es gefällt ihm hier sehr gut. Ich bin auf jeden Fall bereit jederzeit mit ihm in sein Land zu gehen. Die Umstellung ist für mich doch wesentlich einfacher, denn ich muß nicht auf so viele wichte Sachen verzichten. natürlich wird es dann auch für mich nicht immer leicht, aber man muß für sein Glück kämpfen.
Steif, könntest du dich jetzt eindeutig für ein Land entscheiden und sagen "da bin ich glücklich"? Ich denke wir müssen überall Abstriche machen und herausfinden wo unsere Prioritäten sitzen. Dem einen ist es wichtiger viel Geld und Arbeit zu haben und dem anderen ist es wichtiger eine Familie und Freunde zu haben und Zeit mit denen zu verbringen.
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