Es ist ein sehr interessantes Thema aber so facettenreich und breitgefaechert, dass man fuer das Gelingen einer bi-Ehe einfach kein Erfolgsrezept vorweisen kann, denn es zaehlt dabei nicht nur die Liebe, obwohl sie die wichtigste Voraussetzung ist, sondern auch eine Unzahl von anderen Faktoren, die darueber
entscheiden ob eine Ehe fuer beide Partner harmonisch verlaeuft und als gelungen zu bezeichnen ist. Darunter die Faehigkeit und zugleich die Bereitschaft beide Kulturen nicht in ein Gegensatz- sodern Ergaenzungsverhaeltnis zueinander zu bringen, was nicht immer gegeben ist, denn es ist fuer beide manchmal sehr
schwer gewisse Denk- und Verhaltensweisen zu nachvollziehen. Auf der einen Seite der ausgepraegte Anthropozentrismus dh. die Konzentration des Menschen auf sich selbst , auf der anderen Seite die rein sachliche technisch-rationale Einstellung zu den Dingen. Hat sich jemand gefragt warum auf dem Wochenmarkt die Verkaeufer ihre Waren durch Geschreie preisen, auch wenn es sich dabei um faule Tomaten handelt, warum man zum Feilschen greift -das uebrigens seit eh und je gab und nicht erst mit dem Tourismus in Erscheinung getreten ist- , obwohl
es sicherlich praktischer und zeitsparend waere feste Preise anzuhaengen, warum der Tunesier die Direktheit nicht mag und stattdessen sein Ziel nur auf Umwege ansteuert, warum einer, der seit Wochen im Krankenbett liegt und in einem denkbar schlechten Zustand ist auf die Frage wie es ihm geht, immer "labas Hamdoullah" antwortet, warum ein kleiner verspielter Hund so bald er sich blicken laesst mit Steinen beworfen wird warum eine kleine Ameise gnadenlos zerdrueckt wird, warum ein Vogel, der sich fangen laesst und in die Haende von Kindern geraet nicht mehr lebend davon kommt, warum Schafe auf Gepaecktraeger von Autos in der Hitze transportiert werden ohne dass der Fahrer zur Verantwortung gezogen wird und nicht mal mit den Protesten der Mitmenschen rechnen muss, warum der Esel ein jaemmerliches Dasein fuehrt, obwohl er den Menschen auf dem Land wertvolle Dienste erweist. Warum in den Haeusern die teuer erstandenen Wohn- oder Esszimmermoebel selten oder fast gar nicht zur
Anwendung kommen und dienen nur Ansehenszwecken. Ich koennte noch etliche Beispiele auffuehren, die das gestoerte Verhaeltnis der Tunesier zu allem Sachhaftem und seine ungebundene Subjektivitaet aufzeigen, fuer ihn zaehlt nur
die Geltung und das Ansehen alles andere ist schmueckendes Beiwerk. Der Mensch steht im Mittelpunkt und darf nicht gegenueber einer Sache oder einem Prinzip zureuckgesetzt werden. Das erklaert zum Teil viele andere Nebenerscheinungen im Verhalten, mit denen der Mensch im Westen nicht klar kommt. Die ausgepraegte Redenskunst dient nicht zuletzt dazu, das Direkte zu vermeiden, das unangenehme zu verkleiden, das unheilvolle abzuwenden - in
diesem Kontext laesst sich beispielsweise die Geschichte von 1001 Nacht einordnen, Cheherezade ist schliesslich durch Redegewandheit und erzaehlerisches Ablenken gelungen sich selbst und andere Jungfrauen das Leben zu retten- Ein
"Ja" kann daher nicht immer "Ja" bedeuten, ein direktes zurueckweisendes "nein" ist meistens schwer ueber die Lippen zu bringen und wird daher in ruecksichtsvoller Freundlichkeit verhuellt.
Irgendwer hat die Behauptung aufgestellt, dies waere genetisch bedingt, was ich stark in Zweifel ziehen moechte. Es gibt naemlich nichts was Adoptivkinder in ihren Denk- und Verhaltensweisen von deutschen unterscheidet, auch wenn sie
urspruenglich einem anderen Kulturkreis entstammen. Gewisse Verhaltensmuster sind direkt oder indirekt auf den Einfluss der Familie und der Gesellschaft, in der man aufgewachsen ist, zurueckzufuehren. Um jetzt zum eigentlichen Thema zurueckzukommen moechte ich Khomsa voellig zustimmen in ihrer Einschaetzung, die Kinder nehmen zwangslaeufig vom Elternhaus, aber nicht nur, gewisse Denk- und Vehaltensweisen mit, die sich frueh oder spaet zum Wort melden und ihr
Diktat ausueben. Das moechte ich an einem Beispiel erlaeutern.Ich stamme aus einem Dorf und meine Eltern genau wie die von Mabrouk sind
auch religioes eingestellt, ich kann trotzdem nicht sagen, dass meine Erziehung davon weitgehend gepraegt war, mir ist jedoch bewusst, dass sich ein gewisses Abhaengigkeitsverhaeltnis, jetzt nicht im materiellen Sinne des Wortes, in mein Denken und tun eingeschlichen hat, das bei gewissen Entscheidungen in Erscheinug tritt und im uebrigen nicht umzugehen war. Dieses Verhaeltnis generiert zum Beispiel den uneingeschraenkten bedingungslosen Respekt den
Eltern gegenueber, der sich unter anderem darin aeussert, dass das Wort der Eltern niemals gebrochen werden darf, es ist so eine Art Veto, dem es unbedingt nachzukommen gilt, sobald es ultimativ eingebracht wird. Ein einziges mal wurde ich ernshaft damit konfrontiert, als ich ihnen irgendwann schonend beibringen wollte, dass ich gedenke eine Deutsche zu heiraten, sie war die einzige und wohl letzte Liebe meines Lebens.
Mein Vater liess zwar mit sich reden aber meine Mutter war strikt dagegen, alle moeglichen Versuche, sie davon abzubringen sind fehlgeschlagen, zum Schluss fiel der Satz, den viele Tunesier fuerchten und der mich in die Sackgasse geschmissen hat:"wenn du das tust, bin ich nicht mehr deine Mutter und du nicht mehr mein Sohn". Damit stand fuer mich unmissverstaendlich fest, dass ich sie nicht heiraten werde. Ich koennte niemals mit dem Gefuehl leben, meine Mutter vor den Kopf
gestossen zu haben, das Paradies liegt bekanntlich unter ihren Fuessen.Es ist zwar scheinheilig aber erst dann begann ich nach Gruenden zu suchen, die diese Entscheidung plausibel und annehmbar machten und es gab ploetzlich eine ganze Menge. Vieles laesst sich nicht mit unserer Mentalitaet vereinbaren, egal
wie weit man sich "emanzipiert" hat um einiges zu verdauen, es sei denn man gibt sich und seine Wurzeln voellig auf und vegetiert nur noch dahin als Koerper ohne Seele. Die meisten koennen auch den Druck nicht aushalten, der von allen Seiten
kommt. Ist es nicht bedauernswert, dass viele Akademiker und Hochchulabsolventen einen Beruf wie Kellner, Taxifahrer o.ae. ausueben muessen-
wenn sie ueberhaupt einen finden-, der in keinem Verhaeltnis zu ihren Kompetenzen steht, und ansonsten fast immer die untere Stufe der Leiter
belegen, wo sie es doch in ihren Heimatlaendern viel besser haben koennten. Wie kann man dort den Tag geniessen, wenn man oft angepoebelt und als Schmarotze und ******* Auslaender beschimpft wird. Der Tunesier ist von Natur aus gesellig
und Freunde und Familie stellen fuer ihn den noetigen Halt dar, der dafuer sorgt, dass das psychische Gleichgewicht bei inneren Konfliktsituationen wieder hergestellt wird, wo soll er sie denn in Deutschland finden, egal wie liebevoll die Partnerin ist, sie kann diese Konstellation nie ersetzen. Am haertesten trifft es ihn, wenn jedoch die Partnerin, fuer die er Hof und Gut aufgegeben hat, sich von der Sorte entpuppt, die nur in ihren Kategorien denkt und ihr deutsches Denken gnadenlos einsetzt. Der Ehering wird nicht selten dem verdutzten Ehemann vor die Fuesse gedonnert mit der plumpen Begruendung "wir haben auseinander gelebt und es hat keinen Sinn die Beziehung weiter zu fuehren". Dann steht er da wie ein gegossenes Pudel und denkt sich wo sind die verliebten Augen geblieben, die mich einst angehimmelt haben und vieles anderes ...
Ich glaube ich muss jetzt einfach aufhoeren.