Sonntag 1. Februar 2004, 15:05 Uhr
Mehr als 240 Pilger bei Mekka zu Tode getrampelt


Mina (AFP) - Die alljährliche Pilgerfahrt von Moslems in die heilige Stadt Mekka ist in diesem Jahr abermals Schauplatz einer tödlichen Massenpanik geworden: Mindestens 244 Menschen wurden während eines religiösen Rituals zu Tode getrampelt, bei dem die Gläubigen symbolisch den Teufel steinigen. Dies teilte der saudiarabische Minister für Pilgerfahrten, Ijad bin Amin Madani, mit.

Trotz des Unglücks wurde die Pilgerfahrt (Hadsch) fortgesetzt. Es war der folgenschwerste Unfall bei der Hadsch seit 1997, als bei einem Brand in der Zeltunterkunft der Pilger 343 Gläubige starben.

Seit Sonntagmorgen war ein Großaufgebot an Sicherheitskräften im Einsatz, um Unglücksfälle zu verhindern. Ein Hubschrauber überflog die Menschenmenge, um die Bodenkräfte zu lenken. Die Sicherheitskräfte wurden nach der Panik verstärkt, Polizisten versuchten die Menge über Lautsprecher zu beruhigen.

Die mit Sonnenaufgang beginnende Steinigungszeremonie im Mina-Tal vor den Toren von Mekka bildet den Abschluss der großen Pilgerfahrt (Hadsch) und wird von den Gläubigen mit großer religiöser Leidenschaft ausgeführt. Für die Sicherheitskräfte ist dies jedes Jahr der heikelste Moment während der mehrtägigen Pilgerfahrt: Hunderttausende Pilger müssen an drei 18 Meter hohen Steinsäulen vorbeigeleitet werden, die symbolisch für den Satan stehen. Der Tradition entsprechend schleudern sie je sieben Steine gegen jede der Säulen.

Immer wieder ereignete sich in den vergangenen Jahren auf dem 272 Meter langen Übergang entlang der Säulen ein tödliches Massengedränge: Im vergangenen Jahr starben dabei 14 Menschen, 2001 gab es 35 Tote, 1998 waren es 118 Tote, und 1994 starben 270 Menschen. Der bislang schwerste Unfall während der Hadsch ereignete sich 1990, als 1426 Menschen bei einer Massenpanik in einem Fußgängertunnel im Mina-Tal erstickten.

Die Teufelssteinigung ist zentraler Bestandteil der Hadsch, die bereits zu Lebzeiten des islamischen Propheten Mohammed im siebten Jahrhundert zum festen Bestandteil des moslemischen Ritus wurde. Der religiösen Überlieferung zufolge soll Satan an diesem Ort jeweils drei Mal in Folge dem Propheten Ibrahim (biblisch: Abraham), seiner Frau Hagar und deren Sohn Ismail erschienen sein. An der diesjährigen Hadsch nehmen nach Angaben des saudiarabischen Informationsministers fast zwei Millionen Moslems teil.
http://de.news.yahoo.com/040201/286/3v2qs.html