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Tunesien  Balearisierung ohne Ende?
#144278
27/10/2002 16:34
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Claudia Poser-Ben Kahla
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Universität Paderborn Kathrin Hanke Sabrina Marsch Tunesien  Balearisierung ohne Ende? Herr Prof. Dr. A. Kagermeier Blockseminar Nordafrika Sommersemester 2002
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1. Einleitung 2. Die Geschichte des Tourismus 2.2. Tourismus Heute und in Zukunft 2.3. Fazit 3. Tourismus auf Djerba 4. Vergleich mit Mallorca 5. Die Rolle der deutschen Urlauber in Tunesien 6. Die integrierten Tourismuskomplexe 6.1. Port el Kantaoui 6.2. El Montazah - Tabarka 6.3. Yasmine Hammamet 7. Schlussteil 8. Literaturangaben
Page 3 31. Einleitung In unserer Hausarbeit Tunesien- Balearisierung ohne Ende" gehen wir auf die touristische Entwicklung der Destination Tunesien ein. Nach einer Beleuchtung der Anfänge des Tourismus bis zum heutigen Stand beschäftigen wir uns näher mit der aktuellen Bedeutung der Tourismusbranche in Tunesien. Zudem gehen wir auf das Beispiel der Insel Djerba ein. Im Zweiten Teil der Hausarbeit wenden wir uns nach einer kurzen Diskussion der Rolle der Deutschen im tunesischen Tourismus einigen Fallbeispielen für Versuche von Steuerungen des Tourismus in der Vergangenheit und in der heutigen Zeit zu. Tunesien ist das Reiseland Nummer eins der arabischen Länder. Der Tourismus hat für die tunesische Wirtschaft inzwischen eine herausragende Bedeutung errungen. Über 10 % (200.000 Menschen) der tunesischen Bevölkerung lebt vom Tourismus. Der internationale Erfolg des Tourismus in Tunesien ist auf die gute Organisation und Professionalität zurückzuführen, jedes Jahr gibt es mehr professionelle Tourismusplaner. Zehn Hotelfachschulen bilden qualifiziertes Personal aus. Es werden Preis- und Qualitätskontrollen in Hotels und Gastronomie zum Verbesserten Leistungszwang durchgeführt. Nach der Türkei ist Tunesien das beliebteste Dritte - Welt Nahziel der deutschen Touristen. 2.Geschichte des Tourismus Bis zum Zweiten Weltkrieg kamen nur einige wenige Abenteurer, wohlhabende Bildungshungrige sowie Künstler nach Tunesien, erst danach allmählich auch eine kleine Gruppe Erholungssuchender. 1958 besuchten 33.000 von ihnen das Land. Ab 1960 begann  analog zu dem weltweiten Tourismusboom  eine vorsichtige, ab den frühen 70er Jahren dann eine intensive staatliche Förderung des Fremdenverkehrs. 1963 kamen schon 105.000 Fremde, 1972 750.000, 1975 war die Millionengrenze überschritten, und bis 1981 gab es stetige Zuwachraten, die höchsten in Afrika. Den 1981 erreichten Rekordzuwachs verdankt das Land überwiegend der Explosion des arabischen Tourismus: Der Wegfall von Einreisebeschränkungen ließ allein 900.000 kauflustige Algerier ins Land kommen. Die Krise von 1982 bis 1985 erschütterte Tunesien erheblich, doch erholte sich das Land schnell wieder. Ab 1985 war dann ein neuerlicher Aufschwung zu verzeichnen, die Zahl der europäischen Besucher überschritt sogar die alte Rekordmarke. Das stärkste Touristenkontingent stellten 1988 erstmals die Deutschen (477.000), gefolgt von den bislang dominierenden Franzosen (476.000) und den Briten (221.000). Des Weiteren kamen Skandinavier, Italiener, Holländer, Belgier, Österreicher, Schweizer und Spanier. Aus den USA, Kanada und Japan stammen nur wenige Besucher. Ende der 80er Jahre setzte eine verstärkte Förderung des Sahara Tourismus ein. Damit war auch der Bau von exklusiven Hotels vor den Toren der Wüste verbunden. Ebenfalls im Aufschwung war der Kulturtourismus im Binnenland, der bis heute allerdings unbedeutend geblieben ist.
2.1. Tourismus Heute und in Zukunft Derzeit stehen in Tunesien knapp 200.000 Betten in etwa 740 Hotels zur Verfügung. Das Land empfängt über 5 Millionen Besucher pro Jahr, davon kommen rund 1 Mio. aus Deutschland. Im letzten Jahr wurde ein Rückgang der deutschen Urlauber von 7,5% verzeichnet. Für das Jahr 2002 erwartet man einen noch stärkeren Rückgang, was vor allem auf die Terroranschläge zurückzuführen ist. 90% der Europäer kommen als Pauschaltouristen zum Badeurlaub. Die größten Badezentren sind Sousse/ Monastir, Hammamet/ Nabeul , Djerba/ Zarzis und der Großraum Tunis. Dadurch erhielt Tunesien in den letzten Jahren das Image als Billigreiseland mit einem hohen Angebot von Hotelghettos im 3-Sterne Bereich. Trotz der Einbrüche der Besucherzahlen wird ehrgeizig in neue Expansionspläne investiert. Dazu wurde das Werbebudget 2001 auf 4,6 Mio. DM erhöht, um unter anderem durch TV- Werbespots die Vielseitigkeit Tunesiens zu demonstrieren. In 15 Jahren soll die Zahl der Betten verdoppelt werden und der Tourismusminister Mondher Zenaidi plant bis 2015 15 neue touristische Zonen. An der knapp 1300 Kilometer langen Küste sind bisher nur 10 % touristisch erschlossen. Für die kommenden Jahre sind sieben neue Ferienanlagen geplant. Die bereits vorhandenen Anlagen werden in Komfort und Ausstattung verbessert. Man setzt auf eine Diversifizierung des Bettenangebotes (Hotels, Apartments, Bungalow...) und den Ausbau des Sport- und Unterhaltungsprogramms. Durch diese Art der Beschaffung neuer Arbeitsplätze will man einen Ausgleich von Strukturunterschieden herbeiführen, die nationale und lokale Wirtschaft fördern und die Abwanderung aus strukturschwachen Gebieten eindämmen. Die Quote der Bildungs- und Abenteuerreisen ins Landesinnere wächst aber, wobei vor allem Touren zu Oasen und Bergdörfern des Südens inzwischen von vielen Reiseveranstaltern angeboten werden. Der neuste Trend sind Golf - Reisen, Wellness, Thalasso - Kuren, Kongresse und Incentives, um die Hotelbetten auch während der Nebensaison zu füllen. Negative Seiten: Die relativ wohlhabenden Ausländer erscheinen vielen Tunesiern als Vorbild, ihre oftmals unbedachten Verhaltensweisen und ihre vermeintlichen Statussymbole erscheinen als erstrebenswert. Die Gier nach Prestigeobjekten fördert Kriminalität, Prostitution und Hinwendung zu Gelegenheitsarbeiten (u.a. Betteln). Andererseits provoziert die Missachtung lokaler Gebräuche (freizügige Kleidung, Alkoholgenuss, etc.) Ablehnung bei älteren und/ oder ländlichen Tunesiern, es entsteht ein Potential für Fremdenhass. Der Tourismus verstärkt damit den ohnehin bestehenden Generationenkonflikt, die Auflösung der alten Familienbande, ohne eine neue Alternative anbieten zu können. Auch im Ökonomischen Bereich erzeugt der Tourismus gravierende Nachteile: die Konzentration auf bestimmte Zentren verstärkt die Abwanderung Junger. Die Saisonabhängigkeit des Reisegeschäfts ruft eine monatelange Unterbeschäftigung hervor. Von den zunächst beeindruckenden Deviseneinnahmen von ca. 2 Milliarden Dollar pro Jahr muss ein Großteil wieder für Importe zur Versorgung der Touristen und Verbesserung der Infrastruktur ausgegeben werden, der Konkurrenzdruck anderer gleichwertiger mediterraner Badeurlaubsziele wie Portugal oder der Türkei zwingt zu Niedrigpreisen, also verminderten Gewisspannen. Die Situation als Empfängerland" macht darüber hinaus hochgradig abhängig von Konjunkturschwankungen in den Industrieländern.
2.2. Fazit Der Tourismus bringt Tunesien zwar wirtschaftliche Vorteile, bewirkt aber gleichzeitig soziale/ kulturelle Schäden und behindert eine unabhängige Entwicklung des Landes. Obwohl man dazu übergeht den sanften Tourismus" (Schutz der natürlichen Ressourcen) einzuführen und alternative Urlaubsformen bietet, bleibt Tunesien nach wie vor abhängig vom Massentourismus, der durch den Bau neuer Großprojekte gefördert wird.
3. Tourismus auf Djerba Schon zu Beginn der 60er Jahre entdeckte der Massentourismus auf der Suche nach immer neuen Sonnenstränden auch die Insel Djerba. Mit der Errichtung des Strandhotels Al Jazira und des Club Mediterranée begann der tiefgreifende Wandlungsprozess, der das soziale und wirtschaftliche Gefüge Djerbas stärker verändert hat als alle Ereignisse der vorangegangen Jahrhunderte. Heute ist der Tourismus längst die wichtigste Einkommensquelle der Inselbevölkerung. Die Zahl der Betten beläuft sich auf über 22.000, hinzu kommen etwa 4.000 weitere in der benachbarten Küstenoase Zarzis.(Zahlen von 1990) Möglich war diese Entwicklung nur durch den Bau einer Wasserpipeline, denn natürliche Quellen sind auf Djerba knapp. Das kostbare Naß wird aus 120 km Entfernung von Oued Zeuss über die Dammstraße bei El Kantart herangeführt. Mehr als die hälfte des Wasserverbrauchs im gesamten Gouvernorat Medenine entfällt inzwischen auf Djerba. Zwar kommen auch die Einheimischen in den Genuss von Leitungswasser, über 80% der jährlich etwa 2 Millionen m3fließen jedoch durch die Hähne der Hotels. Da die Küstenstreifen wegen der salzhaltigen Böden und des brackigen Grundwassers bis vor kurzem kaum besiedelt waren, verlief die touristische Invasion ohne Verdrängung der Einheimischen aus ihren angestammten Wohngebieten. Bis auf wenige Ausnahmen fügen sich die Hotelanlagen auch durchaus harmonisch in die nordafrikanische Landschaft ein. Zweifellos hat der Tourismus der Insel positive Impulse gegeben: ein Flughafen wurde gebaut, das Straßennetz verbessert und, Telefondienste eingerichtet. Vor allem entstanden aber zahlreiche Arbeitsplätze, wodurch die Abwanderung in die städtischen Zentren Nordtunesiens eingedämmt werden konnten. Der wirtschaftliche Aufschwung hat aber auch seine Schattenseiten. Nicht nur, dass sich das Hotelpersonal überwiegend aus dam Norden zusammensetzt, auch Zuwanderer aus den ärmeren Regionen Südtunesiens stürmen auf die Insel in der Hoffnung auf bessere Verdienstmöglichkeiten. Die Folge ist der Verlust der kulturellen Identität, das allmähliche verschwinden der Besonderheiten, die den Reiz Djerbas ausmachen. Überdies wird die arbeitsintensive Landwirtschaft für Djerba immer unattraktiver, viele Felder liegen brach, das Angebot an Frischgemüse verknappt sich, die Preise steigen. Schuld daran sind nicht zuletzt die großen Hotels. Da sie angesichts ihrer zahlungskräftigen Kunden nicht auf den Cent schauen müssen, kaufen sie zu jedem Preis und heizen die Inflation an. Leidtragende sind die kleinen Leute, die sich frisches Gemüse kaum noch leisten können. Zudem befinden sich die meisten großen Hotelanlagen nicht in Hand der Einheimischen, viele gehören Ausländern. Entsprechend kommt nur ein geringer Prozentsatz der Einkünfte den Inselbewohnern zugute.
4. Vergleich mit Mallorca Die am meisten von Touristen frequentierte Insel (weltweit), ist nach einer langen Zeit des exklusivsten Tourismus zum Massentourismus übergegangen. Mallorca ist das ideale Beispiel um zu zeigen, was in der Zukunft in den südlichen Touristenzentren Europas passieren kann. Früh hat die Insel viele Einwanderer aufgenommen, und diese in das Leben integriert. So hat sich eine vielfältige Kultur entwickelt. Doch dieser Erfolg zog allgemein bekannte Konsequenzen mit sich. Wie lässt sich nun die Balearisierung auf Tunesien übertragen? Vergleicht man die Historie von Mallorca mit Tunesien, so erkennt man einige Parallelen: der anfängliche Exklusivtourismus, Aufnahme- und Durchgangsland für Afrikaner und eine vielseitige Kultur. Und auch die bis heute anhaltende Entwicklung des Massentourismus ist vergleichbar. Aber die tunesische Regierung aus den Folgen der Balearen gelernt und früh genug erkannt, welche Konsequenzen der Massentourismus haben kann. Mit den bereits erwähnten neu geplanten Objekten wird versucht trotz Beibehaltung des Massentourismus die Qualität, das Niveau und die Vielseitigkeit Tunesiens zu bewahren und neu zu vermarkten.
5. Die Rolle der deutschen Urlauber in Tunesien Deutschland ist vor Frankreich der wichtigste Markt für den tunesischen Tourismus. Zwar hatte Frankreich 1999 in der Gesamtzahl etwas mehr Ankünfte (1.341.375 gegenüber 1.258.394), die Franzosen gestalten ihren Aufenthalt aber wesentlich kürzer (durchschnittlich 7 Nächte) als die Deutschen (durchschnittlich 11 Nächte). Wichtigste Zielgruppe unter den deutschen Urlaubern sind Familien mit Kindern. Aufgrund der wichtigen Rolle der Deutschen für den tunesischen Tourismus wird auch das touristische Angebot komplett auf diese Zielgruppe abgestimmt. Die Dominanz der Deutschen prägt den Stil der Hotels von Essenszeiten und Speisenangebot bis hin zum abendlichen Unterhaltungsprogramm." (Popp: Lokale Akteure, S. 46). Dieses ist natürlich vor allem in den Vertraghotels deutscher Reiseveranstalter der Fall, die oft einen Anteil von 90 % an deutschen Gästen aufweisen können. Der Typ der deutschen Urlauber in Tunesien lässt sich durch eine Vielzahl von Merkmalen charakterisieren. Er ist in erster Linie Bucher eines Pauschalarrangements mit Direktflug, Hotel und Halbpension (80 % der Deutschen entscheiden sich für diese Urlaubsform). Die Entscheidung für das Land Tunesien wird bei den meisten Kunden aufgrund des Preises gefällt und nicht aufgrund von Interesse an der jeweiligen Zielregion. Daraus ergibt sich auch schon das Hauptmotiv der deutschen Urlauber, nämlich eine passive, Erholung suchende Urlaubsgestaltung, die sich überwiegend auf das gebuchte Hotel konzentriert" (Popp: Lokale Akteure: S.50). Ein Interesse an Land und Leuten ist kaum vorhanden. Aufgrund dieser Tatsache ist der klassische Tunesien-Urlauber sicherlich mit einer gewissen Klientel von Balearen-Urlaubern zu vergleichen, deren vordergründiges Motiv ebenfalls Sonnenbaden und Unterhaltung innerhalb der Hotelanlagen ist.
6. Die integrierten Tourismuskomplexe Wir werden nun mit drei Fallbeispielen auf die Entwicklung der so genannten integrierten Tourismuskomplexe in Tunesien eingehen, deren vorrangiges Ziel es war und ist, die vorhandene touristische Struktur zu verändern und zu verbessern. Die ersten Komplexe dieser Art entstanden in den 70iger Jahren in Monastir und Port el Kantaoui. Die Entstehung von Port el Kantaoui möchten wir nun näher beleuchten.
6.1. Port el Kantaoui Die Planungen für diesen Ort, der am Reißbrett entstand begannen 1969. Sie richteten sich darauf, einen Gegenpol zu den Ghettos des Massentourismus", die in der ersten Phase der touristischen Entwicklung entstanden, zu schaffen. Dieses gelang zum einen durch die Anlage eines attraktiven Ortskerns mit Yachthafen und ausgereifter Infrastruktur, zum anderen durch die Vielseitigkeit der Bettenstruktur in der Tourismuszone. Die heute ca. 14.000 Betten befinden sich in einer Vielzahl von Hotels (davon einige Luxushotels) sowie in attraktiven Appartment- und Villenanlagen, die etwa 1/3 der Bettenkapazität ausmachen. Die Villenanlagen sind um den ebenfalls zur Attraktivität des Ortes beitragenden Golfplatz herum angelegt und gehören zum Großteil tunesischen Privatbesitzern. Der Ort wird heute von deutschen Urlaubern dominiert: 1997 waren 43 % aller Übernachtungen von deutschen Gästen, in den Wintermonaten lag diese Zahl sogar bei 80 %.
6.2. El Montazah-Tabarka Mit der Planung für diesen integrierten Tourismuskomplex wurde 1985 begonnen. Da der Ort Tabarka an der noch wenig touristisch erschlossenen aber landschaftlich abwechslungsreichen Nordwestküste Tunesiens liegt, waren die Zielsetzungen des Projekts vor allem folgende: 1. Neuerschließung der Nordwestküste und damit gleichzeitig Dezentralisierungsmaßnahme für die Ostküste. Neuentstehen eines Tourismuspols im Nordwesten des Landes. 2. Stärkung und Aufwertung des als peripher geltenden Lebensraumes (Verhinderung von Abwanderung und Schaffen neuer Arbeitsplätze). 3. Eingliederung des Tourismuskomplexes in die Landschaft sowie Einhaltung der ökologischen Normen durch einen ökologisch verträglichen, nachhaltigen Tourismus" (Popp: Lokale Akteure, S. 19). Weitere Ziele sind zum einen das Schaffen eines Ganzjahrestourismus durch Angebote wie Golf- oder Jagdtourismus und zum anderen das Erstellen eines hochwertigen und vielseitigen Tourismusangebotes, das vom Image des Billigreiselandes mit Massentourismus ablenkt und kaufkraftstarke, anspruchsvolle Touristen in das Gebiet locken soll. Der landschaftliche Reichtum und das milde, mediterrane Klima sollte die Grundlage für das qualitativ hochwertige und vielfältige Angebot bilden" (Popp: Lokale Akteure, S. 41). Das für das Projekt ausgewiesene Gebiet wurde von einer privaten Investorgesellschaft erschlossen. Der Staat stellte nur Infrastruktureinrichtungen, nämlich einen Flughafen und eine Kläranlage zur Verfügung. Des Weiteren wurde versprochen, das Straßennetz um Tabarka auszubauen. Der erste Erfolg in dieser Hinsicht war die Fertigstellung der Erschließungsstraße Route Touristique" 1990. Die ursprüngliche Planung des Projektes umfasste die Entstehung von 10.000 Betten, davon ein Großteil in einer Feriensiedlung, die nie errichtet wurde. So wurde 1992 das erste 3-Sterne-Hotel in Betrieb genommen, ca. 2.000 Hotelbetten in einer Hotelzone etwas außerhalb des Ortes sollten folgen. Über die Hälfte der Hotels sind im 3-Sterne-Segment anzusiedeln, was darauf hindeutet, dass das Ziel eines hochwertigen Tourismus durch die Hotelstruktur nicht erfüllt wurde. Zur Diversifizierung des Bettenangebotes tragen ca. 1.000 Appartmentbetten nahe dem Yachthafen bei. Insgesamt sind die Übernachtungspreise in Tabarka um einiges günstiger als an der Ostküste, was Tabarka zur Region mit dem höchsten Anteil an Binnentouristen macht (1996 Anteil von 36,4 % an Übernachtungen). Das Ziel, ein diversifiziertes touristisches Angebot zu schaffen, macht Probleme, da die Touristen fast ausschließlich Strandtourismus betreiben und Sport- und Freizeitaktivitäten zumeist nur im Hotel durchführen. Die Hoffnung, die Touristen würden das reizvolle Hinterland für Ausflüge nutzen, hat sich nicht erfüllt, was zum einen am Desinteresse der Touristen an Aktivitäten außerhalb des Hotels liegt, zum anderen ist die mangelnde Infrastruktur, die sich durch eine schlechte Einbindung des Hinterlandes in den Tourismuskomplex auszeichnet, dafür verantwortlich. Die Auslastungen der Hotels liegen unter dem tunesischen Mittelwert. 1996 betrug die durchschnittliche Auslastung in Tabarka bei 30 %, der tunesische Mittelwert liegt bei 48 %. In den Wintermonaten ist die Auslastung mit unter 10 % sehr dürftig, was auch das Scheitern des Ziels einer ganzjährig höheren Auslastung durch Angebote wie z. B. Golf- und Jagdtourismus bedeutet. Das Entstehen dieser beschriebenen Fehlplanungen wurde dadurch begünstigt, dass die private Entwicklungsgesellschaft im wesentlichen an der Vermarktung der Flächen interessiert gewesen ist und nur in beschränktem Umfang darauf ausgerichtet ist, weitere Entwicklungen der Destination unterstützend zu begleiten" (Popp: Lokale Akteure, S. 105). Es muss also festgestellt werden, dass sich Tabarka zwar zu einem bedeutenden Tourismuspol im Norden entwickelt hat, der viele Arbeitsplätze geschaffen hat, nur leider durch einige Fehlentwicklungen nicht zu einem hochwertigen, exklusiven und vielseitigen Ganzjahresziel sondern zu einem durchschnittlichen Massenziel mit Schwerpunkt auf sommerlichem Badetourismus geworden ist.
6.3. Yasmine Hammamet Dieses integrierte Tourismusprojekt ist zur Zeit Tunesiens ehrgeizigstes Tourismusprojekt in Sachen Qualitätstourismus" (FVW 6/2002, S. 75). Die endgültige Fertigstellung des Komplexes ist für 2004 geplant, nachdem man Anfang der 90iger Jahre mit den Planungen begann und 1996 bereits das erste Hotel eröffnet werden konnte. Die folgende Graphik zeigt, dass vorwiegend hochwertige Hotels das Bild von Yasmine bestimmen. 1= 5-Sterne, 2= 4-Sterne,3= 3-Sterne, 4= Wohnanlagen und Appartments Im hochwertigen Hotelsegment engagieren sich zahlreiche internationale Hotelketten wie Sol MelÃa, Holiday Inn, Riu oder Ibero Star. Viele Hoteliers zögern aber die Eröffnung der Hotels hinaus, um auf Verbesserungen der Infrastruktur und Stärkung der Nachfrage zu warten. Planungen sehen vor, dass im kommenden Jahr eine künstliche" Altstadt mit kompletter Infrastruktur fertig gestellt wird, die für jeden Geschmack etwas zu bieten hat. Geschäfte, Restaurants, Nachtclubs, Theater, Museen und ein Themenpark sollen zur Unterhaltung der Touristen beitragen. Ein weiterer Impuls zur Diversifizierung des touristischen Angebotes soll von der Marina neben der Altstadt ausgehen. Derzeit liegt die Auslastung des Komplexes bei 70 % im Sommer und 13 % im Winter. Diese Zahlen sollen natürlich nach Fertigstellung und höherem Bekanntheitsgrad gesteigert werden, so dass man in den nächsten Jahren mit ca. 500 000 Gästen pro Jahr im Zielgebiet rechnet. Die Probleme von Yasmine bestehen zum einen darin, dass immer noch zu wenige Veranstaltungen und Einrichtungen außerhalb der Hotels geboten werden, obwohl man mit der Anlage der Altstadt durchaus auf dem richtigen Weg ist. Zum anderen befinden sich einige Hotels wegen Platzmangel in der zweiten oder dritten Reihe und verfügen nicht über allzu große Grundstücke. Dennoch ist man, was den angestrebten Qualitätstourismus angeht, auf dem richtigen Weg. Wenn man die Fertigstellung von Yasmine ehrgeizig bis zum Ende verfolgt und durchzieht, wird der Ort hoffentlich die gewünschte Touristenzielgruppe anlocken.
7. Schlussteil
Durch die Beschreibung der vergangenen und aktuellen Entwicklungen im tunesischen Tourismus sollte deutlich werden, dass in den 60er/ 70er Jahren ein ähnlich wie auf den Balearen eingeläuteter Trend zum Massentourismus durch die Anlage von Hotelburgen heutzutage relativiert" werden soll. Diese Relativierung wird unter anderem durch die beschriebenen integrierten Tourismuskomplexe angestrebt, die versuchen, eine Diversifizierung des touristischen Angebots zu erreichen und zahlungskräftige Kunden anzulocken. Sicherlich sind die Versuche, dem Massentourismus entgegenzusteuern teilweise erfolgreich, doch bleibt Tunesien insgesamt gesehen ein Land, dass von Massentourismus lebt und vorwiegend eine Klientel anlockt, die eine möglichst preisgünstige Pauschalreise bucht. Da der Tourismus für das Land eine so bedeutende Einnahmequelle ist, dass Einbußen schwer hingenommen werden könnten, wird der Massentourismus à la Balearen sicher auch in den nächsten Jahrzehnten erhalten bleiben. Die zahlreicher Versuche, dieser Tatsache entgegenzusteuern werden insgesamt gesehen eine geringere Bedeutung haben.
8. Literatur 1) Le tourisme au Maghreb" Technische Universität München, 1999: Chapoutot, Jean Mehdi : Djerba : espace insulaire, développement touristique et comportement humain, S. 121ff Liinà s, Miguel Segui : Majorque; une île, un monde, un espace touristique, S. 107ff Miossec, Jean Marie : Les acteurs de l´aménagement touristique tunisien : les leçons d´une performance, S. 65ff 2) « Djerba und Südtunesien » Dumont, Köln 1990: Tourismus auf Djerba, S. 82f 3) Tunesien" Dumont, Köln, 1993: Tourismus, S.39ff Popp, Herbert (HG): Lokale Akteure im Tourismus der Maghrebländer. Passau: L.I.S. Verlag 1999. Precht, Birgit: Die Stunde der Wahrheit kommt. In: FVW 6/2002, S. 74-77.
Ich denke ihr sucht immer solche guten Berichte, deshalb habe ich auch diesen für euch rein gestellt.
Claudia
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