Lieber André,
du hast dir PeK als Ziel ausgewählt - da sind die Händler schon mal nicht so lästig und die Preise meist niedriger als in Sousse.
Hier gibt es sie noch,
die „echte“ Lolex aus Hongkong und die Bleitling von den Philippinen,
die Krokodile in allen Farben,
die LV-Taschen, ... ,
einerseits Ware, der man die Fälschung gleich ansieht, bei anderem muss man schon ein Kenner sein oder es handelt sich überhaupt um aus regulärer Produktion abgezweigte Stücke [in Skanes nahe den Salinen steht z.B. eine Benetton-Fabrik].
Lederwaren (Jacken, Taschen), Shirts, Gürtel, ... in minderer Qualität gibt es überall, bessere Ware meist etwas abseits der Touristenströme. Maßarbeit wird angeblich in 1 bis 2 Tagen gefertigt.
Weit verbreitet sind Kaftane, Silberschmuck, Stickereien, Korbwaren, Wüsten- und Sandrosen, Aquarelle, Kupferwaren, Glasflacons, die typischen tunesischen Vogelkäfige, Wasserpfeifen und Stoffkamele in allen Größen ... .
Goldschmuck ist in erster Linie gut feuer[!]vergoldet (sehr preiswert) oder 14 Karat. Echter - den gibt es aber nicht in Touristenläden - ist nicht wesentlich billiger als bei uns, nur wenn viel Arbeit drinsteckt wirkt sich das deutlich auf den Preis aus. Aber was ist schon echt? Köstlich finde ich, wenn die Burschen vergoldeten Schmuck mit der Briefwaage abwägen, auf ihrem Taschenrechner herumtippen und dir dann den angeblich aus dem Goldpreis berechneten Schätzpreis vor die Nase halten.
Schön sind manche Keramikarbeiten (durchwegs gute Qualität und billig, es gibt aber auch viel Touristenkitsch).
Teppiche können ein Traum sein, wenn man an einen guten, fairen Händler gerät; sie werden angeblich problemlos auch direkt in die Heimat geliefert. Da sollte man sich aber schon auskennen. Die Zahlungsmodalität mit kräftiger Barzahlung vor Ort und niedrigem Rest bei der Lieferung durch die Spedition, wobei nur der Restbetrag auf der offiziellen Rechnung stünde, hilft nur dem Händler. Der hat dadurch schon möglichst früh zumindest den Großteil des Geldes in Händen. Unser Zoll kennt aber diesen vermeintlichen Trick und der schätzt dann die Ware (anhand Material und Knotenzahl) und berechnet davon die Gebühren.
Kräuter und Gewürze sind billig und meist frisch; meine Empfehlung: „Harissa“, eine sehr scharfe Paprika-Pasta in der Tube oder im Glas bzw. Pulver [eine Prise oder Messerspitze ins Gulasch mmmmh ... – Vorsichtig ausprobieren: beim Abendbüfett am Ende der Vorspeisen steht meist eine kleine Schüssel mit dieser roten Pasta]. Offene Gewürze gibt es in Sousse in der Mitte der Altstadt, paketierte am besten im Supermarkt südlich des PeK-Hafentors.
In diesem Supermarkt gibt es auch günstig die herrlichen Süßspeisen – die sind eigentlich nicht so süß, wie bei uns, haben aber ein unnachahmliches Gaumenkitzeln. Vorsicht – auf das Herkunftsland achten; es gibt dort auch billigere türkische Ware. Die tunesische ist aber ihren Preis wert.
Parfüm wird in eigenen Läden aus Essenzen frisch gemischt. Nachgemacht wird alles, weil auch Markenware - sofern sie nicht künstliche Odeurs enthalten – aus keinen anderen Rohstoffen besteht. Sie mischen dir auch einen ganz persönlichen Duft [z.B. in PeK am Hafen Südkai – sieht wie ein Zirkuswagen aus; dort gibt es auch Henna–Tattoos, oder in Sousse in der Altstadt am West-Ost-Touristenpfad].
Wo es was vor Ort günstig gibt, habe ich unverbindlich in meinem Plan mit Symbolen eingezeichnet; unverbindlich deshalb, weil die Läden immer wieder den Besitzer wechseln (oder die netten Verkäufer die Läden?).
Zurück zum Handeln: Lass dich aufs Handeln ein – es macht Spaß. Aber überlege dir zuvor, was dir der Artikel, den du haben willst, wert ist und lass dir nicht von anderen Hotelgästen einreden, sie hätten viel weniger bezahlt (sind meist Aufschneider). Hast du überhaupt keine Ahnung, was etwas, das dich interessiert, kosten kann, dann sieh zuerst in einem staatlichen Laden nach – Kennzeichen: Preisaufkleber mit Strichcode und Scannerkassen. Dort sind die Preise um ca. 20 bis 25 % über jenen, die man beim Handeln erzielen sollte (in PeK im Turm). Hängt im Geschäft ein Plakat „Fixe Preise“ und existiert keine Scannerkassa, wird man vielleicht bei 1 Artikel hart bleiben, bei mehreren Artikeln trotzdem „Mengenrabatt“ geben.
Vorsicht bei „Fliegenden Händlern“ am Strand! Man kann da zwar schon zu Schnäppchen kommen, hat aber mit Reklamationen – oft hat deren Ware doch irgendwelche Fehler - keine Chance. Obendrein sind sie manchmal nicht leicht wieder loszuwerden.
Viel Vergnügen
Karl