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Ein Artikel aus Der Welt
http://www.welt.de/data/2003/10/06/178581.html?search=fahd&searchHILI=1 gruss anne
Sicherheitsbehörden: Fahd-Akademie ist Anziehungspunkt für radikale Islamisten
von Gernot Facius
Bonn - Der Prinz aus Saudi-Arabien ließ seine Zuhörer nicht im Unklaren. "Das ist ein Zentrum der religiösen Anleitung und Wegweisung, das an der Verbreitung des gerechten Glaubens arbeitet", sagte Abdulaziz Bin Fahd Bin Abdulaziz am 15. September 1995 bei der feierlichen Eröffnung der nach seinem Vater, König Fahd, benannten Akademie in Bonn-Bad Godesberg.
Das erlauchte Auditorium, darunter der heutige Bundespräsident Johannes Rau und der damalige Außenminister Klaus Kinkel, applaudierte dem Gast aus dem Morgenland. Acht Jahre später ist einigen Teilnehmern des pompösen Festakts die Freude an dem Geschenk, das sich der Monarch 14 Millionen Euro kosten ließ, vergangen: Die Fahd-Akademie, eine arabische Schule mit angeschlossenem großen Gebetsraum und Minarett, hat sich nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden zu einem Anziehungspunkt für radikale Islamisten entwickelt - mit Kontakten zur Terrororganisation Al Qaida.
Der Vater einer Schülerin soll, so das ARD-Magazin "Panorama", sogar Spenden für Osama Bin Laden gesammelt haben. Es gab "Durchsuchungen im Bonner Raum", berichtete ein Polizeisprecher in der Bundesstadt am Rhein. Seit langem ist bekannt, dass der Imam beim Freitagsgebet, zu dem regelmäßig bis zu 700 Moslems in den ehemaligen Diplomatenstadtteil anreisen, zum Heiligen Krieg aufruft. Schulleiter Ahmed Al Humoudi gibt sich dennoch überrascht. Was der Vorbeter dort predige, unterliege keiner Zensur, verteidigt er sich. Im Übrigen seien die Vorwürfe "null und nichtig", die Schule erfülle lediglich einen Lehrauftrag.
Das sehen die deutschen Behörden allerdings anders. Die Bezirksregierung in Köln hat eine "gründliche Überprüfung" des Bildungsziels der Einrichtung angekündigt, die gegenwärtig von 465 Kindern, darunter 195 deutsche Schüler, besucht wird. Denn der Stundenplan mit acht Stunden Religion, sechs Stunden Arabisch und einer Stunde Deutsch pro Woche lässt eher auf den Willen zur "Verbreitung des rechten Glaubens" schließen als auf die Bereitschaft zur Integration. Und so zieht die Schulaufsicht "auch" eine Schließung der Akademie in Erwägung, wie am Wochenende bestätigt wurde.
Das wäre allerdings ein brisanter Vorgang, für den es in Deutschland kein Beispiel gibt: Immerhin handelt es sich bei dem Gebäude mit 5000 Quadratmetern Nutzfläche um ein Prestigeobjekt des saudi-arabischen Königs, dem Bundeskanzler Gerhard Schröder just während seiner Nahostreise einen Besuch abstattet. Ob sich die für die Schulaufsicht zuständigen deutschen Stellen zur Schließung der Akademie durchringen, wird deshalb in politischen Kreisen bezweifelt. Bisher hat man in Bonn darüber hinweggesehen, dass in der Akademie ein Unterricht erteilt wurde, dem die wahhabitische fundamentalistische Lehre, wie sie in Saudi-Arabien praktiziert wird, zu Grunde liegt. Anlässe, misstrauisch zu werden, gab es freilich genug. Noch 1998/99 warb ein - inzwischen pensionierter - Geschäftsführer der König-Fahd-Akademie öffentlich um Verständnis für islamische Strafen, etwa das Handabhacken.
Von diesem Mann führte eine direkte Verbindungslinie zum Vorstand des Zentralrats der Muslime (ZMD) um seinen aus Saudi-Arabien stammenden Vorsitzenden Nadeem Elyas. Der ZMD kommt deshalb durch die Bonner Vorgänge, die pikanterweise zum "Tag der offenen Moschee" publik wurden, weiter in Bedrängnis. Er steht seit langem im Verdacht, mit Finanzmitteln aus der Golfregion versorgt zu werden und prononciert islamistische Positionen zu vertreten. Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes gehören zu ihm mehrere als extremistisch eingestufte Moslembruderschaften.