Neue OZ online - 22.05.2009, 16:26 Uhr
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http://www.neue-oz.de/information/noz_print/feuilleton/22516394.htmlRessort / Ausgabe: Feuilleton
Veröffentlicht am: 22.05.2009
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Von Tom Bullmann
Osnabrück.
Letzten Sommer reisten vier Osnabrücker Künstler nach Tunesien, um am Festival des Art Plastiques in Mahares teilzunehmen. Arbeiten von Hiltrud Schäfer, Isa Thalstein, Wilfried Bohne und Werner Kavermann, die in der tunesischen Stadt oder im Nachklang zu dem internationalen Künstlertreffen in Osnabrück entstanden, werden ab heute in der Stadtgalerie gezeigt.
Ein Motorrad, grob aus Eiche gehauen, dominiert den Ausstellungsraum. „Man bring melone at home“ steht in goldenen Lettern auf dem Sockel. Werner Kavermann hat den Mann, der sein Motorrad als Lastenvehikel benutzt, während seines 14-tägigen Aufenthalts in Mahares gesehen und ihn direkt zu einer kleinen Tonskulptur verarbeitet – inklusive des Titels in typisch tunesischem Englisch-Slang.
Weil der Künstler die Skulptur in Mahares zurückließ und er das Motiv so faszinierend fand, machte er sich zu Hause daran, seine zweite Holzarbeit in seiner gesamten Karriere zu schaffen. Denn eigentlich malt Kavermann. Er malt Menschen, die, am Tisch sitzend, mit den Augen eine magische Verbindung zu dem Möbel aufbauen. Weil er ein solches Motiv in einem Café in Mahares als eine Art Wandmalerei realisierte, wiederholte er das Werk in der Osnabrücker Stadtgalerie kurzerhand – ebenfalls direkt an die Wand.
Vier Künstler setzen ihre Erfahrungen, ihre Stimmungen, ihre Wahrnehmungen in Mahares mit ganz unterschiedlichen Mitteln um. Während Kavermann hauptsächlich mit Malerei zur Ausstellung beiträgt, fertigte Hiltrud Schäfer eine Rauminstallation: 22 Objekte aus Papierdraht und 60 Papierfaltboote werden zu einer mediterranen Impression. Mit dem Menschen beschäftigt sie sich in der Arbeit „Menschenreusen“: Lichte Figuren aus Kozo, der Faser des Papiermaulbeerbaumes, sind in Reusen aus gefärbtem Papierdraht eingesperrt und versuchen sich zu befreien. Ob hierbei politische oder gesellschaftskritische Gedanken im Spiel waren, mag dahingestellt sein, jedenfalls findet sich eine ähnliche Thematik in den Arbeiten Isa Thalsteins: Das menschliche Rückgrat als Symbol für Stärke und Widerstand wird lädiert und metaphorisch wieder aufgebaut.
Die Schönheit des Lichts und die Leichtigkeit des Seins, die man neben Armut und Arbeitslosigkeit in dem nordafrikanischen Land durchaus finden kann, spricht aus einer Art gemaltem Tagebuch, das Wilfried Bohne anfertigte. 80 angeregte und anregende Gouachen produzierte er in 14 Tagen. 22 dieser filigran und reduziert oder farblich und motivisch höchst intensiv gearbeiteten Bilder wählte er für die Ausstellung aus.
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