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Kinder und Islam
#170126
26/12/2005 18:15
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taslema
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HORROR-HOAX Die Legende vom Rattenmädchen Von Marc Röhlig Ein Mädchen schändet den Koran und wird zur Strafe von Allah in eine Ratte verwandelt. Das angebliche Beweisfoto empfangen muslimische Jugendliche per SMS. Die Furcht, selbst verwandelt zu werden, setzt in Europa eine Welle von Grusel-Nachrichten in Bewegung. Ismail ist 15 Jahre alt und wohnt in einem Asylbewerberheim in Gera. Wie eine Trophäe zückt er sein Handy, die Jungs und Mädchen im Heim schauen ihm über die Schulter. Gleich wird er ein Bild öffnen, so absurd wie grausig. Die Mädchen werden wieder jammern und sich die Augen zuhalten, die Jungs wieder hinstarren und raunen. www.afghanmania.comScreenshot einer afghanischen Website mit dem "Rattenmädchen": Aus Silikon geformter Protest gegen Genmanipulationen Auf dem Handydisplay erscheint eine bizarre Gestalt, nackt und gekrümmt auf dem Boden. Aus dem Rücken wächst ein fleischiger Schwanz, dunkle Borsten sprießen überall aus dem Körper, Hände und Füße sind zu Krallen verkümmert. Das Gesicht ziert eine Rattenschnauze. Um das schaurige Foto rankt sich eine seltsame Geschichte - sie handelt von einer jungen Muslimin und der ewigen Unvereinbarkeit von westlicher Lebens- und arabischer Denkweise: Angeblich lebte das Mädchen vor ihrer Verwandlung in den Niederlanden und schaute lieber Videoclips auf Musiksendern, statt den Koran zu studieren. Ihre Mutter nutzte den Fernsehraum zur gleichen Zeit zum Zwiegespräch mit Allah. Es kam zum Streit um die Vormacht im Wohnzimmer - Beats oder Beten. In jugendlicher Auflehnung packte die junge Muslimin das Koranbuch, trampelte darauf herum, schwor spontan ihrem Glauben ab - und wurde zur Strafe in eine Ratte verwandelt. In Geras Asylbewerberheim kennt jeder diese Geschichte. Semra, 11, und ihre Schwester Sumera schauen stets angewidert weg, wenn das Foto herum gezeigt wird. Temu und seine Mutter plagen sich mit Alpträumen. Jüngere Kinder beginnen zu schluchzen, die älteren und Erwachsenen zucken ratlos die Schultern. Yusef, ein Zwölfjähriger aus Syrien, bringt es trotzig auf den Punkt: "Dies ist Allahs gerechte Strafe." Typische Hoax-Meldung Nun erzählen sich muslimische Jugendliche die Mär mit weiteren phantasievollen Wendungen zu Ende - mit Feuer, Krankenhaus, Käfighaltung, Exorzismen und schrecklichen Qualen. Übrig bleibt stets das Foto als vermeintlich untrüglicher Beweis für Allahs "gerechte Strafe" am ungläubigen Mädchen. Die Mär vom Rattenmädchen, so mittelalterlich sie klingen mag, wird mit modernsten Mitteln verarbeitet. Seit drei Monaten wandert das Foto per E-Mail und SMS durch Europa und erreicht die muslimische Jugend. Der Türke Ismail hatte das Bild von einem Erwachsenen bekommen - nun hat er es selbst schon zwanzig Mal weitergesendet. Die Geschichte kursierte bereits vor einigen Monaten in arabischen Ländern - dort "Cursed Girl Hoax" genannt. Ein Hoax ist eine Falschmeldung, die in der Art eines Kettenbriefes über E-Mail, SMS oder Instant Messenger wie ICQ oder AIM verbreitet wird. Weil viele Empfänger den Unfug für wahr halten, schicken sie ihn gleich an Freunde und Bekannte weiter. Patricia Piccinini ist nicht amüsiert Typische andere Hoaxes sind Glücksbriefe (mit der Drohung ernster Konsequenzen, wenn sie nicht weitergeleitet werden) oder angebliche Petitionen gegen die Steinigung einer Frau in Afrika. In manchen Briefen werden Knochenmarkspender für ein leukämiekrankes Kind gesucht, in anderen wird vor angeblichen Viren gewarnt oder verbreitet, was der Dalai Lama zum Jahreswechsel gesagt haben soll. Stets leiten Betroffene den Text tausendfach weiter, nach dem Prinzip: Kann ja nicht schaden. Der "Hoax-Info Service" der TU Berlin führt solche Falschmeldungen und Gerüchte zu Hunderten. Die Gruselgeschichte vom "Cursed Girl" taucht dort allerdings nicht auf. Ihre wahre Entstehung ist simpel: Das Foto vom Rattenmädchen zeigt eine kaninchengroße Plastik der australischen Künstlerin Patricia Piccinini, geformt aus Silikon - eine Arbeit, die sich mit Genmanipulation auseinander setzt. Die dazugehörige Geschichte über den Koran ist frei erfunden. Dass die Skulpturen aus ihrem Werk "Leather Landscape" für ein Horrormärchen zweckentfremdet wurden, bestürzt die Künstlerin. "Das Bild der Kreatur wurde geklaut, diese Verwendung war niemals Patricias Wunsch oder Absicht", ist auf Piccininis Webseite zu lesen. Die australische Künstlerin wisse nicht, wer den Hoax über den Koran erfunden habe, und sei erschüttert, wie viele Menschen durch die Geschichte verängstigt wurden. Der Horror aus dem Handy zeigte Wirkung. Im Asylbewerberheim in Gera glaubten die meisten an das Rattenmädchen - so auch Ismail: "Natürlich ist die Story wahr, was glaubst du, wie man diese Bilder sonst erklären soll?" Von seiner Cousine will er sogar wissen, dass das Mädchen nun getötet werden soll, "damit die Schande von der Familie genommen wird". Claudia Dantschke, Islamexpertin des Berliner Zentrums für Demokratische Kultur, war dem Phänomen auf der Spur. Basierend auf einer ominösen Kettenmail wanderten Foto und Geschichte vom Rattenmädchen zuerst durch den arabischen Raum, dann mit Übersetzung auch in die Türkei und nach Deutschland - stets mit dem Hoax-typischen Abschluss: "Versende diese Mail an zehn Freunde, wenn du nicht auch von Allah bestraft werden willst." Wanderscherz oder gezielte Angstpädagogik? "Natürlich ist die Erzählung eine Erfindung", sagt Dantschke. Trotzdem fallen viele, Kinder wie Erwachsene, darauf herein: Zu oft wird der Spuk verbreitet, zu korantreu ist die haarsträubende Geschichte. Im Islam werden viele Geschichten mit Mythen und Monstern überliefert. Die Verwandlung als Strafe Gottes gehört auch dazu. Claudia Dantschke sieht in der Verbreitung solcher Märchen eine Strategie: "Im arabischen Raum werden Mythen genutzt, um den Glauben zu festigen - das ist gezielte Angstpädagogik." Trotz der einfachen Erklärung erfolgt die Aufklärung nur zögerlich. Viele arabische Medien berichtigten ihre Meldung, gaben die Falschheit der Erzählung zu. "Aber am Kern des Problems wird nicht gearbeitet", warnt Islamexpertin Dantschke, "eine neue Horrormeldung kann jederzeit wieder die Jugendlichen verängstigen." Dies bestätigt auch Asiye Köhler, Mitglied im Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) - Kinder und Jugendliche würden bewusst innerhalb ihres Glaubens betrogen. Die Wurzel solcher Lügen hat die Pädagogikbeauftragte des Zentralrats auch ausgemacht: "Primitiver Aberglaube". Offiziell dagegen vorgehen will der muslimische Rat dennoch nicht. Auch wenn deutlich gemacht werden müsse, dass Koranmärchen aus vergangenen Zeiten in einer "aufgeklärten Welt" keinen Platz mehr haben. Asiye Köhler meint, dass solche Horror-SMS nicht lange Bestand haben, denn: "Unsere Kinder sind einfach zu clever für solche Lügen." Aufgeklärt sind nun auch die Kinder aus dem Asylbewerberheim: Mit großen Augen schauen Semra und Sumera, verblüfft und erleichtert. Auf solche Lügen wollen die beiden Schwestern nun nicht mehr reinfallen. Nur wenn das Bild gezeigt wird, dann halten sie sich weiterhin die Augen zu. Sicherheitshalber. http://www.spiegel.de/unispiegel/schule/0,1518,390750,00.html
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Re: Kinder und Islam
#170127
26/12/2005 18:19
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Wir sind so frei FRANK A. MEYER 17.12.2005 | 21:17:45 Ein muslimisches Mädchen darf während des Schulunterrichts das Kopftuch tragen; ferner ist es vom Schwimmunterricht befreit sowie teilweise vom Turnunterricht. Das hat die Schulkommission des Seeländer Dorfes Stettlen soeben beschlossen. Es wird berichtet, das Mädchen trage sein Kopftuch freiwillig, also nicht auf Anweisung der Eltern. Das Kind ist im dritten Schuljahr, neunjährig. Vor mehr als zehn Jahren schon hatte das Bundesgericht ein muslimisches Mädchen vom Schwimmunterricht befreit. Begründung damals: Die Religionsfreiheit sei ein Recht, das in einem solchen Falle vor der Schulpflicht komme. Geht es um Freiheit der Religion? Nein: Es geht um Unfreiheit durch Religion! Der Islam, fundamentalistisch oder traditionalistisch ausgelegt, unterwirft die Frau der Herrschaft des Mannes: Schon früh im Leben lernen die Mädchen Kopftuch und Tschador zu tragen sowie das Tabu, den Körper vor dem andern Geschlecht zu enthüllen. Auch haben die Frauen die Augen niederzuschlagen, sobald ein Mann in ihrem Gesichtskreis erscheint. Für islamische Traditionalisten und Fundamentalisten ist die Frau in ihrer ***uellen Ausstrahlung ein animalisches Wesen. Sie wirkt provozierend auf ihre männliche Umwelt. Sie verführt die Männer zur Begierde, zur Lüsternheit, ja sogar zum Kampf bis hin zum Krieg. Der Begriff für diese Wirkung der Frau ist «Fitna» und bedeutet sowohl Verführung als auch Krieg. Diese ***istische Sicht des weiblichen Geschlechts führt zur Erniedrigung der Frau zum Objekt: Sie darf nicht frei über ihren Körper verfügen. Dabei ist doch gerade die Selbstbestimmung über den eigenen Körper Ausdruck von Freiheit, also Ausdruck der Gleichberechtigung der Frau. Auf der Grundlage dieses Prinzips werden in unseren Schulen Mädchen und Knaben gemeinsam und nach denselben Kriterien unterrichtet. Auch in unserem Kulturkreis musste die Befreiung der Frau gegen religiöse Macht erst durchgesetzt werden. Die christliche Kultur betrachtete die Frau über Jahrhunderte hinweg als minderwertiges und, vor allem, unmündiges Wesen. Erst der Kampf gegen Kirche und Klerus führte zur Trennung von Staat und Religion – schliesslich zur Gleichberechtigung der Frau. Die Schweizer Schulen gründen auf diesem Sieg. Sie sind Staat! Nicht Religion! Sie vermitteln der Jugend die Werte unserer säkularen Gesellschaft, zum Beispiel die egalitäre Partnerschaft zwischen Frau und Mann. Alles andere hat keinen Platz, weder am Lehrerpult noch am Schülerinnenpult. Auch nicht in Stettlen. Hat jemand, der unsere wichtigsten Werte partout nicht akzeptiert, Platz in der Schweiz? Setzt Religionsfreiheit unsere wichtigsten Werte ausser Kraft? Oder ist gar das, was in Stettlen erlaubt wird, sowie das, was das Bundesgericht erlaubt hat, nichts als eine religiöse Petitesse, der wir tunlichst mit Toleranz zu begegnen haben? Unsere freie Gesellschaft wird bedroht durch aggressiv auftretende islamische Orthodoxie, auch durch gewalttätigen Fundamentalismus. Es tobt ein Kampf um die kulturelle Moderne, wie wir sie leben und lieben. Die offene westliche Gesellschaft hat ihre Feinde tief eindringen lassen. In manchen Metropolen Europas machen sich islamische Gegenwelten breit: Mädchen werden zwangsweise verheiratet; junge Frauen werden von Brüdern und Vätern bestraft, sogar ermordet, wenn sie die Freiheitsrechte des demokratischen Rechtsstaates in Anspruch nehmen wollen. Der Mann ist der Herr. Die Frau ist die Sklavin. Durch falsche Toleranz, Laisser-faire und Gleichgültigkeit hat Europa die Rückkehr finsterer patriarchalischer Verhältnisse zugelassen. Multikulti lautet der frohgemute Begriff, der unter anderem zu der Misere führte, die in den islamischen Ghettos besichtigt werden kann. Jetzt werden wir die archaischen Geister nicht mehr los. Unsere freiheitliche Leitkultur darf sich nicht damit begnügen, dass muslimische Mitbürger zwar die Verkehrsregeln beachten, zu Hause aber ihre Frauen schlagen. Integration in unsere Wertewelt, das bedeutet auch und vor allem: die Frau als gleichberechtigte Partnerin zu respektieren – bis ins Intimleben hinein. Das wiederum bedeutet: Bruch mit islamischem Traditionalismus und archaischen Gebräuchen. Man mag argumentieren, so viel Neues und anderes überfordere Menschen, vor allem Männer, die in einer religiös vormodernen Welt aufgewachsen sind. Doch gerade darum sind Werte und Gesetze unserer Gesellschaft der muslimischen Jugend beizubringen. Und zwar in der Schule, wo unsere Werte und Gesetze gelehrt und praktiziert werden. Auch in der Schule von Stettlen. http://www.blick.ch/sonntagsblick/aktuell/fam/artikel29152
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Re: Kinder und Islam
#170128
26/12/2005 18:22
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Islam-Expertin Dr. Hiltrud Schröter im Glockenhaus (sp) Lüneburg. Mit einer Fülle von Informationen über die Situation muslimischer Mädchen und Frauen in ihren Heimatländern und in Deutschland stattete Dr. Hiltrud Schröter die gut 70 Zuhörerinnen und Zuhörer am Vorabend des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen aus. Die Konferenz der Lüneburger Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten hatte die hochkarätige Referentin und Autorin von „ Mohammeds deutsche Töchter “ ins Glockenhaus geladen. Als Lehrerin hatte Dr. Hiltrud Schröter zum Teil rein muslimische Klassen unterrichtet. Um mit Eltern sprechen zu können, hat sie arabisch gelernt und später als Wissenschaftlerin an der Universität Frankfurt den Alltag von Migrantinnen untersucht. Daneben vergleicht sie Original-Korantexte und Übersetzungen sowie Rechtsvorschriften über die Stellung der Frauen in westlichen und islamisch geprägten Gesetzen und Satzungen. An diesem Detailwissen ließ sie das Publikum ausgiebig teilhaben. Beispiel Kopftuch: „Koranvergleiche haben ergeben, dass das Kopftuch eine archaische Konvention ist zum Schutz der Frauen vor der Gewalt der Männer und zum Schutz der Männer vor Ehrverlust, aber nichts Religiöses“, so Schröter. Vielmehr regele jede Kultur den Umgang mit ***ualität. Während die christliche Kultur von den Menschen eine große Selbstdisziplin erwarte, setze die islamische Kultur auf räumliche Trennung von Frauen und Männern und, wo das nicht geht, auf das Verhüllen. Manche englische und deutsche Übersetzung sei dabei weitaus strenger als das Original. Die Referentin spannte einen Bogen von der unterschiedlichen Situation etwa von türkischstämmigen Akademikerinnen über Hausfrauen und Mütter bis zu Schülerinnen: „Die erfolgreichen Frauen zeigen exemplarisch, dass die Frauen hier gleiche Bildungschancen haben wie andere Frauen auch, wenn sie nicht gehindert werden.“ Es gälten aber Einschränkungen für einen Teil der Musliminnen, auch wenn sie in Deutschland leben: Als ein Beispiel nannte Schröter Studentinnen, die Vorlesungen vorzeitig verließen, um vor Einbruch der Dunkelheit zu Hause zu sein. Andere Beispiele reichten von Schülerinnen, die nicht an Klassenfahrten und Schwimmunterricht teilnehmen dürfen, bis zur Zahl von 52 bislang in Deutschland verübten, so genannten Ehrenmorden an Frauen. Schröters Appell am Ende des Abends: „Keine Beurlaubungen mehr von Mädchen im Schulrecht. Kein Kulturbonus bei Gewalt gegen Frauen." http://www.lueneburg.de/?baum_id=239&inhalt_id=189947
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Re: Kinder und Islam
#170129
26/12/2005 18:25
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Mein Kopf gehört mir" Emel Algan legte ihr Tuch ab und begab sich auf die Suche nach sich selbst - für die Moslemin und sechsfache Mutter kein ungefährlicher Schritt. Ein Porträt Von Andrea Seibel Berlin - Es war an einem kalten Tag im Februar dieses Jahres, als Emel Algan endgültig ihren Kopfschmuck ablegte. Die Berliner Hutmacherin Susanne Gäbel hatte ihr schon im August 2003 drei Variationen entwickelt, weil sie sich schon länger mit dem klassischen Kopftuch nicht mehr wohlgefühlt hatte. Sie fand das Kopftuch "langweilig". Aber jetzt plötzlich drückten auch diese Hüte. Erst schnitt sie den unteren Teil ab, doch das Gefühl blieb unangenehm. Also nahm sie den ganzen Kopfschmuck ab. Und weil es kalt war, zog sie ein Stirnband an zum Schutz der Ohren. Das war der Tag, an dem Emel Algan endgültig die unsichtbare Linie überschritt und sich von ihrem früheren Leben entfernte. Seither genießt sie die Unauffälligkeit des nichtbedeckten Kopfes. Das Zeichen ist weg. Sie ist Moslemin, ohne daß dies jeder sofort weiß. "Ohne Kopftuch bin ich eine von vielen." Das sagt sich leicht. Denn das Kopftuch ist untrüglicher Ausweis der moslemischen Religionszugehörigkeit, der weiblichen Unterdrückung, aber auch eines diffusen moslemischen Selbstbewußtseins. Für die Tochter des Gründers von Milli Görüs in Deutschland und jahrelange ehrenamtliche Vorsitzende des Islamischen Frauenvereins Cemiyet-i Nisa e.V. wird dies ein Schritt mit ungeahnten Konsequenzen. Nichts ist mehr, wie es war. Die 44jährige, die sich als Erbin des geliebten Vaters empfand, wird allmählich als Fremde begriffen. Der Freundeskreis wird kleiner, gewaltig kleiner, sagt sie. Man wendet sich von ihr ab, niemand redet. Sie überfordert die meisten, denn der Vatername Abidin sollte lebenslanges Programm sein. Sie, die durch ihre islamische Vereinsarbeit ein Jahrzehnt lang Vorbild und Autorität war, wirkt plötzlich wie eine Gefahr, wie ein negatives Vorbild, vor dem man besonders die Mädchen schützen muß. Der Unmut beginnt in der Familie. Die Mutter, die nach dem Tod des Patriarchen 1986 zur jungen Familie nach Berlin gekommen war, wird zu einem Stein des Anstoßes. Wie viele Frauen gibt sie den am eigenen Leib erfahrenen Druck an die Tochter weiter, kontrolliert das junge Paar, das ein Kind nach dem anderen bekommt (die Älteste ist 24, der Jüngste fünf Jahre alt) und sich in die Vereinsarbeit stürzt. Algan war nie ein unterwürfiger Mensch. Aber sie fühlt sich unfrei. Auch ihr Mann, glaubt sie, konnte sich nicht mit ihr gemeinsam weiterentwickeln. Heute ist diese Kluft nicht mehr zu überbrücken. Sie lebt mit ihm, dem sie schon mit 16 versprochen wurde und dann mit 19 heiratete, seit einem halben Jahr in Scheidung. Die religiöse Trennung hat er noch nicht akzeptiert. "Ich hatte keine Lebenserfahrung, keine Welterfahrung, ich wußte nicht, was Liebe ist." Die einzige Liebe, die sie immer wieder betont, ist die zu ihrem Vater, dem Arzt Jusuf Zeynel Abidin. Sie ist Erstgeborene und wird mit ihrer Schwester zusammen in Wipperfürth erzogen. Acht Monate war sie alt, da zogen Vater und Mutter mit ihr von Istanbul erst nach Lehrte bei Hannover, später dann nach Nordrhein-Westfalen. Die Töchter dürfen keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen, der Vater bringt sie in die Schule und holt sie ab. Man kann dies wohlbehütet nennen, sie spricht von verwöhnt. Als Belastung hat sie dies unfreie Leben nicht empfunden. "Wir kannten eben nichts anderes." Sie war eine Prinzessin, eine Abidin. Und die machte natürlich Abitur. Sie begann ein Anglistikstudium, doch dann kamen die Kinder. Sie studierte 16 Jahre lang, hatte die Magisterarbeit fast zu Ende geschrieben, und warf dann doch hin. "Es war zuviel." Die Mutter von fünf Söhnen und einer Tochter spricht über ihr früheres Leben mit einer ungewöhnlichen Leichtigkeit, einmal allerdings nennt sie ihre Vergangenheit "Altlast". Doch alle Ungetrübtheit und Energie, die Emel Algan ausstrahlt, können nicht darüber hinwegtäuschen, daß sie sich auf dünnem Eis bewegt. "Ich staune, daß ich noch lebe", sagt sie lachend. In einem Leserbrief an eine Tageszeitung, der im August veröffentlicht wurde, schrieb sie, sie hätte sich "in die Position eines potentiellen Ehrenmordopfers und einer Abtrünnigen katapultiert". Doch tief im Innern hat sie keine Angst, weil sie glaubt, daß ihre vielen Kinder und auch der Name des Vaters sie schützen werden. Von der eigenen Familie fühlt sie sich nicht bedroht. Emel Algans Metamorphosen beginnen langsam. Ihre Reflexionen über den Zwang und die Angst in ihrer Religion, ihre Selbstfindungsprozesse als Frau und Individuum und ihre Gedanken über ihre Glaubensfreiheit ("Ich brauche keine Moschee und keine Gelehrten") fallen zeitlich zusammen mit dem Marsch der Lehrerin Fereshda Ludin durch alle Gerichtsinstanzen der Republik. Die eine legt das Kopftuch ab, weil sie sagt: "Mein Kopf gehört mir, ich gehöre mir, ich bin frei, ich lasse mir auch nicht in meine Beziehung zu meinem Schöpfer hineinpfuschen." Die andere meint, ohne das Kopftuch sei sie kein ganzer Mensch und besteht auf dem untrüglichen Zeichen der Differenz, auch zu Nichtmoslems. Emel Algan hat in Diskussionen, die sie als Vereinsvorsitzende in Berlin führte, gespürt, wie diese Debatte die Nichtmoslems befremdete. "Das Kopftuch verhindert Kommunikation. In welcher Zeit leben wir? Wir können doch unser Heute nicht mit dem Lebensumfeld der Menschen vor 1400 Jahren vergleichen. Daraus kann man doch kein Dogma machen!" Das Theater um das Kopftuch, Algan hält es für Krampf. "Es gibt Wichtigeres." Nämlich als Gläubige in einer nichtmoslemischen Mehrheitsgesellschaft, in der sie lebt, "für Entspannung zu sorgen". Das sind Sätze, nach denen sich viele in Deutschland angesichts anhaltender Negativmeldungen über Ehrenmorde, Gewalt gegen türkische Frauen und Selbstmordattentäter sehnen: "Es ist dieses Land, in dem ich lebe, das mir Selbstbestimmtheit und Selbstverantwortung überhaupt erst ermöglicht." Deutschen, die in letzter Zeit verstärkt zum Islam übertreten, weil sie die "klaren Vorschriften" liebten, antwortet sie: "Ja, wie Fidel Castro und Michael Jackson auch - das kann nur jemand sagen, der mit sich selbst nicht im reinen ist." Sie schwärmt davon, die Kostbarkeit des Lebens entdeckt zu haben. Und: "Leben bedeutet Veränderung." Sie lehnt den Begriff der Sünde ab, auch den des göttlichen Gesetzes, das aus dem Koran sprechen soll. Und glaubt: "Gott ist eine Energiequelle für Geborgenheit und Vertrauen, für Freiheit und Verantwortung, für Liebe und ein Leben ohne Angst. Gott ist mein Freund." Ihr Mann, dem sie weiterhin ihre Thesen vorlegt, weil sie so überzeugt ist von der Richtigkeit ihres Tuns, gibt ihr immer wieder zu verstehen: richtige Feststellungen, aber falsche Ergebnisse. Manchmal sagen die Söhne, mit denen sie auch über den Teufel und die Sünde spricht: "Mama, setz doch das Kopftuch auf, damit du aussiehst wie eine moslemische Frau." Ihre Kinder seien sehr sensibel und hellhörig. Sie wolle sie ernst nehmen. Drei sind noch zu Hause, die Älteste ist glücklich verheiratet, der Zweitälteste ist beim Bund, der dritte geht auf die Erzieherfachschule. Als sie jüngst einen neuen türkisfarbenen Pulli trug und der Ehemann nicht reagierte, sagte ihr 13jähriger Sohn Usame: "Papa, du kannst ruhig hinschauen, da ist kein Teufel drin." Sie liebt irische Musik, fährt einen Mini Cooper, sie geht tanzen, hat mit Aikido begonnen, macht Abendkurse über Öffentlichkeitsarbeit - "denn ich muß bald Geld verdienen". Alles Dinge, die Menschen, die weniger kontrolliert und fremdbestimmt aufwuchsen , für selbstverständlich erachten. Für die junge, energische Frau, deren einzige Tochter (sie trägt Kopftuch, und wieder lacht Emel Algan dies glockenhelle Lachen) sie schon vor drei Jahren zur Großmutter machte, bleiben dies aufregende und abenteuerliche Erfahrungen. "Fast jede Tür steht mir offen, und ich durchschreite sie unauffällig. Ich habe durch die äußere Verwandlung in die Unscheinbarkeit auch meine Perspektive geändert. Viele Dinge nehme ich anders wahr." Wohin das Leben Emel Algan auch treiben wird, sie weiß, es gibt kein Zurück. Sie werde lauter, sagt sie, weil sie will, daß andere an ihrer Freude teilnehmen können. "Ich will anderen Mut machen, auch zu sich zu finden und zu sich zu stehen." Sie tritt im türkischen Fernsehen auf, gibt Interviews, der WDR hat einen Tag in ihrem Leben dokumentiert. Sie ist die Verkörperung dessen, was man ganz pathetisch Aufklärung nennt. Lerne, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen. Auch im Glauben wendet sie diese Maxime an, die besagt, daß sie sich als Geschöpf des Schöpfers auch ehren und lieben soll. Denn "Gotteserkenntnis ist nur über die Selbsterkenntnis zu erreichen". http://morgenpost.berlin1.de/content/2005/12/22/politik/800146.html
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Re: Kinder und Islam
#170133
28/12/2005 00:51
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Zitat: Denn hier sind viele Frauen, die keine wirklich Ahnung haben, was der Islam tatsächlich bedeutet.
Und du hast sie - dank deiner seitenlangen Kopien? Mabrouk!
Endgültig zweifelnde Grüße Susanne
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